08. Februar 2008 Es ist ein langer Weg vom südkoreanischen Kartoffelacker bis zu den berühmtesten Tennisplätzen dieser Welt. Hyung-taik Lee wagte als Teenager trotzdem den Schritt, sein Hobby zum Beruf zu machen; ein bisschen, weil er Talent hatte, ein bisschen, weil ihm seine älteren Brüder oft in den Ohren lagen, wie sehr sie es bedauerten, das Tennisspiel nicht mit gebotenem Ernst weiterverfolgt zu haben, um aus der Familie von Kartoffelbauern auszubrechen.
Das Jammern war Lees Ansporn, er schlug die Laufbahn eines Tennisprofis ein: ohne Vorbild in einem Staat, der auf der Landkarte des weißen Sports ein weißer Fleck ist, und ohne Englischkenntnisse, die auf der Profitour oft nötig sind. Er habe schon als Schüler nie Lust gehabt zu lernen, sagte Lee. Das Risiko hat sich ausgezahlt: In der Weltrangliste hat er sich unter den Top 50 etabliert, derzeit steht er auf Platz 44 und ist damit der mit Abstand beste Tennisspieler Asiens. Und wahrscheinlich der einsamste.
Davis-Cup-Begegnungen sind wie Familientreffen
Während Spanier, Franzosen und andere bei jedem Turnier freie Auswahl haben, mit welchem ihrer Landsmänner sie essen oder flachsen wollen, und während sie sich bei aller Konkurrenz gegenseitig unterstützen, bleibt der Einunddreißigjährige ein Einzelkämpfer. Er könne eben nur Konglisch, wie Lee seine Mischung aus dem Koreanischen und dem Englischen nennt, und Körpersprache. Lee schlägt sich durch, auf dem Tennisplatz mehr recht als schlecht, abseits eher umgekehrt. Gute Unterhaltung bietet ihm einzig sein Trainer Yong-il Yoon.
Darum sind Davis-Cup-Begegnungen für Hyung-taik Lee so etwas wie Familientreffen: Er ist der Star im südkoreanischen Team, das am kommenden Wochenende auf die deutsche Auswahl trifft, danach kommt lange niemand. Die anderen nominierten Einzelspieler, Woong-sun Jun und Jae-sung An, sind in der Weltrangliste erst jenseits von Platz 330 notiert. Lee sei in Korea wie eine Pflanze in der Wüste, behauptet sein ehemaliger Trainer June-choi Hee; eine Pflanze, die das asiatische Tennis zum Blühen bringt.
In Asien mangelt es an Unterstützung
Die kommende Davis-Cup-Begegnung in Braunschweig ist für Südkorea das erste Spiel in der erstklassigen Weltgruppe nach 21 Jahren. Für Asiaten sei es schwierig, sich im Welttennis durchzusetzen, sagt Lee, der sein dreizehntes Jahr im Davis Cup absolviert und mit 36 Siegen aus 43 Einzeln der Rekordspieler seines Landes ist: In Asien gibt es nicht sehr viele Turniere, die Reisen sind beschwerlich, und es mangelt an Unterstützung.
Als Selfmademan hat es der zweifache Familienvater Hyung-taik Lee weit gebracht. Seine Stärke ist die Rückhand, sein Lieblingsbelag ist Hardcourt, weshalb das deutsche Team seinen Heimvorteil ausnutzt und sich für Ziegelmehl als Untergrund entschieden hat. Sogar ein ATP-Turnier hat Lee schon gewonnen, 2003 in Sydney, als erster Koreaner. Als Sieger musste er damals eine Dankesrede halten. Es fiel ihm nicht übermäßig schwer: Kurz zuvor hatte er, für den Fall der Fälle, mit seinem Trainer ein paar freundliche Versatzstücke in englischer Sprache eingeübt.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 03.02.2008, Nr. 5 / Seite 17
Bildmaterial: AP