Radsport

Fall Fuentes zu den Akten gelegt - Schleck suspendiert

Die “Operación Puerto“ um den spanischen Blutpanscher Fuentes ist abgeschlossen

Die "Operación Puerto" um den spanischen Blutpanscher Fuentes ist abgeschlossen

03. Oktober 2008 Das Thema Doping hält den Radsport derzeit gleich an vier Schauplätzen in Atem. In Spanien wurde die „Operación Puerto“ eingestellt, in Luxemburg gab Frank Schleck zu, Geld an den mutmaßlichen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes überwiesen zu haben, und in Italien wurde der zweifache Tour-Etappensieger Riccardo Ricco zur Höchststrafe von zwei Jahren Sperre verurteilt. Zudem wies Lance Armstrong das Angebot der französischen Anti-Doping-Agentur zurück, sechs seiner Proben von der Tour de France 1999 mit neuen Methoden nochmals testen zu lassen.

Untersuchungen hätten schon im Jahr 2005 ergeben, dass die Proben nicht korrekt gelagert und vielfach beschädigt worden seien, sagte der 37 Jahre alte Amerikaner, der sein Comeback anstrebt. „Es gibt einfach nichts, dem ich zustimmen kann, das irgendwelche relevanten Anhaltspunkte für 1999 liefern würde“, meinte Armstrong. 2005 vorgenommene Analysen hatten Spuren von Epo in Armstrongs Urin-Proben von 1999 nachgewiesen. Dies hatte aber keine rechtlichen Konsequenzen, da keine B-Probe möglich war.

Staatsanwaltschaft will Berufung gegen Einstellung einlegen

Die spanische Justiz hat die Ermittlungen im größten Doping-Skandal der Radsportgeschichte, bekannt als „Operación Puerto“, zu den Akten gelegt. Der zuständige Untersuchungsrichter Antonio Serrano scheiterte auch im zweiten Anlauf bei dem Versuch, dem beschuldigten Arzt Eufemiano Fuentes und dessen Helfern eine Straftat nachzuweisen. Doping war bei der Aufdeckung des Skandals kein Straftatbestand, weil Spanien damals kein Anti-Doping-Gesetz hatte. Dem Arzt Fuentes und seinen Helfern hätte allenfalls eine „Schädigung der Gesundheit“ der betroffenen Radprofis zur Last gelegt werden können (siehe auch: Radsport-Kommentar: Auf dem Tisch und unter dem Teppich).

Im November 2006 erhielt Spanien ein Anti-Doping-Gesetz, das für dopende Ärzte und Manager sogar Haftstrafen vorsieht. Das Gesetz konnte aber nicht rückwirkend auf die „Operación Puerto“ angewandt werden. Die spanische Staatsanwaltschaft kündigte an, gegen die Entscheidung des Richters Berufung einzulegen. Die spanische Polizei hatte im Mai 2006 im Labor von Fuentes rund hundert Blutproben sichergestellt. Mehr als fünfzig Radprofis gerieten in Doping-Verdacht. Der frühere Giro-Sieger Ivan Basso legte ein Teilgeständnis ab, der Deutsche Jörg Jaksche bestätigte Kontakte zu Fuentes.

Bjarne Riis: „Schlecks Verhalten war unverantwortlich“

Die Ermittlungen richteten sich nur gegen Sportärzte und Funktionäre, nicht aber gegen die Radprofis. Der Richter hatte seine Ermittlungen im März 2007 schon einmal eingestellt. Auch damals erhob die Staatsanwaltschaft dagegen Einspruch. Ein Gericht gab dem Einspruch statt und trug dem Richter auf, die Ermittlungen fortzusetzen. Es begründete dies damit, dass ein Gutachten über das vorgenommene Blutdoping unklar gewesen sei. Auf der Grundlage eines neuen Gutachtens entschied Serrano nun abermals, die Ermittlungen einzustellen.

Radprofi Schleck hat unterdessen eingestanden, im März 2006 knapp 7000 Euro an Fuentes überwiesen zu haben. Der dänische CSC-Saxo-Bank-Rennstall von Bjarne Riis suspendierte den 28-jährigen Luxemburger umgehend. „Sein Verhalten war gegenüber ihm selbst und dem Team unverantwortlich“, sagte Riis am Freitag. Schleck habe aber beteuert, niemals verbotene Substanzen oder Methoden benutzt oder Fuentes persönlich getroffen zu haben. Das Geld sei lediglich für „Trainingsberatung“ geflossen. Schleck hat eine DNS-Untersuchung angeboten. Die Luxemburger Anti-Doping-Agentur (Alad) beschäftigt sich mit dieser Angelegenheit. Die Alad war nach eigenen Angaben durch deutsche Behörden auf die Überweisung von Schleck an Fuentes gestoßen.

Sünder Ricco zu einer Sperre von zwei Jahren verurteilt

Das Gericht des Nationalen Olympischen Komitees in Italien (Coni) verurteilte am Donnerstag den geständigen Epo-Doping-Sünder Riccardo Ricco zu einer Sperre von zwei Jahren. Der zweifache Tour-Etappensieger war mit einem neuen Kontrollverfahren bei der Frankreich-Rundfahrt zweimal positiv auf das neue Epo-Präparat Cera getestet worden.

Er verzichtete anschließend auf die B-Probe, übernahm die alleinige Verantwortung für sein Doping-Vergehen und nannte den italienischen Mediziner Carlo Santuccione als seinen Doping-Lieferanten. Wegen seines Kontakts zu Santuccione, der wegen früherer Vergehen mit einem lebenslangen Berufsverbot im Radsport belegt ist, verschärfte das Gericht Riccos Sperre.

Text: F.A.Z. mit Material von dpa
Bildmaterial: dpa

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