09. Dezember 2007 Für Vergleiche muss schon der Kaiser herhalten. Seit Heiner Brand die deutschen Handballer bei der emotionalen Heim-WM in Köln zum Titel führte, hat er für seinen Sport den Status eines Franz Beckenbauer. Er ist Lichtgestalt und Publikumsliebling zugleich und hat - ganz nebenbei - den Schnauzbart wieder salonfähig gemacht. Am Samstag rollte ihm auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) den roten Teppich aus und ehrte Heiner Brand als Trainer des Jahres.
Der 55-Jährige, der als zweiter Träger der Auszeichnung die Nachfolge von Bob-Cheftrainer Raimund Bethge antritt, konnte seine Ehrung allerdings nicht persönlich in Hamburg entgegennehmen, er bereitet seine Mannschaft gerade auf den nächsten Höhepunkt bei der EM in Norwegen (17. bis 27. Januar) vor. Er bedankte sich bei der Jury mit einer Videobotschaft.
In der Handball-Historie einmalig
Ich bin sehr stolz, diesen Preis erhalten zu haben. Als ehemaliger Vorsitzender des Beirates der Trainer im Deutschen Sportbund habe ich eine besondere Beziehung zu ihm, sagte Brand. DOSB-Vizepräsident Eberhard Gienger erklärte, die Jury habe die lange und konstante Arbeit der Handball-Ikone gewürdigt.
Den letzten Sieg, um mit seinem Vorbild Beckenbauer (Brand: Man kann sagen, dass er mein Idol ist) gleichzuziehen, schaffte Brand mit dem Erfolg im WM-Endspiel am 4. Februar in der Kölnarena gegen Polen - nur knapp 50 Kilometer von seiner Heimatstadt Gummersbach entfernt. Ebenso wie Beckenbauer vollbrachte der dreifache Großvater damit das Kunststück, den WM-Titel als Spieler und als Trainer gewonnen zu haben. In der Handball-Historie ist das einmalig.
Redner für Topmanager
Da legte Brand sogar seine sonstige Zurückhaltung ab und tanzte vor Freude ausgelassen mit den Spielern. Ansonsten gibt er inzwischen seit zehn Jahren bestimmt, aber ganz ruhig den Ton im deutschen Handball an. Er hat aus seinen Kadern noch immer eine echte Mannschaft geformt, mittlerweile ist er so auch zum gefragten Redner für Topmanager zum Thema Führungsstil geworden.
Dabei will Brand auch die Zukunft seines Sports unbedingt positiv mitgestalten und nach Olympia 2008 in Peking noch einmal eine neue Mannschaft aufbauen. Das gehört zu meiner Verantwortung für den deutschen Handball, sagte Brand, als er Ende Oktober seine Vertragsverlängerung bis 30. Juni 2013 beim Deutschen Handball-Bund (DHB) unterzeichnete.
Dass er auch darüber hinaus noch im Trainingsanzug auf der Bank sitzt, kann sich der Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande zwar nicht vorstellen. Aber in Peking und vier Jahre später in London hat er nun noch die Chance auf den letzten großen Titel, der ihm noch in der Sammlung fehlt. Und eine olympische Goldmedaille hat selbst der Kaiser nie gewonnen.
Text: FAZ.NET mit Material von sid
Bildmaterial: dpa
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