Von Klaus-Reinhold Kany, Kitchener
22. November 2009 Die zweimaligen Paarlaufweltmeister Aljona Savchenko und Robin Szolkowy aus Chemnitz haben beim Grand-Prix-Wettbewerb Skate Canada in Kitchener nahe Toronto mit einer völlig neuen Kür Preisrichter begeistert und etwa 4500 Zuschauer zu Ovationen motiviert. Seit fünf Jahren gilt das neue Wertungssystem, und die Deutschen erreichten am Samstag die höchste Gesamtpunktzahl, die bisher ein Paar erzielt hat. Erstmals vergab dabei ein Preisrichter überhaupt die Höchstpunktzahl 10, für die Darbietung der Kür.
Abgesehen von einem von beiden nur einfach gesprungenen Axel glückten alle Elemente in erstklassiger Qualität. Die entscheidenden Pluspunkte gegenüber der Konkurrenz sammelten die Sachsen auch in Kanada für das Wechselspiel von Mann und Frau, für die einerseits verspielte, andererseits knisternde Ausstrahlung, die sie schon mit ihrer letztjährigen Kür zur Musik von Schindlers Liste“ gezeigt hatten.
Ihre im September vorgestellte Kür mit Version der Fußball-Hymne You’ll never walk alone“ des Geigers André Rieu war auf viel Kritik gestoßen. Der stets misstrauische Trainer Ingo Steuer hatte im Sommer darauf verzichtet, Verbandsoffizielle die neuen Programme überprüfen zu lassen. Aber spärlicher Beifall bei den ersten Wettbewerben in Oberstdorf und Paris und Gespräche mit Preisrichtern ließen ihn zweifeln. Als das Paar dann in Paris auch noch mehrere Elemente verpatzte, war die Änderung eine logische Folge. Steuer hörte auf kritische Stimmen. Auch Aljona Savchenko gab zu, sie habe die Musik im Training zuletzt gehasst.
In der Kür folgte noch eine Steigerung
Steuer sagt, er habe sich bereits auf dem Rückflug von Paris an die mit einem Oscar dekorierten Filmmusik Jenseits von Afrika“ erinnert. Noch in der Nacht habe er sie zu Hause zur vorgeschriebenen Kürlänge zusammengeschnitten. Das Einstudieren der neuen Choreographie gelang den routinierten Läufern und ihrem Trainer in wenigen Wochen. Aljona Savchenko sagte, sie habe sich mit ihrem Partner auch den Film angesehen, um ihre Rolle spielen zu können. Sie fühle sich wohl in der Musik und könne eine schöne Geschichte von verbotener Liebe interpretieren. Die Musik passt zu dem Laufstil der beiden Deutschen, und sie werden sie nach dem großen Erfolg in Kanada auch für den Rest der Saison verwenden.
Ihr Kurzprogramm zu Klavierklängen des von Danny Wright arrangierten Stückes Send in the Clowns“ haben die beiden Chemnitzer nach guten Kritiken bei den ersten beiden Herbstwettbewerben beibehalten. Das Paar, das immer wieder mit Innovationen aufwartet, tritt dabei mit weiß geschminkten Gesichtern auf. Das haben bisher noch nie Läufer im Wettbewerb gewagt, sondern nur vereinzelt in Shows. Die Regeln verbieten zwar allzu theatermäßige Kostüme“, aber über Schminke sagen sie nichts.
Auch in Kitchener gelangen den beiden alle acht vorgeschriebenen Elemente. Gegenüber dem letzten Wettbewerb hatten Aljona Savchenko und Robin Szolkowy noch ein paar zusätzliche kleine Posen integriert, die das show-erprobte kanadische Publikum begeisterten. Und auch einige Preisrichter ließen sich anstecken: Zwei gaben für Choreographie und Interpretation die zweithöchste mögliche Zahl von je 9,75 Punkten, was noch kein Einzelläufer oder Paar jemals erhalten hatte. Und in der Kür folgte dann noch eine Steigerung.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP, REUTERS