08. November 2009 Deutschland und Kanada liegen dicht beieinander - zumindest auf der Weltkarte des Eishockeys. Darum ist es nicht verwunderlich, dass der gebürtige Kanadier Rob Zepp zwar nach Deutschland, in das Land seiner Väter, zurückgekehrt ist. Dass es aber nun einer seiner größten Träume ist, im Februar wieder nach Kanada zurückzukehren. Von der Heimat in die Heimat. Heimweh also?
Schon eher Sehnsucht nach dem olympischen Flair und dem Ruhm. Zepp möchte nächstes Jahr bei den Winterspielen in Vancouver das deutsche Eishockeytor hüten. Das wünsche ich mir, sagt er. Schließlich besitzt der 28 Jahre alte Profi seit Frühjahr 2008 neben der kanadischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Deutscher Meister ist er ohnehin, sogar schon zweimal holte er diesen Titel mit den Berliner Eisbären. Und Bundestrainer Uwe Krupp sagt: Ohne ihn wäre Berlin nicht Meister geworden.
Starke Paraden gegen die Amerikaner
Am Freitagabend hat Zepp die Chance genutzt, seinem Traum von Vancouver ein Stück näher zu kommen. Bei seinem Länderspiel-Debüt beim Deutschland-Cup in München gegen die Vereinigten Staaten rettete er mit seinen starken Paraden die deutsche Mannschaft beim Stand von 2:2 in die Verlängerung und dann auch noch ins Penaltyschießen. Das allerdings endete 3:2 für die Amerikaner. Leider hat es im Shoot-out nicht geklappt, sagte Zepp später und wischte sich seinen ersten Länderspielschweiß von der Stirn.
Es gelang ihm zwar, einen Penalty des Amerikaners Justin Morrison zu parieren, doch sein Gegenüber, Jeanmarc Pelletier (Hamburg Freezers), hatte es ihm vorgemacht. Der Amerikaner vereitelte einen Versuch seines hanseatischen Klubkollegen John Tripp. Schließlich schoss der deutsche Rückkehrer Thomas Greilinger neben das Tor - eine kleine Trübung eines ansonsten gelungenen Auftritts des Stürmers aus Ingolstadt.
Zepp hört Zeppelin
Schade, sagt Zepp. Er hätte bei seinem Debüt gerne die deutsche Nationalhymne gehört. Sie gefällt mir, erklärt der Fan der legendären Rockband Led Zeppelin. Ich werde wohl anfangen müssen, den Text zu lernen. Sein Vater Peter verließ als dreijähriges Kind zusammen mit seinen Eltern den Heimatort Kitzingen Richtung Kanada - Zepp wurde in Newmarket im Großraum Toronto geboren. Mit der deutschen Sprache hapert es allerdings generell. In meiner Familie wurde leider kein Deutsch gesprochen. Ich hätte als Kind damit anfangen sollen, da lernt es sich leichter. Bisher beeindruckt er seine alt-neuen Landsleute also weniger mit dem Mundwerk als mit Reaktionsschnelligkeit, Zuverlässigkeit und Voraussicht.
Zepp ist ein ruhiger Rückhalt für die Mannschaft, sagt Krupp. Ohne seine Leistung geht solch ein Spiel anders aus, weil die Amerikaner mit wenig Druck immer wieder hervorragende Chancen erspielen können. Dazu genügt gegen die Deutschen auch eine Söldner-Truppe aus den europäischen Ligen - allein zehn Nationalspieler von München stehen in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) unter Vertrag. Die wahre Klasse der olympischen Konkurrenz können sie sich bisher nur in ihrer Phantasie ausmalen. Für das olympische Turnier wird die amerikanische Profiliga NHL Pause machen. Hauptsächlich die Vereinigten Staaten und Kanada, aber auch andere starke Eishockey-Nationen können dann ihre wahren Superstars aufbieten.
Torhüternation Deutschland
Auch deshalb schaut Uwe Krupp mit zerfurchter Stirn Richtung Vancouver. Die schmerzhafte Schlappe bei den Weltmeisterschaften im Frühjahr in der Schweiz, als die Deutschen notorisch das Tor nicht trafen und auf Rang 15 landeten, ist noch nicht verwunden. Und nach den Olympischen Spielen wollen die Deutschen auch bei der WM im eigenen Land eine gute Figur machen. Sie haben sich lediglich dank ihrer Gastgeberrolle dafür qualifiziert. Mit Blick auf die Torhüter macht Krupp sich allerdings keine Sorgen. Da sind wir traditionell gut aufgestellt.
So gut, dass Zepp in München, wo an diesem Sonntag die Schweiz wartet, wohl gar nicht mehr eingesetzt wird. Auch Dennis Endras von den Augsburger Panthern und Dimitri Pätzold vom ERC Ingolstadt sollen die Chance bekommen, sich in der Olympiahalle auszuzeichnen. Weitere Konkurrenz wartet im In- und Ausland. So hat sich Zepp zwar für das Eishockey-Entwicklungsland Deutschland entschieden, aber gleichzeitig für eine klassische Torhüter-Nation. Zepp weiß das und zuckt die breiten Schultern: Ich kann nur eines machen: weiter gut spielen.
Text: F.A.S.
Bildmaterial: dpa