Von Wolfgang Scheffler
28. April 2008 Wenn Tiger Woods, der sich gerade von seiner dritten Knieoperation erholt, einen Golfplatz spielt, hat er neuerdings nicht nur im Sinn, wie man mit möglichst wenigen Schlägen über die Runde kommt: Ich schaue mit jetzt jeden Golfplatz mit ganz anderen Augen an. Warum wurde er so gebaut? Was hat sich der Designer dabei gedacht? Ich versuche, dass zu verstehen. Denn der 31-jährige Golfprofi hat neuerdings einen ausgesprochen einträglichen Nebenjob: als Golfplatz-Architekt.
Angeblich 4,5 Millionen Dollar zahlt ihm Scheich Mohammmed Bin Rashid Al Maktoum, der Herrscher von Dubai sowie der Vizepräsident und Premierminister der Vereinigten Arabischen Emirate, um in Dubai sein Erstlingswerk als Golfplatz-Designer abzuliefern. Auch einen zweiten, nicht minder einträglichen Job hat der mit Abstand beste Golfspieler der Welt schon an Land gezogen. In North Carolina wird einer der acht Plätze von The Cliffs at High Carolina in Travelers Rest seinen Namen tragen. Golfplätze zu entwerfen, war schon immer mein Traum. Hoffentlich hinterlasse ich damit etwas Dauerhaftes, etwas, was immer an mich erinnert, sagt Woods, der die Plätze von Royal Melbourne, Kingston Heath oder Metropolitan im Sandgürtel (Sandbelt) von Melbourne als sein großes Ideal bezeichnet. So sollte Golf gespielt werden.
Das Spezialwissen kommt vom Golfplatz-Architekten
Aber Woods ist beileibe nicht der einzige Weltklasseprofi, der zusätzlich zu Preisgeld und Werbeverträgen kräftig abkassiert. Phil Mickelson und Ernie Els, die Nummer zwei und drei der Weltrangliste, aber auch Vijay Singh, Annika Sörenstam, Fred Couples, Davis Love III, Jose Maria Olazabal, Darren Clarke, Colin Montgomerie, David Toms und Zhang Lian-Wei haben neben ihrem spielenden Hauptbroterwerb noch die Zeit gefunden, einen Golfplatz zu entwerfen - zumindest gelten sie offiziell als die geistigen Väter grüner Spielwiesen in aller Welt.
Wie groß ihr Anteil am Endprodukt wirklich ist, darüber mag man streiten. Denn der Entwurf eines Golfplatzes geht weit über die Gestaltung einzelner Spielbahnen, die Plazierung von Wasserhindernissen und Bunkern hinaus. Welche Grassorte kann in dieser Landschaft gedeihen, wie muss der Untergrund beschaffen sein, wie sorge ich für die wichtige Drainage - alles Fragen, die ein Spezialwissen erfordern, dass sich ausgebildete Golfplatz-Architekten in einem aufwendigen Studium aneignen müssen.
Kann ein Pianist einen Flügel bauen?
Und noch etwas kommt hinzu: Nicht jeder der einen Ball weit und präzise schlagen kann, nicht jeder, der mit seiner Schlagfertigkeit viel Geld verdient, hat die Kreativität 18 Löcher so in die Landschaft zu legen, dass sie spielerisch eine Herausforderung sind und optisch ein Genuss entsteht. Nicht umsonst gelten die Altmeister der Branche, Pete Dye, Robert Trent Jones jun., Rees Jones oder Tom Fazio nicht nur als große Handwerksmeister sondern wie die Jungstars Tom Doak und Billy McLay Kidd auch als begnadete Künstler, die mit ihren Entwürfen eine Landschaft veredeln.
Obwohl diese Herren sich nicht über mangelnde Aufträge beklagen können, macht den weniger Bekannten ihrer Zunft die neue Konkurrenz der Tourstars ganz schön zu schaffen. Oft müssen sich gelernte Golfplatz-Archtitekten damit begnügen, mit ihrem Fachwissen einem großen Namen zu helfen. Und mit ein bisschen Glück werden sie wie Kurt Rossknecht und Thomas Himmel, die Bernhard Langer bei seinen Arbeiten halfen, auch als Ko-Designer genannt.
Warum sollten Profis Golfplätze entwerfen?
Aber die neue Lust am Nebenjob Golfplatz-Architekt ist kein neues Phänomen. Ende der sechziger Jahre entdeckten die großen Drei, Jack Nicklaus, Arnold Palmer und Gary Player, dass sich ihre Namen als Etiketten von Golfplätzen trefflich verkaufen. Da konnte Pete Dye noch so sehr wettern: Kein Mensch würde einem weltberühmten Pianisten zutrauen, einen Konzertflügel zu bauen. Warum sollten Profis Golfplätze entwerfen? fragte Pete Dye einst rhetorisch. Der heute 83-jährige Altmeister musste den Kampf gegen das einträgliche Zubrot der besten Golfer der Welt längst aufgegeben. Schließlich war er es, der Jack Nicklaus 1967 beim Bau des Platzes von Harbour Town auf Hilton Head Island in South Carolina als Ko-Designer nutzte und ihn damit als einen späteren Konkurrenten anlernte.
Nicklaus, Palmer, Player hatten schnell viele Nachahmer gefunden: Die Namen der Golfprofis Greg Norman, Ben Crenshaw, Tom Weiskopf, Bernhard Langer, Severiano Ballesteros, Nick Faldo, Ian Woosnam, Sandy Lyle, Mark McCumber, Graham Marsh, Ian Baker-Finch und Curtis Strange zieren Golfplätze in aller Welt. Besonders die ehemaligen Konkurrenten Norman und Faldo sind auf diesem Feld besonders erfolgreich. Der Australier Norman erhielt gerade eine ganz besondere Auszeichnung. In der vorigen Wochen verkündete die europäische Tour, dass das höchstdotierte Golfturnier der Welt, die mit zehn Millionen Dollar dotierte Dubai World Golf Championship, Ende 2009 auf dem von Norman noch zu gestaltenden Earth Course in Dubailand ausgetragen wird.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP
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