Von Jürgen Kalwa, New York
05. November 2009 Die New York Yankees sind als Amerikas überragende Baseballmannschaft schon immer einer enormen Hassliebe ausgesetzt gewesen. Ein Gefühl, aus dem heraus einst sogar ein erfolgreiches Musical entstand. Der Broadway-Erfolg hieß Damn' Yankees und wurde später in Hollywood verfilmt. So richtig unsympathisch wirkten die Spieler von einst in der Einnerung jedoch nicht. Sonst wären Babe Ruth, Lou Gehrig und Joe DiMaggio, die Kinder deutscher und italienischer Einwanderer, wohl kaum zu legendären Figuren geworden.
Eine ähnliche Zuneigung hat sich Alex Rodriguez, in New York geboren, in der Dominikanischen Republik aufgewachsen, auch gewünscht. Aber der hochtalentierte Third Baseman, der seit 2004 in der Bronx spielt, konnte es in all den Jahren nicht mal den Zeitungen in New York recht machen. Wenn die Leute schlecht über mich schreiben, hat er deshalb mal in seiner für ihn typischen, überheblich klingenden Art gesagt, weiß ich nicht, ob sie das tun, weil ich gut aussehe, ein Mischling bin, das meiste Geld verdiene oder in der populärsten Mannschaft spiele. Den eigentlichen Grund für die Abneigung ignorierte er dabei allerdings gerne. Als Dauer-All-Star und dreimaliger Most Valuable Player (MVP war er 2003, 2005 und 2007) der regulären Saison und mit 27,5 Millionen Dollar im Jahr der höchstbezahlte Mannschaftssportler in den Vereinigten Staaten, hat er nämlich in seiner ganzen Karriere kein einziges Mal dann gut gespielt, wenn es zählt: in den Playoffs.
Endlich mehr als Boulevardzeitungsfutter
Dieser Vorwurf sollte sich allerdings mit dem Resultat vom Mittwoch endgültig erledigt haben. Da gewann Rodriguez mit seinem Club die sechste Begegnung der World Series mit 7:3 gegen die Philadelphia Phillies. Das Besondere daran: Die Yankees holten zum ersten Mal in der Ära A-Rod den Titel. Und zwar auch deshalb, weil der oft Geschmähte zum ersten Mal in den kritischen Phasen seinen Teil beigetragen hatte. Dazu gehörten auch eine Reihe von Home Runs wie der im zweiten Spiel der Serie gegen die Los Angeles Angels of Anaheim, der eine fast so gut wie sichere Niederlage verhinderte.
Kaum jemand hätte erwartet, dass der inzwischen 34 Jahre alte Rodriguez ausgerechnet in diesem Jahr mehr werden könnte als Boulevardzeitungsfutter (Sports Illustrated). Denn die Saison begann im Frühjahr im Trainingslager in Florida mit einer Enthüllung: Rodriguez war einer jener Baseballprofis, die in der Zeit, ehe die Liga unter öffentlichem Druck Doping-Tests einführte, ohne Rücksicht auf ihre Gesundheit anabole Steroide konsumiert hatten. Wenige Wochen danach folgte eine Hüftoperation, bei der ihm eine Zyste entfernt wurde, und eine Zwangspause. Auch sein Liebesleben, in dem einst sowohl Stripperinnen eine Rolle spielten als auch die Sängerin Madonna, geriet wieder in die Schlagzeilen. Diesmal durch die Beziehung zur Schauspielerin Kate Hudson.
Gestelzter Stolz des geläuterten Stars
Doch im Sommer kam der Third Baseman der Yankees in Fahrt. Den Hauptgrund für den stabilen Formanstieg sah er in seinem öffentlichen Doping-Geständnis im Februar. Seit dieser Pressekonferenz fühle ich mich wie ein neuer Mensch, sagte er später, ich fühle mich befreit.
Journalisten, die die Mannschaft begleiten, fiel noch etwas anderes auf. Der Mann, der den Super-Investor Warren Buffett zu seinen guten Bekannten zählt und der einst in Gesprächen mit Presseleuten gerne seine intellektuellen Fähigkeiten zu beweisen versuchte, ging den ihm gefährlichen Medien möglichst aus dem Weg. Gleichzeitig tüftelte er mit Yankees-Assistenztrainer Kevin Long an seinem Schwung und an einer breitbeinigeren Stellung am Schlag. Das Erscheinungsbild sieht seitdem nicht mehr so elegant aus wie früher, als selbst Mitspieler ihm vorwarfen, er sei ein Poseur. Fast alles, was er auf dem Sportplatz machte, sehe inszeniert aus. Nun ist er endlich effizienter und effektiver.
Rodriguez war am Mittwoch in der Begeisterung über den Erfolg aber vorsichtig, seine eigene Leistung zu feiern. Stattdessen redete er lieber, wenn auch etwas gestelzt, von den anderen. Ich könnte nicht stolzer auf die 25 Jungs sein. Die Trainer. Das Club-Management. Es braucht jeden. Ich bin einfach nur glücklich, Teil dieser Mannschaft zu sein.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, REUTERS