Schwimmen

Weltrekord mit geflicktem Anzug

Von Bernd Steinle, Berlin

Siegerin Samulski: „Im Endeffekt schwimmen immer noch die Sportler”

Siegerin Samulski: „Im Endeffekt schwimmen immer noch die Sportler”

27. Juni 2009 

Sie hatte es geahnt: „Vielleicht ist noch mehr drin“, hatte Daniela Samulski am Donnerstag nach ihrem Sieg im Vorlauf über 50 Meter Rücken bei den deutschen Meisterschaften der Schwimmer in Berlin angekündigt, auch wenn das schon eine ziemlich kühne Hoffnung war - schließlich hatte die Schwimmerin der SG Essen da bereits in 27,85 Sekunden einen Europarekord erzielt.

Doch ihr Gefühl trog nicht: Einen Tag später steigerte sich Daniela Samulski im Finale über 50 Meter Rücken noch einmal um 24 Hundertstelsekunden und stellte in 27,61 Sekunden einen Weltrekord auf. Sie unterbot damit die alte Marke der Australierin Sophie Edington und der Chinesin Zhao Jing um sechs Hundertstelsekunden. Die Russin Anastasia Zuewa hatte sich zuletzt zwar schon bis auf 27,47 Sekunden gesteigert, ihre Bestzeiten wurden aber wegen nicht zugelassener Anzüge und fehlender Doping-Proben vom Schwimm-Weltverband Fina nicht anerkannt.

Riss im Anzug mit Tape überklebt

Daniela Samulski: „Der Glaube an mich selber war da“

Daniela Samulski: „Der Glaube an mich selber war da"

Der Weltrekord in Berlin war nun umso bemerkenswerter, da die 25 Jahre alte Daniela Samulski nicht etwa in einem der neuen „Wunderanzüge“ antrat, sondern im schon aus dem letzten Jahr bekannten Speedo LZR Racer. Und dazu noch in einem notdürftig geflickten: Nur zehn Minuten vor dem Finale musste sie einen Riss im Anzug mit Tape überkleben. „Die Angst, es nicht mehr rechtzeitig zum Start zu schaffen, hat mir einen richtigen Adrenalinschub verpasst“, sagte sie.

„In einem intakten Anzug“, befand ihr Trainer Henning Lambertz angesichts dieser Umstände, „wäre sie wohl noch ein bisschen schneller gewesen.“ Das war aber erst mal zweitrangig. „Ich wollte hier vor allem die WM-Norm schwimmen“, sagte Daniela Samulski, „das war mein wichtigstes Ziel.“ Dass bei diesem Bemühen nun gleich der Weltrekord heraussprang, kam dennoch nicht ganz überraschend. Schon bei der Mare-Nostrum-Tour hatte Daniela Samulski zuletzt den deutschen Rekord gleich vier Mal verbessert. „Der Glaube an mich selber war da, ich bin ständig unter 28 Sekunden geschwommen“, sagte sie.

„Im Endeffekt schwimmen immer noch die Sportler“

Dieser Glaube wurde auch durch die intensive Diskussion über die neuen Hightech-Anzüge nicht erschüttert. „Im Endeffekt schwimmen immer noch die Sportler“, sagte Daniela Samulski. „Man muss da auf sein eigenes Training vertrauen.“ Das tat sie - mit doppeltem Erfolg: Kurz nach dem Weltrekord sicherte sich die Essenerin, die in der nächsten Saison nach Berlin wechseln will, um dort ein Studium der Sozialpädagogik aufzunehmen, auch den deutschen Meistertitel über 50 Meter Schmetterling. Sie verpasste dabei in 26,65 Sekunden aber die Normzeit für die Weltmeisterschaft in Rom.

Die unterbot dagegen der 24 Jahre alte Helge Meeuw von der SG Frankfurt. Er entwand über 50 Meter Rücken in 24,64 Sekunden seinem Rivalen Thomas Rupprath (SC Empor Rostock) den deutschen Rekord, den dieser tags zuvor im Vorlauf aufgestellt hatte. Ebenfalls mit nationaler Bestmarke schafften Hendrik Feldwehr (SG Essen) und Johannes Neumann (SC Riesa) zeitgleich mit 27,30 Sekunden über 50 Meter Brust den Sprung zur WM. Und auch der Sprintspezialist Johannes Dietrich schloss das Finale über 50 Meter Schmetterling mit deutschem Rekord ab: In 23,43 Sekunden qualifizierte sich der Wiesbadener für die Titelkämpfe in Rom.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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