Fußballskandal

Machtlos gegen Wettbetrug

Von Roland Zorn

Michel Platini - als Aufklärer gefordert

Michel Platini - als Aufklärer gefordert

03. Dezember 2007 Michel Platini ahnt längst, wie machtlos seine reiche Organisation gegenüber diesen kriminellen Geldvermehrern sein dürfte. Deshalb sucht der Präsident der Europäischen Fußball-Union (Uefa) ja den engstmöglichen Schulterschluss mit der Europäischen Union und ihrer Polizeibehörde Europol.

Der Ruf des früheren französischen Weltklassespielers nach der grenzübergreifenden Sportpolizei ist erst einmal verhallt, doch die Furcht des Sports, namentlich des Fußballs, von Spitzbuben und Missetätern unterwandert zu werden, bleibt.

Der Manipulation kaum Grenzen gesetzt

Dass Fußballspiele manipuliert werden können, ist gewiss keine neue Erkenntnis des Wochenendes. Was früher aber in Deutschland und anderen Ländern noch mit traditioneller Recherche aufgeklärt und sanktioniert werden konnte, ist im Internetzeitalter mit seinen vielfältigen Wett- und damit Einflussmöglichkeiten auf die Integrität des sportlichen Wettbewerbs kaum noch kontrollierbar.

Verdächtige Einsätze auf ein Spiel mögen noch über Frühwarnsysteme à la Betradar oder Betfair festgestellt werden können, und auch des einen oder anderen illegalen Steigbügelhalters für die großen Wettpaten dürften die ermittelnden Sportverbände und Polizeikräfte habhaft werden. Doch den Hintermännern und Strippenziehern in diesem florierenden Geschäft, die jenseits von Europa im Fernen Osten agieren, auf die Schliche zu kommen fällt überaus schwer. Das macht die Ermittlungen im jüngsten, am Wochenende bekanntgewordenen mutmaßlichen Wettskandal rund um 15 von der Uefa angezeigte europäische Wettbewerbsspiele so schwer.

Kleines und großes Geld

Da inzwischen auf so gut wie alles gewettet wird, was ein Fußballspiel zu bieten hat, sind auch der Manipulation kaum Grenzen gesetzt – vorausgesetzt, es findet sich ein „Mitspieler“, der für kleines oder größeres Geld dem Glück ein wenig nachhilft. Dass wohlpräparierte Wetten auch noch, mit manchmal kapitalem Gewinn, dazu dienen können, Straftaten zu vertuschen, macht die Bedrohlichkeit dieser Art von Betrug am Kunden und Betrug am Sport umso bedrückender.

Die von der Uefa angezeigten 15 Fälle könnten nur ein Teil des ganzen, noch viel größeren Problems sein, das aufzulösen überaus schwierig scheint. Andererseits muss der Sport überall da, wo es um die Glaubwürdigkeit seiner eigenen Faszination geht, mehr als nur Alarm schlagen. Sollte die Uefa da, wo Korruption und Wettbetrug zu Hause sind, wenigstens in dem einen oder anderen Fall fündig werden und Sanktionen aussprechen, wäre zumindest etwas gewonnen – zu wenig jedoch, um die Sorge vor weiteren Betrügereien vertreiben zu können.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP

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