DEG Metro Stars

Harold Kreis - Glücksfall mit Charakter

Von Ulf May, Düsseldorf

13. April 2009 Harold Kreis hatte im vorigen Jahr nicht zu viel versprochen. Damals diktierte er der staunenden Journalistenschar in die Blöcke, seine Mannschaft werde jenes offensive Eishockey pflegen, mit dem er schon in der Schweiz zwei Titel geholt habe. Die Fachleute stutzten: So etwas in der von Defensiv- bis Mauertaktik geprägten Deutschen Eishockey Liga (DEL)? Der 50 Jahre alte Trainer hat dies aber nicht nur konsequent in die Tat umgesetzt, sondern auch großen Erfolg damit errungen.

Schließlich stehen seine DEG Metro Stars gegen den Vorrundenprimus Eisbären Berlin im Finale um die deutsche Meisterschaft - und haben bis zum Schluss ihre Chance. Nach der 2:3-Niederlage am Donnerstag in Berlin (siehe auch: Eisbären Berlin: Der Meister hat einen aufmüpfigen Rivalen) gewannen die Düsseldorfer am Ostersamstag 3:1. Womit es in der Serie „Best of five“ 1:1 steht. An diesem Montag kommt es in Berlin zum dritten Duell (Beginn: 14.30 Uhr). Noch zwei weitere Siege - und die DEG wäre deutscher Meister. Eigentlich kaum zu glauben.

Harold Kreis liebt offensives Eishockey, das macht ihn auf für europäische Spitzenvereine interessant
Harold Kreis liebt offensives Eishockey, das macht ihn auf für europäische Spitzenvereine interessant

Nach dem „Missverständnis“, wie DEG-Manager Lance Nethery im vorigen Jahr die kurze sportliche Liaison mit dem tschechischen Trainer Slawomir Lener nannte, ist Kreis zu einem Glücksfall für die Düsseldorfer geworden. Mit dem hohen Anspruch auf Erfolg, der sich in Düsseldorf seit alten Brehmstraßen-Zeiten immerwährend manifestiert, geht er betont gelassen um. Im Gegenteil: „Es wäre traurig, wenn der Sport die Leute emotional nicht interessieren würde“, sagt er.

„Nicht jetzt - ich habe in Düsseldorf einen Vertrag bis 2010“

Er wusste ja von vornherein, worauf er sich in Düsseldorf einlässt. Schließlich kennt er die deutsche Eishockey-Szene schon ausgesprochen lang; 19 Jahre lief Kreis im Mannheimer Trikot in Bundesliga und DEL auf - ein Musterbeispiel an Kontinuität. Der Deutsch-Kanadier ist auch seinen taktischen Vorstellungen beim Wechsel als Trainer aus der Schweiz nach Deutschland treu geblieben - selbst nach einem eher missratenem Arbeitsbeginn bei den DEG Metro Stars mit gerade mal drei Siegen aus neun Spielen im September 2008.

„Ich hoffe, Harold Kreis bleibt sehr lange bei uns“, hatte Nethery bei der Verpflichtung seines ehemaligen Spielers und Assistenztrainers aus gemeinsamen Mannheimer Zeiten betont. Umso verärgerter zeigte er sich, als gerade zur entscheidenden Phase der Saison die Anfrage aus Bern publik wurde. Harold Kreis war damit nicht hausieren gegangen, vielmehr machten die Schweizer dieses Thema in der Presse öffentlich. Bern ist eine der besten Adressen im europäischen Eishockey. „Grundsätzlich“, räumt Harold Kreis ein, „habe ich natürlich Interesse bekundet. Aber eben nicht jetzt, denn ich habe in Düsseldorf einen Vertrag bis 2010.“

Von seiner ehemaligen Assistentenrolle mit Blick auf den großen Lance Nethery ist bei Harold Kreis längst nichts mehr zu spüren. Dabei hatten manche Insider schon orakelt, der Manager könnte versucht sein, in der Praxis seine alte Rolle auszuleben. Zwar rutscht dem Mann, der ja auch erfolgreich als Trainer gearbeitet hat, in der Hektik zuweilen ein kritisches Wort zum sportlichen Geschehen heraus, aber der Trainer hat dazu seine ganz eigene Reaktionsmethode entwickelt. „Manches nehme ich an“, sagt Kreis, „und manches zur Kenntnis.“ Beide eine, so der Trainer, der unbedingte Wille, möglichst jedes Spiel zu gewinnen. Und dass auch der Trainer schon mal ein Problem mit seinem Temperament hat, machte eine Rechnung aus Wolfsburg über 3000 Euro für einen Sachschaden aktenkundig.

Die Metro Stars spielen mit starkem Laufvermögen und Tempo

Angesichts der Tatsache, dass die DEG Metro Stars die zweitjüngste Mannschaft der Liga stellen, ist ihr Erfolg in dieser Saison erstaunlich. „Sicher, manchmal haben uns ein paar große, bullige Spieler gefehlt“, räumt der Trainer ein. Beispielsweise in der langen Viertelfinalserie gegen die robusten Krefelder. Recht hat er dennoch, wenn er anfügt: „Aber wenn man jetzt unsere Stärken sieht, vermisst man sie gar nicht mehr.“ In Laufvermögen und Tempo übertrifft die Düsseldorfer in der Liga derzeit niemand.

Positiv sieht auch Jochen Suhr, als Vorsitzender des Aufsichtsrates der oberste Hüter der Zahlen, die sportliche Entwicklung und - damit einhergehend - die erfreuliche Konsequenz: Die Play-offs haben mit einem Schnitt von gut 8000 zahlenden Zuschauern dafür gesorgt, dass auf dieser Einnahmeseite bei der Saisonabrechnung schwarze Zahlen erscheinen werden. Die lange Vorrunde hatte mit nicht einmal 5000 abermals eine Enttäuschung gebracht. Bei der Analyse drängt sich auf, dafür auch die schlechte Verkehrsanbindung des ISS-Dome verantwortlich zu machen. Obwohl seit dem Umzug der DEG Metro Stars zur neuen Spielstätte (2006) von der Stadt Düsseldorf angekündigt, fährt dorthin noch immer keine Bahn.

Text: F.A.S.
Bildmaterial: AP

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