Sportlerwahl

Franziska van Almsick und Sven Hannawald Sportler des Jahres 2002

Sportlerin des Jahres: Franziska van Almsick

Sportlerin des Jahres: Franziska van Almsick

23. Dezember 2002 Franziska van Almsick und Sven Hannawald sind Sportler des Jahres 2002, Mannschaft des Jahres ist die deutsche Fußball-Nationalelf.

0:2 im WM-Finale von Yokohama gegen Brasilien verloren, aber bei den deutschen Sportjournalisten eindeutig die Nummer eins, der Vize-Weltmeister verwies die deutsche Basketball-Nationalmannschaft und die Skispringer, die bei den Olympischen Winterspielen von Salt Lake City Mannschafts-Gold gewannen, auf die Plätze zwei und drei.

Das mondäne Kurhaus zu Baden-Baden war am Sonntagabend zwei Tage vor Heiligabend einmal mehr Treffpunkt der Welt des Sports, die Proklamation der deutschen Sporthelden Auftakt einer rauschenden Ballnacht.

„Ich habe ein großartiges Jahr erlebt“

Vor 800 geladenen Gästen und einem Millionenpublikum an den Fernsehschirmen wurde bei der seit 1947 bereits zum 56. Mal veranstalteten Wahl zum neunten Mal eine Schwimmerin geehrt. Die 24 Jahre alte Berlinerin Franziska van Almsick hatte bei der EM in Berlin mit fünf Titeln ein Traum-Comeback gefeiert und über 200 m Freistil in phantastischen 1:54,64 Minuten ihren eigenen Weltrekord von Rom 1994 um 14 Hundertstelsekunden verbessert.

Im Benazet-Saal wurde Franziska van Almsick bereits zum dritten Mal nach 1993 und 1995 als Sportlerin des Jahres ausgezeichnet. „Ich habe ein großartiges Jahr erlebt, sportlich und privat. Und nun die Wahl zur Sportlerin des Jahres, das ist einfach nur toll“, sagte die 24-Jährige im gleißenden Scheinwerferlicht.

Schumacher trotz WM-Titel nur Dritter

Zweite hinter „FvA“ wurde Claudia Pechstein, der Eisschnelllauf-Star von Salt Lake City. Mit Gold über 3000 und 5000 Meter schraubte die Berlinerin ihre olympische Medaillen-Bilanz auf sieben und ist damit die erfolgreichste Winter-Olympionikin Deutschlands. Rang drei belegte Kati Wilhelm, die olympische Königin der Biathleten.

Formel-1-Star Michael Schumacher musste erneut mit Rang drei zufrieden sein. Dem Weltmeister nutzte auch der insgesamt fünfte Titelgewinn nichts. Der Ferrari-Pilot aus Kerpen hatte bislang nur 1995 nach seinem zweiten WM-Titelgewinn ganz oben in der Gunst der Sportjournalisten gestanden. Aber im Olympiajahr 2002 war Sven Hannawald nicht vom ersten Rang zu verdrängen.

Nowitzki mit vielen Stimmen

Der historische Sieg bei der Vierschanzen-Tournee, der Grand Slam mit einmaligen Einzelerfolgen auf allen vier Schanzen, dazu der Olympiasieg mit der Mannschaft in Salt Lake City, das war ebenso wenig zu übertreffen wie das phänomenale Comeback der Franziska van Almsick.

Hinter Hannawald belegte der überragende deutsche Basketballer Dirk Nowitzki, der in der US-Profiliga NBA die Dallas Mavericks von Sieg zu Sieg und die deutschen Basketballer bei der WM in Indianapolis zu Bronze führte, den zweiten Rang.

Nationalelf zum dritten Mal gewählt

Die Mannschaft von Bundestrainer Henrik Dettmann verpasste das Finale nur hauchdünn, mit Bronze wurde für Nowitzki und seine Kollegen ein Traum war. Die deutsche Fußball-Nationalelf belegte nach 1966, 1970, 1974, 1980, 1990 und 1996 bereits zum siebten Mal den ersten Rang, die Mannschaft von Teamchef Rudi Völler und Bundestrainer Michael Skibbe folgte dem deutschen Rekordmeister Bayern München. Aber erst zum dritten Mal nach 1966 und 1970 wurde eine DFB-Auswahl ausgezeichnet, die im abgelaufenen Jahr beim überragenden Ereignis nicht den Titel gewann.

„Was wäre in diesem Land eigentlich passiert, wenn wir gegen Brasilien gewonnen hätten“, fragte der Teamchef, als Zehntausende auf dem Frankfurter Römer „Rudis Buben“ einen begeisternden Empfang bereiteten. „Es gibt nur einen Rudi Völler“, skandierten die Fans - die Lobeshymne wurde als Satz des Jahres ausgezeichnet. Das Verdienstkreuz der Republik ereilte den Weltmeister von 1990 genauso zielsicher wie die Ehrenbürgerschaft seiner Heimatstadt Hanau und die Wahl seiner Truppe zur Mannschaft des Jahres. Völler: „Nun haben wir für die WM 2006 in Deutschland ein ganz großes Ziel.“

Ergebnisse der Wahl zum „Sportler des Jahres“ 2002:

„Sportler des Jahres“: 1. Sven Hannawald (Skispringen) 4157 Stimmen; 2. Dirk Nowitzki (Basketball) 2369; 3. Michael Schumacher (Formel 1) 1549; 4. Oliver Kahn (Fußball) 1318; 5. Timo Boll (Tischtennis) 1283; 6. Erik Zabel (Radsport) 1009; 7.Georg Hackl (Rodeln) 860; 8. Ingo Schultz (Leichtathletik) 751; 9. Michael Ballack (Fußball)682; 10. Sven Ottke (Boxen) 634

„Sportlerin des Jahres“: 1. Franziska van Almsick (Schwimmen) 3936 Stimmen; 2. Claudia Pechstein (Eisschnelllauf) 3726; 3. Kati Wilhelm (Biathlon) 2324; 4. Evi Sachenbacher (Skilanglauf) 1739; 5. Anni Friesinger (Eisschnelllauf) 954; 6. Sabine Braun (Leichtathletik) 939; 7. Grit Breuer (Leichtathletik) 922; 8. Sylke Otto (Rodeln) 686; 9. Andrea Henkel (Biathlon) 570; 10. Verena Bentele (Ski/Behindertensport) 415

„Mannschaft des Jahres“: 1. Fußball-Nationalmannschaft 3026 Stimmen; 2. Basketball- Nationalmannschaft 2397; 3. Skisprung-Team 1977; 4. Biathlon-Staffel, Frauen 1546; 5. Hockey-Nationalmannschaft 1369; 6. Skilanglauf- Staffel, Frauen 1196; 7. Bayer Leverkusen (Fußball) 881; 8. SC Magdeburg (Handball) 809; 9. 4x100 m-Staffel, Leichtathletik671; 10. 4x100 m Freistil, Frauen (Schwimmen) 665



Text: sid
Bildmaterial: AP, FAZ.NET

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