29. Oktober 2008 Das Team Columbia ist am Mittwoch in die Offensive gegangen – und meldete kurzerhand den Wechsel von Linus Gerdemann zum Team Milram. Das entsprach den Tatsachen, aber es überraschte Gerdemanns neue Mannschaft, die künftig der einzige deutsche Profirennstall der ersten Kategorie sein wird. Milram hätte Gerdemanns Verpflichtung wohl gerne während einer Pressekonferenz bekanntgegeben.
Der Termin findet zwar an diesem Donnerstag in Dortmund noch statt, aber eine große Neuigkeit wird er nicht mehr beinhalten. Der Münsteraner Gerdemann ist der dreizehnte Neuzugang beim Team Milram, er ist als Kapitän für die großen Rundfahrten vorgesehen. Insgesamt acht Radprofis hat Milram, das sich als deutsches Team etablieren möchte, vom untergegangenen Team Gerolsteiner (siehe: Fahrrad-Flohmarkt: Ausverkauf bei Gerolsteiner) geholt, zuletzt Ronny Scholz und den Sprinter Robert Förster. Sein Kommen kann als Indiz dafür gewertet werden, dass Milram den schnellen Gerald Ciolek von Columbia doch nicht unter Vertrag nehmen kann.
Der Vertrag läuft zwei Jahre
Um Gerdemann, den Sieger der Deutschland-Rundfahrt, hatte es ein monatelanges Transfergerangel gegeben, der Rennfahrer war schließlich noch bis Ende 2009 an sein bisheriges Team gebunden. Milram dürfte eine beträchtliche Ablösesumme für Gerdemann gezahlt haben. Milram-Teamchef Gerry van Gerwen mochte dazu am Mittwoch nichts sagen.
Der Niederländer äußerte sich über den Preis für Gerdemann nur grundsätzlich: Gute Rennfahrer sind niemals billig.“ Allerdings glaubt die Equipe, mit dem 26 Jahre alten Profi große Aufmerksamkeit auf sich ziehen zu können. Mit Linus haben wir unseren absoluten Wunschfahrer in unseren Reihen, der das Team in den kommenden Jahren führen wird“, sagte van Gerwen. Gerdemann unterschrieb einen zwei Jahre laufenden Kontrakt.
Milrams Problem: der deutsche Markt
Es ging lange hin und her. Es ist aber kein moderner Menschenhandel“, sagte Rolf Aldag, Sportdirektor von Columbia, zu dem Hin und Her um den Münsteraner. Aldag behauptete auch: Für die Neuausrichtung von Milram ist ein Gerdemann gut, weil er nicht vorbelastet ist.“
Gleichwohl stehen Gerdemann und seine neue Equipe vor sehr schwierigen Zeiten. Schließlich berichten ARD und ZDF nach den Doping-Affären um Stefan Schumacher und Bernhard Kohl nicht mehr live von der Tour de France (siehe: Tour de France: ARD und ZDF steigen aus der Live-Berichterstattung aus ), überdies findet die Deutschland-Tour im kommenden Jahr nicht statt (siehe: Deutschland-Tour: Linus Gerdemann wird Vierter - und triumphiert dennoch). Damit sind die Werbemöglichkeiten eingeschränkt. Aldag beurteilt die Zukunft des Rivalen deswegen so: Milram hat ein Problem, weil es ausschließlich den deutschen Markt bedient.“
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, ddp