Mein Fitness-Kick

Mehr Anerkennung für Malocher!

Von Michael Horeni

22. April 2008 Oliver Schmidtlein hat vor der Weltmeisterschaft einmal einen hübschen Satz über Fitness und Fußball gesagt. Und der ging so: "Wenn unser Mittelfeld mehr laufen kann als Ronaldinho, dann sind wir zufrieden." Talent kann man eben nicht lernen, heißt das, aber fleißig an sich arbeiten, das geht eben schon. Sogar im Fußball.

Dass Ronaldinhos nicht im Kraftraum und auf dem Laufband entstehen, war mir natürlich schon klar, bevor ich mich im letzten Spätsommer dem Programm der Fitness-Coaches Oliver Schmidtlein und Shad Forsythe unterwarf. Ich tröstete mich aber damit, dass die Fleißigen, die sich in jedem Training anstrengen und sich Stück für Stück verbessern wollen, dafür auch meistens irgendwann ein wenig belohnt werden.

Applaus-Barometer für Arbeiter

Geliebt werden sie zwar trotzdem nicht, aber das ist nun mal das Schicksal der Hitzlspergers dieser Welt, denen ich mich mittlerweile nach diversen Cardio-, Kraft- und Stabilitätsprogrammen doch ein wenig mehr verbunden fühle. Aber das ändert natürlich nichts daran: Die Fans schauen über sie hinweg. Die Medien schreiben über sie hinweg. Die Werbung geht über sie hinweg. So ungerecht geht es eben zu in dieser Fußballwelt, die stattdessen viel lieber schlampige Genies anhimmelt und den braven und strebsamen Fußballarbeitern allenfalls ein bisschen Anerkennung für ihre Mühen zollt, wenn die Stars mal wieder ein Päuschen einlegen. So wie Ronaldinho in diesen Tagen.

Als Angehöriger der sportlichen Arbeiterklasse trachtete ich nach rund acht Monaten nun aber auch ein wenig nach Anerkennung. Für uns Fitness-Malocher sind dafür die Leistungstests entwickelt worden. Sie sind das Applaus-Barometer derjenigen, denen die Gunst niemals so verlockend leicht wie den gnädig Begabten zufliegen wird. An den Leistungstests sollen wir ablesen, dass die Mühsal doch nicht völlig vergebens war - und dafür erhoffen wir uns dann ein schönes Lob von unseren Trainern.

Dankbar für zusätzliche Belastungen

Das hat bei mir jedenfalls ausgezeichnet funktioniert. Der große Leistungstest, Laufen und der sogenannte "Functional Movement Screen", brachte Ergebnisse hervor, die mir als Sportarbeiter wie eine kleine Ehrenrunde nach einem großen Sieg gegen den inneren Schweinehund vorkam. Zumindest auf den ersten Blick.

Der Ausdauertest mit Atemmaske auf dem Laufband, rund eine Viertelstunde bei ständig steigender Schnelligkeit und Steigung, brachte am Ende ein Ergebnis auf der Diode zum Leuchten, das "Excellent" hieß. Im Vergleich zu dem, was laut Statistik 43 Jahre alte deutsche Männer ansonsten auf die Straße oder aufs Laufband bringen. Oliver Schmidtlein war jedenfalls zufrieden, und zur Belohnung bekam ich von Shad Forsythe ein neues Laufprogramm bis zum Beginn der Europameisterschaft, zu der sie mich in persönliche Topform bringen wollen. Es wird nun noch ein wenig anspruchsvoller und anstrengender. Aber wir Mitglieder der Arbeiterklasse sind es ja mittlerweile gewohnt, zusätzliche Belastungen auch noch dankbar entgegenzunehmen.

Aufnahme in den Adelsstand

Der "Functional Move Screen" ist ein Verfahren, bei dem es darum geht, muskuläre Ungleichgewichte und Instabilitäten festzustellen. Das haben die Fitness-Trainer auch mit den Nationalspielern schon mehrfach gemacht, und der Test stand auch am Beginn meiner Arbeit mit Schmidtlein und Forsythe. Es handelt sich dabei um sieben Übungen, für die man maximal 21 Punkte erreichen kann. Drei Punkte, wenn man die Übungen vollkommen korrekt ausführt, null Punkte, wenn man dabei Schmerzen oder Beschwerden hat. Im September kam ich auf 12 Punkte, jetzt steigerte ich mich auf 17 Zähler.

Das sei ein Ergebnis, mit dem ich mich auf der Höhe mit manchem Profi befände, sagte Schmidtlein. Für einen Sportarbeiter klingt das wie die Aufnahme in den Adelsstand. Ich überlege, mir fürs nächste Laufband-Training ein Ronaldinho-Trikot zuzulegen.



Text: F.A.S.
Bildmaterial: ddp, dpa, Wonge Bergmann

 
Aktuell keine Veranstaltungen

Ist ein Boykott der Olympischen Spiele richtig?

Ergebnis
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche