Von Alexander Hofmann, Sydney
27. März 2008 Junge Liebe ist etwas Schönes. Noch schöner ist sie, wenn beide Hälften des verliebten Paares blendend aussehen. Und kaum noch auszuhalten ist es, wenn die Turteltauben auch noch erfolgreich sind. Oder berühmt. Oder gar beides. All das trifft auf das neue Traumpaar des australischen Schwimmsports zu.
Stephanie Rice und Eamon Sullivan sind auf dem fünften Kontinent bereits zu Steamon“ ernannt und durch diese Verbindung ihrer Vornamen in eine Kategorie mit Brangelina“ erhoben worden, dem liebsten Paar der bunten Blätter, dem Schauspielerduo Angelina Jolie und Brad Pitt. Weltweite Bekanntheit ist den schnellen Schwimmern zwar noch nicht vergönnt. Nach Ansicht der sportverrückten Australier ist das aber nur noch eine Frage der Zeit.
Wunderbare, aber auch beklemmende Momente
Rice und Sullivan sind die Stars der australischen Meisterschaften, die gleichzeitig als Olympiaqualifikation gelten. Tausende von Zuschauern am Olympiapool in Sydney und Hunderttausende vor den Fernsehschirmen verfolgen täglich die Auftritte ihrer Idole. Der live übertragende Fernsehsender lässt keine Chance aus, bei den Rennen jeweils den mitfiebernden Partner einzublenden. Und erst recht nicht die Umarmung danach.
Wie in einem guten Liebesroman haben Rice und Sullivan den Menschen wunderbare, aber auch beklemmende Momente beschert. Vor den Meisterschaften hielt nur Sullivan einen Weltrekord, den über 50 Meter Freistil, den er dann auch noch vorübergehend an den Franzosen Alain Bernard verlor. Währenddessen schwang sich Stephanie Rice gleich zu zwei Weltrekorden auf.
Mehr als 4000 Kilometer voneinander entfernt
Am Donnerstag nun machte Sullivan Boden gut in der leistungsorientierten Beziehung, indem er die nur fünf Tage alte Bestleistung Bernards über 50 Meter Freistil um neun Hundertselsekunden auf 21,41 Sekunden verbesserte. Rice hatte über 200 und 400 Meter Lagen die alten Bestmarken pulverisiert – über die längere Strecke steigerte sie ihre eigene Bestleistung um fast sechs Sekunden, was in der Fachwelt prompt leichte Skepsis hervorrief. Sullivan sprang seiner Freundin zur Seite und wehrte jeglichen Vorwurf ab, es sei bei dieser enormen Leistungssteigerung möglicherweise nicht mit rechten Dingen zugegangen. Ich kenne niemanden, der so hart arbeitet wie Sam, sie hat es sich verdient“, sagte er.
Sullivan selbst hatte schon am Mittwoch denkbar knapp den neuen Weltrekord des Franzosen Bernard über 100 Meter Freistil verpasst. Als der 22 Jahre alte Sullivan in 47,52 Sekunden genau zwei Hundertstelsekunden zu spät anschlug, war ihm die bittere Enttäuschung anzumerken. Ein übles Schimpfwort sei ihm da herausgefahren, berichtete Sullivan später. Er besaß aber wenigstens die Geistesgegenwart, beim F-Wort“ nicht in die Kamera zu schauen, wie seine Freundin dies nach ihrem ersten Weltrekord getan hatte, als sie dasselbe Schimpfwort zum Zeichen ihrer Begeisterung herausschleuderte.
Keine Frage offenbar, wer derzeit die Hosen anhat
Das war aber auch schon der einzige Ausrutscher in Sachen Publicity, den sich die beiden leisteten. Ansonsten gelten sie in Marketingkreisen schon jetzt als millionenträchtig. Am besten, so ein Insider, seien sie zu verkaufen, wenn sie gemeinsam vermarktet werden könnten – wofür sie natürlich ein Paar bleiben müssten. Doch was die gemeinsame Zukunft angeht, wird sich nach zwei Jahren trauter Zweisamkeit nun erst zeigen müssen, wie sich das Interesse der Öffentlichkeit auf die Fernbeziehung auswirkt. Immerhin sind die Wohnorte der beiden mehr als 4000 Kilometer voneinander entfernt. Sullivan wohnt in Perth in Westaustralien am Indischen Ozean, während Rice in Brisbane am Pazifik zu Hause ist. Gefunkt hatte es zwischen den beiden bei den Commonwealth Games vor zwei Jahren in Melbourne. Inzwischen verbringen sie jeweils viel Zeit in der Heimatstadt des anderen.
Sullivan sieht durchaus einen Vorteil darin, dass seine Gefährtin auch Spitzensportlerin ist. Sie hat mehr Verständnis, zum Beispiel dafür, dass man manchmal schlichtweg müde und deswegen auch mal etwas missmutig ist“, sagt er. Seinen eigenen Missmut hatte der für einen modernen Sprinter überraschend schlanke Athlet nach der Enttäuschung über den verpassten Weltrekord schnell im Griff. Vielleicht lässt Sam mich ja jetzt einen Rock tragen, weil sie zwei Weltrekorde hat und ich keinen“, sagte er. Keine Frage offenbar, wer derzeit die Hosen anhat. Schließlich hat er ja jetzt auch wenigstens wieder einen eigenen Weltrekord.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP, REUTERS
Wada: Landis-Prozess kostet ![]()
Tennis: Kiefer in Hamburg im Viertelfinale
Redefreiheit bei Olympia: Wir wissen jetzt, woran wir sind
Nationaler Doping-Testpool: Eishockey-Bund nennt Namen nicht gemeldeter Spieler
Wer muss mit zur Europameisterschaft?
