Von Wolfgang Scheffler, Southport
20. Juli 2008 Padraig Harrington hat die 137. British Open im Royal Birkdale Golf Club in Southport gewonnen – und zwar im Stil eines großen Champions. Am 17. Loch, einem 532 Meter langen Par-5-Loch, schlug der 36 Jahre alte Ire nach einem Abschlag mit dem Holz 3 aus 247 Metern den Ball mit einem Holz 5 zwei Meter an die Fahne. Mit dem Putt zum Eagle machte der Dubliner seinen zweiten Sieg nacheinander beim ältesten und wichtigsten Turnier der Welt perfekt.
Der Vierzehnte der Weltrangliste siegte mit 283 (74+68+72+69) Schlägen mit dem deutlichem Vorsprung von vier Schlägen vor dem 32 Jahre alten Engländer Ian Poulter (287/72+71+75+69) sowie dem Australier Greg Norman (289/70+70+72+77)) und dem Schweden Henrik Stenson (289/76+72+70+71), die sich den dritten Platz teilten. Harrington ist der erste Spieler seit dem diesmal verletzt fehlenden Weltranglistenersten Tiger Woods (2005/2006) der die Siegestrophäe, den Claret Jug, eine silberne Rotweinkanne, wieder mit nach Hause nehmen kann.
Norman erlaubte sich zu viele Fehler
Die Finalrunde, in die Norman mit zwei Schlägen Vorsprung vor Harrington gegangen war, erinnerte schnell an vergangene Zeiten. Zum neunten Mal in seiner Laufbahn ging der weiße Hai“ als Spitzenreiter auf die letzten 18 Löcher eines Majors. Und wie acht Mal zuvor lief an diesem sonnigen, aber wieder extrem windigen Tag nichts bei ihm zusammen. Der 53-jährige Australier begann die Runde mit drei Bogeys und hatte nach sechs Löchern schon zwei Schläge Rückstand auf seinen Mitspieler Harrington. Aber als alles schon nach einem lockeren Spaziergang für Harrington durch die hohen Dünen an der Nordwestküste Englands aussah, fing der Titelverteidiger an zu schwächeln. Nach drei Bogeys in Folge übernahm noch einmal Norman kurz am 10. Loch die Führung, aber der Teilzeitgolfer aus Australien erlaubte sich danach zu viele Fehler: Er verzog seine Abschläge, wählte oft den falschen Schläger und der Ball wollte nach Putts einfach nicht im Loch verschwinden.
Harrington dagegen fing sich nach seiner Schwächeperiode wieder und sicherte sich mit vielen brillanten Schlägen souverän den Siegespreis von 750.000 Pfund (860.000 Euro). Ich genieße das“, sagte Harrington als er zum zweiten Mal als Champion Golfer of the Year“ geehrt wurde, ich möchte diese Bühne nicht so schnell verlassen.“
Die schwersten Bedingungen, bei denen ich je Golf gespielt habe
Es war ein unerwarteter Erfolg für den Dubliner, der noch am Mittwoch vor Turnierbeginn seine Chancen auf eine Teilnahme auf 75 Prozent und die, das Turnier zu beenden, auf 50 Prozent beziffert hatte. Harrington hatte sich am vorigen Wochenende eine Handgelenksverletzung beim Training zugezogen. Er hatte zu kräftig in ein sogenanntes Impact Bag“, einen mit Kunststoff gefüllten Sack, geschlagen, mit dem Golfer die richtige Stellung des Schlägerkopfes im Treffmoment üben. Er hatte wegen der schmerzenden Verletzung nur am Dienstag neun Löcher im Royal Birkdale Golf Club gespielt, ansonsten das Handgelenk geschont und entzündungshemmende und schmerzstillende Medikamente genommen. Aber auf dem Platz war dem Iren weder etwas von seinem Handicap noch von seiner mangelnden Vorbereitung anzusehen. Harrington, der auf windigen Linksplätzen groß wurde, der garstiges Wetter aus seiner Heimat zur Genüge kennt, spielte clever, griff nur ganz selten zum Driver und vermied so jedes Risiko – ganz so wie man es vom einem gelernten Buchhalter erwarten kann.
Martin Kaymer, der im Gegensatz zum Münchner Alexander Cejka den Cut überstanden hatte, fiel am Sonntag mit insgesamt 303 (75+72+79+77) Schlägen, 23 über Par, noch vom 73. auf den 80. und viertletzten Platz zurück, der mit 8700 Pfund (9975 Euro) honoriert wurde. Kaymer musste lange in seiner Erinnerung bis zurück in seine Jugend kramen, um sich an ähnlich hohe Rundenergebnisse zu erinnern: Das ist bestimmt acht, neun Jahre her. Aber das waren sicherlich vom Wetter her über vier Tage die schwersten Bedingungen, bei denen ich je Golf gespielt habe.“
Der Deutsche hat zwar in diesem Jahr schon zwei Turniere auf der europäischen Tour gewonnen, er fühlt sich aber in seinem dritten Profijahr noch immer als Lehrling Ich habe bei jedem der drei Majors, an denen ich teilgenommen habe, dazu gelernt“, meinte Kaymer. Der Lernprozess geht weiter: In dieser und der nächsten Woche pausiert Kaymer, danach geht es nach Amerika, wo er wieder gegen die Besten der Welt spielt: erst beim Bridgestone Invitational in Akron (Ohio), einem Turnier der World Golf Championship, und die folgende Woche (7. bis 10. August) beim letzten Major des Jahres, der PGA Championship in Bloomfield bei Detroit.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP