Von Wolfgang Scheffler
09. April 2008 Magnolia Lane, die Straße der Sehnsucht für Golfer - einmal wie in dieser Woche die Teilnehmer des Masters diese 300 Meter lange Allee mit 61 Magnolien von der viel befahrenen vierspurigen Durchgangsstraße Washington Road zum Clubhaus des Augusta National Golf Club zurückzulegen und anschließend auf weltberühmten Platz die Schläger zu schwingen, davon träumen fast alle Golfer.
Im Februar 2006 hielten die amerikanischen Golfmagazine Golf Digest und Golf for Women eine ungewöhnlich Umfrage unter ihren Lesern ab: Würden Sie ein Jahr auf Sex verzichten, wenn Sie dafür einmal auf diesem Platz, der zu den fünf besten der Welt zählt, spielen dürfen? 32 Prozent der Männer und 31 Prozent der Frauen beantwortete diese Frage mit einem eindeutigen Ja.
Eine rein rhetorische Frage, denn mönchische Abstinenz führt in diesem Fall mit Sicherheit nicht zum Ziel. Für normale Sterbliche gibt es nur zwei Wege auf den Platz des exklusivsten Herrenklubs der Welt selbst ein Runde zu drehen. Der scheinbar einfachste Weg: Man wird von einem der rund 300 Mitglieder zu einer Runde eingeladen. Der Haken an der Sache: Wer kennt schon Microsoft-Gründer Bill Gates, den Finanzinvestor Warren Buffet, das einzige deutsche Mitglied Wolfgang Reitzle (Vorstandsvorsitzender von Linde), die Golflegenden Arnold Palmer und Jack Nicklaus oder die anderen einflussreichen, steinreichen Herren, die auf dem Clubgelände mit den billigen grellgrünen Kunstfaser-Klubblazern herumlaufen, so gut, dass einer mit Ihnen einen oder mehrere Tage auf dem Clubgelände im Nordosten des amerikanischen Bundesstaates Georgia verbringen will?
Die Einladung zum Masters kann man sich erspielen
Die zweite Möglichkeit: Man spielt so gut Golf, dass man zur Teilnahme am Masters gebeten wird. Diese Einladung kann man sich erspielen. Mittlerweile gibt es insgesamt 17 verschiedene Möglichkeiten sich zu qualifizieren, die von einem Sieg beim Masters, dem ersten Major des Jahres, der ein lebenslanges Startrecht garantiert, über Siege bei einem Turnier der PGA Tour oder einen Sieg bei einem der anderen Majors, über Topplazierungen bei den Majors des Vorjahres, über einen Platz unter den Top 30 der amerikanischen Geldrangliste bis hin zu einem Rang unter den Top 50 der Weltrangliste reichen. Letzteres bescherte Martin Kaymer nach Bernhard Langer und Alexander Cejka als drittem Deutschen die Einladung. Trotzdem ist das Feld beim Masters viel kleiner als bei den anderen drei Majors (US und British Open sowie PGA Championship).
In diesem Jahr sind es 94, nachdem am Sonntag der Amerikaner Johnson Wagner, bis dahin die Nummer 317 der Weltrangliste, als Letzter mit einem Sieg bei der Shell Open in Houston in das Elitefeld rutschte. Bei allen anderen Major treten 156 Spieler an. Dazu dürfen beim Masters chancenlose Amateure mitspielen: die Sieger der Amateur-Meisterschaften der Vereinigten Staaten und von Großbritannien, dazu der unterlegene Finalist der US Amateur, die Sieger der amerikanischen Public Links Championship und der Mid Amateur Championship (für Amateure, die älter als 25 Jahre sind) sind mit von der Partie, weil der legendäre Clubgründer Bobby Jones, 1930 Sieger des alten Grand Slams (Amateur-Meisterschaften der USA und von Großbritannien, sowie British und US Open) als lebenslanger Amateur, darauf Wert legte.
Frauen haben hier nichts zu suchen
Tradition wird in diesem Club eben groß geschrieben. Und dazu gehört auch die Geheimniskrämerei. Alles, was den noblen Herrenzirkel angeht, unterliegt strengster Vertraulichkeit. Weder über die Mitglieder (nur rund 25 kommen aus Augusta), über die Mitgliedsgebühren (angeblich 25.000 bis 50.000 Dollar im Jahr, wenig im Vergleich zu anderen exklusiven amerikanischen Country Clubs), noch über die Schnitthöhe des Rasens, die Geschwindigkeit der Grüns oder die Anzahl der Zuschauer beim Masters ist offiziell etwas zu erfahren. Wer einen der meist älteren Clubmitglieder fragt, bekommt nur eine Antwort: Fragen Sie den Vorsitzenden. Der heißt seit Mai 2006 Billy Payne, 1996 der Cheforganisator der Olympischen Spiele in Atlanta. Der 60jährige Investmentbanker aus Atlanta führt die konservative Linie seiner Vorgänger fort.
Nach wie vor haben Frauen unter der Mitgliedschaft nichts zu suchen. Sie dürfen aber den Platz spielen, auch wenn es keine Damentees gibt. Rund 300 von Mitgliedern nominierte Anwärter stehen auf der Warteliste des Clubs, wenn Payne, der auch bei Neuaufnahmen das letzte Wort hat, es so will und Mitglieder ausscheiden oder sterben, werden sie eines Tages in den exklusivsten Golfclub der Welt aufgenommen. Die Warteliste für Besucher des Masters-Turniers ist dagegen schon seit Jahrzehnten geschlossen, lediglich um Karten für die Proberunden von Montag bis Mittwoch kann man sich bewerben. Und noch eines: Besucher des Turniers betreten den Platz nicht über die Magnolia Lane. Dieser schönste Weg im Golf ist Spielern vorbehalten.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP, REUTERS