Von Michael Horeni
11. Dezember 2007 Beruflich und privat bewege ich mich in zwei Sportwelten, und in beiden spielen Fitnesstrainer eine große Rolle - allerdings eine sehr unterschiedliche. In meinem Fitnessklub sind Fitnesstrainer unangefochtene Stars.
Die meisten haben eine gute Ausbildung hinter sich, was mich ehrlich gesagt doch ein wenig erstaunt hat. Mit Jungs aus der Muckibude, die früher jahrelang nur Gewichte gestemmt haben, und es jetzt den Kunden zeigen, weil sie wissen wie es geht (Prinzip Fußballtrainer), hat das nicht mehr viel zu tun. Manche haben das Studium der Sportwissenschaft hinter sich gebracht oder eine andere theoretische Ausbildung. Einige waren selbst in verschiedenen anderen Sportarten erfolgreich, haben in der ersten Liga gespielt oder deutsche Meisterschaften gewonnen. Andere haben dazu noch Trainerlizenzen in anderen Sportarten erworben oder therapeutische Zusatzqualifikationen - und bei manchen kommt das eine zum anderen.
Personal Trainer als Statussymbol
Die Fitnesstrainer tragen alle die gleichen Polo-Shirts, knackig grün. Sie müssten die Hemden gar nicht anhaben, man erkennt sie auch so. Die Jungs strotzen nur so vor Vitalität, Selbstbewusstsein und Kraft. Dazu hört man nur freundliche und verständnisvolle Worte von ihnen, ob nun für Manager oder Housewive. Mit anderen Worten, die Fitnesstrainer umgibt eine Aura, wie man sie unter Trainern eigentlich sonst nur bei Skilehrer in Kitzbühel, Lech oder Zermatt kennt.
In einer Bankenstadt macht so etwas natürlich Eindruck, und die allgemeine Berufsbezeichnung Fitnesstrainer haben die Jungs im grünen Shirt natürlich längst hinter sich gelassen. Es sind Personal Trainer. Eine Privatstunde fängt bei 70 Euro an und das kann sich auch bis 150 Euro steigern. Man kann den Eindruck nicht leugnen, dass ein Personal Trainer schon ein wenig zu einem Statussymbol geworden ist. Zumindest bei Leuten, die sich gezielt fit halten wollen, und die ich jetzt regelmäßig treffe.
In der Bundesliga noch immer ein rotes Tuch
Für Profis aus der Bundesligaszene gilt das mit dem Statussymbol nicht unbedingt. Da sind Fitnesstrainer, die einst von Jürgen Klinsmann eingeschleppt wurden, doch noch eher ein rotes Tuch. Ganz so, als ob es sich dabei um eine äußerst gefährliche und ansteckende Krankheit handelt. In der vergangenen Woche habe ich mit Heribert Bruchhagen, dem Vorstandsvorsitzenden der Frankfurter Eintracht, ein Interview geführt, und dabei hat er einen hübschen Satz über Fitnesstrainer gesagt. Ich kann sicher nicht den Beweis antreten, dass es von Nachteil ist, wenn jeder Spieler seinen eigenen Personal-, Mental- und Physikaltrainer hat. Aber für ein Bundesligateam ist das nicht machbar.
Da habe ich mir gedacht, was wohl die Nationalmannschafts-Fitnesscoachs Oliver Schmidtlein und Shad Forsythe dazu sagen würden, dass ihre Arbeit immerhin nicht von Nachteil ist? Oder zu der anderen Bemerkung des Vorstandsvorsitzenden, dass es ihn wahnsinnig störe, wenn der Eindruck erweckt werde, mit amerikanischen Fitnesstrainern und fortlaufenden Untersuchungen könne man auf die Trainierbarkeit der Spieler schließen - und dann auch noch glaube, dies ließe sich auch in der Bundesliga umsetzen.
Leistungsfähigkeit steigern
Immerhin konnten die beiden das mit den fortlaufenden Untersuchungen und der Trainierbarkeit bei mir als Hobbysportler bestens umsetzen. Das freut mich doch sehr. Und ganz nebenbei gibt es, soweit ich weiß, weder deutsche noch amerikanische Fitnesstrainer, die behaupten, durch ihr Training würden Fußballspieler besser Fußball spielen, Tennisspieler besser Tennis oder Golfer besser golfen.
Die gezielten Übungen können jedoch dafür sorgen, dass der Körper der Athleten umfassender ausgebildet wird, damit besser gegen Verletzungen und Verschleiß geschützt ist und somit leistungsfähiger wird. In meinem Fitnessklub wollen sich eigentlich alle irgendwie vor Verschleiß schützen und die Leistungsfähigkeit steigern. Es ist das Prinzip, nach dem ungezählte Fitnessklubs in Deutschland funktionieren. Irgendwann wird das ganz sicher auch der letzte Profiklub begreifen.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: F.A.Z. - Wonge Bergmann, F.A.Z.- Frank Röth