Von Rainer Seele
10. Mai 2008 Klingende Namen, blühende Landschaften - und endlich auch wieder große Gefühle im Radsport: Freunde, auf zur Sonne und zum Giro, zu den bunten Straßenfesten zwischen Palermo und Mailand. Fällt bestimmt nicht schwer, sich von den italienischen Momenten verzaubern zu lassen, wird ja wohl für jeden was dabei sein in den nächsten drei Wochen.
Gleich ein Mannschaftszeitfahren auf Sizilien etwa, und wer Höhenluft schnuppern möchte, kommt auch nicht zu kurz: Pescocostanzo, Alpe di Pampeago oder der Kronplatz locken mit - vermutlich spannenden - Bergankünften. Man wird bei dieser Studienreise auch Belvedere Marittimo oder Cesano Maderno kennenlernen dürfen, insgesamt 3400 Kilometer gespickt mit dichten Eindrücken, ganz gewiss. Und dann, das ist ganz große Oper, La Cima Coppi! So wird - zu Ehren des früheren Campionissimo Coppi - der höchste Punkt des Giro d'Italia bezeichnet, diesmal ist das der Gavia-Pass, 2618 Meter hoch gelegen.
Auf gestandene Profis soll nicht verzichtet werden
Ja, da darf das Peloton sich beweisen, und man kann den Rennfahrern nur wünschen, dass sie auch wirklich gute Beine haben, um all diese Gipfel erklimmen zu können. Soll ja auf alle Fälle ein Spektakel werden, dieser Giro, eine faszinierende Show, weswegen nun doch auch das Team Astana mitmachen darf, das zunächst nicht eingeladen war.
Aber auf gestandene Profis wie Contador oder den Deutschen Klöden, der gerade bei der Tour de Romandie auftrumpfte, wollten die Italiener dann doch nicht verzichten. Warum auch ständig in der Vergangenheit und im Schmutz wühlen, lieber mutig in die Zukunft schauen! Und so weisen die Giro-Macher stolz auf eine einzigartige Besetzung hin: In ihrem Feld sind alle Sieger der großen Rundfahrten von 2007 vertreten - der Italiener di Luca (Giro), der Spanier Contador (Tour de France) und der Russe Mentschow (Vuelta).
Eine Art Familienzusammenführung beim Giro
Eine illustre Runde, über die sich einiges sagen ließe. Zum Beispiel, dass di Luca des Dopings verdächtigt, dass Contador mit dem spanischen Doping-Ring in Verbindung gebracht wurde. Oder dass Mentschow bei dem niederländischen Team Rabobank unter Vertrag steht, das im Zusammenhang mit der Wiener Blutbankaffäre erwähnt worden ist.
Aber warum soll der Giro damit belastet werden? Dort wird doch, so hat es den Anschein, eine Art Familienzusammenführung gefeiert - damit hoffentlich alles bald wieder so sei wie früher. Zwar ist der einheimische Sprintstar Petacchi leider gerade wegen einer Sperre verhindert, aber das muss man verschmerzen können. Der Giro jedenfalls hat sich sein rosa Schleifchen schon jetzt redlich verdient.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP
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