Mein Fitness-Kick

Um den Bauch so etwas wie Muskulatur

Von Michael Horeni

23. Oktober 2007 Die Sache wird jetzt ernst, sehr ernst. Daran gibt es seit letzter Woche keinen Zweifel. Einen Tag vor dem Länderspiel gegen Tschechien bin ich zur Überprüfung meiner Fitness nach nun gut sechs Wochen wieder mit Oliver Schmidtlein und Shad Forsythe im Fitnessraum des Mannschaftshotels verabredet. Die ersten Ergebnisse sind nach den Aufbauübungen tatsächlich schon auszumachen.

Um den Bauch herum beginnt sich so etwas wie Muskulatur aufzubauen, die Haltung ist auch ein wenig aufrechter geworden, und ganz nebenbei hat sich auch das Gewicht noch mal etwas weiter reduziert. Weniger als 73 Kilo sind es jetzt, und das sind etwa vier, fünf Kilo weniger wie noch zu meinem Tiefpunkt im Frühsommer, als ich beschloss, mich sportlich wieder aufzuraffen. Aber ums Gewicht kümmere ich mich eigentlich schon ein paar Wochen nicht mehr. Ich merke, dass es bei dem Programm, das ich trotz mancher Unregelmäßigkeit absolviere, ohnehin kein Thema mehr sein wird, und das ist schon ein ziemlich gutes Gefühl.

Training mit geschlossenen Augen

Aber nun liege ich auf einer Pritsche im Hotel und habe das Gefühl, in der Münchner Notfallklinik gelandet zu sein. Oliver Schmidtlein und Shad Forsythe bringen überall Kabel und Klammern an meinem weitgehend von Kleidung befreiten Körper an, und nach ein paar Minuten bin ich so verdrahtet, dass es nicht so aussieht, als wolle hier einer fit werden, sondern dass ohne Arzt bald gar nichts mehr geht.

Tatsächlich aber handelt es sich um Leistungsdiagnostik inklusive EKG mit Hilfe der sogenannten Omega-Wellen. Das Verfahren kommt, wie Schmidtlein erklärt, eigentlich aus der Sowjetunion, aus Zeiten, als den Sportlern das Doping zu den Augen rausguckte und die Sportführung sich überlegte, wie man nun vielleicht doch auch etwas gezielter trainieren könne, jeden Tag punktgenau. Der Test wird im vollkommenen Ruhezustand vorgenommen, bei geschlossenen Augen, und reden darf man auch kein Wort.

„In zehn Minuten kann ich dich fertigmachen“

Es zeigt sich, dass meine Fitness sich für mein Alter im Durchschnitt bewegt, im aeroben Bereich sieht es sogar ganz gut aus, das Joggen im moderaten Tempo zeigt Wirkung. Aber im anaeroben Bereich, bei hohen Belastungen, sieht es noch ziemlich mau aus, sagt Schmidtlein bei Durchsicht der Daten. Wir Sportler duzen uns natürlich. „In zehn Minuten kann ich dich fertigmachen“, sagt er grinsend. Ich glaube das aufs Wort. Aber jetzt habe ich die Basis erworben, um härter trainieren zu können.

Aufgrund der Auswertung mit den Omega-Wellen haben mir Schmidtlein und Forsythe nun neue Trainingspläne erstellt. Die Aufwärmübungen sind zahlreicher und anspruchsvoller geworden, das Laufprogramm hat jetzt eine erkennbar höhere Intensität - und um mich bis zur Europameisterschaft 2008 in vorzeigbaren Zustand zu versetzen, reicht mein Selbsthilfeprogramm mit professioneller Anleitung allein auch nicht mehr aus. „Um das Fitnessstudio“, sagt Schmidtlein, „kommst du nicht mehr herum.“ In der kommenden Woche werde ich Zugang zu einer weiteren neuen Welt finden müssen.



Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 21.10.2007, Nr. 42 / Seite 22
Bildmaterial: Wonge Bergmann

 
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