28. November 2006 Der Computer ist wie Mike Tyson, hatte Garry Kasparow gesagt, als er als erster Schach-Weltmeister 1997 dem Rechner unterlag. Beim kleinsten Fehler reißt er dich in Stücke. Sein Nachfolger Wladimir Kramnik hat diese Lektion am Montag in Bonn am eigenen Leib erfahren müssen.
In der zweiten Partie des als Mensch gegen Maschine angesetzten und mit einer Million Euro dotierten Duells stand der 31jährige Russe mit Schwarz gegen das Programm Fritz 10 nach rund drei Stunden mit beträchtlichem Vorteil da, schlug gar eine Remis-Möglichkeit aus, um auf Sieg zu spielen. Und ging dann völlig überraschend k. o.
Geknickter Verlierer
Mit seinem 34. Zug, Dame nach e3, übersah Kramnik, daß seinem eigenen König der unmittelbare Exitus drohte, ein Matt in einem Zug - ein Anfängerfehler, wie er einem Weltmeister nicht oft passieren wird. Prompt traf Fritz mit Dame nach h7 wie ein Tyson in stärksten Zeiten den Weltmeister voll aufs Kinn. Der hatte nicht einmal Zeit, rechtzeitig aufzugeben, wie es sonst üblich ist, sondern wurde blitzartig matt gesetzt.
Kramnik verließ geknickt den Ort des Debakels in der Bundeskunsthalle. Von einem Blackout sprach der das Geschehen live kommentierende deutsche Großmeister Helmut Pfleger und sprach die vorsichtige Hoffnung aus: Ich hoffe, daß die Welt nicht untergeht für Wladimir Kramnik.
Weiß: Deep Fritz 10, Schwarz: Kramnik (Mensch gegen Maschine, 2. Partie): 1. d4 d5, 2. c4 dxc4, 3. e4 b5, 4. a4 c6, 5. Sc3 b4, 6. Sa2 Sf6, 7. e5 Sd5, 8. Lxc4 e6, 9. Sf3 a5, 10. Lg5 Db6, 11. Sc1 La6, 12. De2 h6, 13. Le3 Lxc4, 14. Dxc4 Sd7, 15. Sb3 Le7, 16. Tc1 0-0, 17. 0-0 Tfc8, 18. De2 c5, 19. Sfd2 Dc6, 20. Dh5 Dxa4, 21. Sxc5 Sxc5, 22. dxc5 Sxe3, 23. fxe3 Lxc5, 24. Dxf7+ Kh8, 25. Df3 Tf8, 26. De4 Dd7, 27. Sb3 Lb6, 28. Tfd1 Df7, 29. Tf1 Da7, 30. Txf8+ Txf8, 31. Sd4 a4, 32. Sxe6 Lxe3+, 33. Kh1 Lxc1, 34. Sxf8 De3, 35. Dh7 matt.
Text: cei. / F.A.Z., 28.11.2006, Nr. 277 / Seite 34
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa
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