Wahlen in der Ukraine

Klitschko scheitert in Kiew - Timoschenko vor Triumph

Witali Klitschko an der Wahlurne mit Ehefrau Natalija

Witali Klitschko an der Wahlurne mit Ehefrau Natalija

27. März 2006 Nach der Parlamentswahl in der Ukraine haben die Parteien des orangefarbenen Lagers am Montag ihre Gespräche über eine Neuauflage ihrer Regierungskoalition fortgesetzt.

Die für den - Vormittag geplante Unterzeichnung eines Memorandums wurde indes verschoben, wie die Pressestelle des Blocks Julija Timoschenko in Kiew mitteilte. Die frühere Ministerpräsidentin und ihre Partei hatten bei der Wahl die Führungsrolle im Regierungslager gewonnen.

„Fair und transparent“

Video in voller Größe

Die Ergebnisse der langsam voranschreitenden offiziellen Auszählung näherten sich den Prognosen vom Vorabend an, nach denen die ostukrainische Partei der Regionen stärkste Kraft in der neuen Obersten Rada sein wird. Timoschenkos Block lag auf Platz zwei, während die Partei Unsere Ukraine von Präsident Wiktor Juschtschenko auf den dritten Rang zurückfiel.

Um die 450 Mandate in der Rada hatten sich 45 Parteien beworben. Die Wahlleitung nannte die Abstimmung „fair und transparent“. Die Partei der Regionen um den früheren Ministerpräsidenten Viktor Janukowitsch gab indes die Hoffnung nicht auf, die Regierung führen zu können.

Klitschkos Kampf gegen Korrruption

Der ehemalige Boxweltmeister Witali Klitschko ist nach vorläufigen Ergebnissen mit seiner Kandidatur für das Bürgermeister-Amt in Kiew gescheitert. Der 34jährige trat für die ehemalige Bürgerrechtsbwegung „Pora“ an, die aus der „orangenen Revolution“ hervorgegangen ist.

Eines der wichtigsten Themen in Klitschkos Wahlprogramm war der Kampf gegen die Korruption, doch trotz seiner großen Popularität und eines mit großem persönlichen Einsatz geführten Wahlkampfes verfehlte der Politik-Novize sein Ziel. Neuer Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt ist der Finanzexperte Leonid Tschernowitzki.

Bei der Parlamentswahl hatte die oppositionelle Partei Janukowitschs nach Auswertung von einem Zehntel der abgegebenen Stimmen 24,7 Prozent erzielt, eilte die Wahlleitung am Montag morgen in Kiew mit.

Hofft auf den Sieg: Julija Timoschenko

Hofft auf den Sieg: Julija Timoschenko

Dahinter folgte der Wahlblock Timoschenkos mit 23,8 Prozent sowie das Regierungsbündnis Unsere Ukraine von Präsident Wiktor Juschtschenko (17,1 Prozent). Timoschenko und Juschtschenko hatten bereits in der Wahlnacht angekündigt, wie bei der „Orangenen Revolution“ Ende 2004 eine Koalition eingehen zu wollen.

Deutliche Änderungen möglich

Bis zur Verkündung des Endergebnisses sind noch deutliche Änderungen möglich, da die Ukraine politisch gespalten ist. Während der Westen des Landes mit großer Mehrheit die Hauptakteure der „Orangenen Revolution“, Juschtschenko und Timoschenko, unterstützt, steht der an Rußland orientierte Osten der Ukraine mehrheitlich hinter Janukowitsch.

Die Präsidentenfamilie wählt - doch Juschtschenkos Partei verliert

Die Präsidentenfamilie wählt - doch Juschtschenkos Partei verliert

Rund 36 Millionen Bürger waren für die Wahl registriert. Bis zwei Stunden vor Schließung der Wahllokale gaben nach Angaben der Behörden mehr als 58 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab.

Steil gefallene Umfragewerte

Juschtschenko hatte bei seiner Stimmabgabe in Kiew erklärt, die früheren Verbündeten der „Orangenen Revolution“ wollten an diesem Montag Gespräche über die Bildung einer Regierungskoalition aufnehmen. Das wichtigste sei, daß sich die demokratischen Kräfte dabei auf das Äußerste engagierten. Zugleich erklärte er jedoch, es gebe mehrere Möglichkeiten für eine Koalition - offenbar um sich auch eine Tür für ein Regierungsbündnis mit Janukowitsch offen zu halten. Juschtschenkos Umfragewerte sind von 70 Prozent im vergangenen Jahr auf unter 20 Prozent gefallen.

Comeback bei den Wählern für den pro-russischen Janukowitsch

Comeback bei den Wählern für den pro-russischen Janukowitsch

Die einstigen Bündnispartner wurden zu Rivalen, nachdem Timoschenko im September von Juschtschenko als Regierungschefin entlassen wurde. Chancen darauf, die Dreiprozenthürde zu überspringen, wurden neben der Partei der Regionen, Unsere Ukraine und dem Block Tymoschenkos der Kommunistischen und Sozialistischen Partei und dem Volksblock von Lytwyn zugestanden.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa/dpaweb, picture-alliance/ dpa/dpaweb, Reuters

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Medikamente günstig einkaufen Preisvergleich für Medikamente und Apotheken-Produkte. Mehr als 90 Apotheken im Vergleich.

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche