07. Juli 2009 Die Schlinge um den dringend dopingverdächtigen Radprofi Stefan Schumacher wird immer enger. Auch die Nach-Analyse seiner B-Probe, die bei den Olympischen Spielen von Peking entnommen worden war, hat ein positives Ergebnis auf das Blutdopingmittel Cera erbracht. Der Radsport-Weltverband hatte zuvor gegen den 27 Jahre alten Nürtinger wegen der gleichen Substanz eine zweijährige Sperre verhängt. Sie wurde ihm bereits in Proben nachgewiesen, die von der Tour de France 2008 stammen.
Gegen diese Strafe hat er ein Berufungsverfahren beim Obersten Sportgericht (Cas) angestrengt, die Anhörung beginnt an diesem Mittwoch. Schumacher hatte die beiden Zeitfahren der Tour gewonnen, in den Wettbewerben von Peking jedoch nur schwache Ergebnisse erzielt. Sollte er im Rahmen seiner sportjuristischen Verfahren als Wiederholungstäter eingestuft werden, droht ihm eine lebenslange Sperre. Insgesamt hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) durch seine Nachkontrollen fünf Dopingsünder dingfest machen können.
Gemeinsame Strategie der fünf Ertappten
Wie Schumachers Anwalt Michael Lehner erklärte, haben sich die Anwälte der fünf Ertappten bereits getroffen, um eine gemeinsame juristische Strategie zu entwickeln. Da bei den Athleten sowohl in der A- als auch in der B-Probe Spuren des verbotenen Leistungssteigerers nachgewiesen wurden, könnten höchstens noch Verfahrensfehler die Sportler vor der Verurteilung bewahren. Neben Schumacher wurde mit dem Italiener Davide Rebellin ein weiterer Radprofi erwischt - er gewann die Silbermedaille im Straßenrennen. Positiv auf Cera war außerdem der Goldmedaillengewinner über 1500 Meter, Rashid Ramzi aus dem Königreich Bahrein, die griechische Geherin Athanasia Tsoumeleka und die kroatische 800-Meter-Läuferin Vanja Perisic. Im sechsten Fall war die Analyse der B-Probe negativ ausgefallen: Die Gewichtheberin Yudelquis Contreras aus der Dominikanischen Republik wurde bereits Mitte Juni von dem Dopingvorwurf entlastet (siehe auch: Gedopt in Peking: Olympisches Nachbeben).
Schumachers Anwalt stützt sich auf Verfahrensfehler
Das Management der A-Proben ist nach Auskunft von Michael Lehner denn auch einer der Ansatzpunkte der Anwälte, um die Verfahren des IOC gegen die Athleten zu erschüttern. Außerdem bezeichnet der Heidelberger das französische Labor in Chatenay-Malabry, das die Blutanalysen vornahm, als befangen. Schumacher habe im Zusammenhang mit seinem positiven Fall bei der Tour in Frankreich Klage gegen dieses Labor eingereicht. Deswegen verlangte Lehner, dass die Analysen in Köln vorgenommen werden sollten, allerdings vergeblich.
Wie im französischen Verfahren, bemängelte Lehner, habe er keine vollständige Akteneinsicht bekommen und sich deshalb geweigert, die Öffnung der B-Probe zu beantragen, bis ihm die kompletten Unterlagen zugestellt würden. Das IOC habe die B-Probe aber trotzdem analysieren lassen. Er sei auch nicht als Zeuge dabei gewesen. Die nachträglichen Analysen von konservierten Dopingproben sind Teil der verschärften Anti-Doping-Strategie des IOC. Acht Jahre lang werden die während Olympischer Spiele entnommenen Blut- und Urinproben aufbewahrt, um sie eventuell später entwickelten Tests unterziehen zu können (siehe: Doping-Kommentar: Fühlt euch nicht sicher!). Der Test auf Cera, ein Depotpräparat des Blutverdickers Erythropoietin, hatte dem IOC erst nach den Spielen von Peking zur Verfügung gestanden.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa