Ich frage mich, wer bei Ihnen dafür bezahlt wird, sich so einen Käse auszudenken. Ich starte mal mit der Korrektur:
Die erste falsche Aussage im ersten Satz. Kobe Bryant hat dieses Jahr sicherlich keine MVP Ovationen in Boston bekommen. Das war vergangene Saison. Mittlerweile sind die Celtics wieder konkurrenzfähig und haben mit Garnett ihren eigenen Kandidaten für die Auszeichnung.
Selbiges gilt für die MVP Rufe in Atlanta: Dieses Jahr hatte Kobe dort eines seiner schlechtesten Spiele, verletzte sich am Finger und die Lakers verloren. Die MVP Rufe waren vergangene Saison zu hören, als Bryant im Schlussviertel 3 Würfe in Folge verwandelte.
In Toronto und Sacramento waren zwar vereinzelte MVP Rufe zu hören, allerdings ist das nicht auf die Spielweise Bryants zurückzuführen sondern auf die grosse Anzahl an Lakers Fans. Das traditionsreiche Team aus LA hat mehr Anhänger als die meisten anderen Clubs und daher auch oftmals eine kleine Anzahl an Fans in fremden Hallen.
Die von ihnen erwähnte Umfrage der LA Times lieferte übrigens ein durchaus knappes Ergebnis zugunsten Bryants. Die Behauptung dessen Erfolg und Reputation beruhe auf seinem spektakulären Spiel ist lediglich lächerlich.
Normalerweise bin ich über jeden Artikel froh, der in Deutschland über die NBA veröffentlicht wird, damit der außergwöhnliche Sport, der in dieser Liga gezeigt wird endlich den Weg über den großen Teich antreten kann. Mit dem Inhalt dieses Artikels bin ich allerdings ganz und gar nicht einverstanden. Herr Kalwa scheint die vergangene Saison zu ignorieren und begnügt sich damit das Image des Kobe Bryant aus den vergangenen Jahren zu referieren. Ein Image, dass nicht vom Spieler selbst, sondern von den Medien kreiiert wurde. 81 Punkte in einem Spiel, 63 gegen Dallas in nur drei Vierteln - das sind unglaubliche Leistungen, die es einem damals nicht gerade mit Talent gespickten Team erlaubten Spiele zu gewinnen. Völlig außer acht lässt Herr Halwa die Tatsache, dass Bryant seit Jahren einer der besten Verteidiger der NBA ist, ein Job der einen nur selten in die Highlights bringt und sehr selten überhaupt Anerkennung findet. Bryant ist einer der wenigen Spieler, die das Spiel an beiden Enden des Courts entscheidend prägen können, wird aber oft auf sein unglaubliches Talent als Scorer reduziert. Bryant hat in dieser Saison die Evolution zum Team-Player geschafft und damit seine Mannschaft zum Erfolg geführt. (Siehe US-Berichterstattung)
Jedes mal wenn ich hier etwas über amerikanischen Basketball lese dreht sich mir der Magen um. Ich weiss nicht mit wieviel Begeisterung hier über dieses Thema recherchiert wird, das Resultat ist zumindest zunehmend peinlich.
Wer Kobe Bryant die letzen 2 Jahre verfolgt hat, kann seine Entwicklung zum mannschaftsdienlichen Spieler nicht verleugnen. Pau Gasol ist ein guter Spieler, ist aber mit dem Druck als Führungsspieler in den Playoffs nie klar gekommen. Man könnte in diesem Zusammenhang mal anmerken, dass er in seiner Kariere bis letzter Woche KEIN Playoff Spiel gewinnen konnte. Das er die Lakers besser macht ist keine Frage. Das ändert nichts an der Tatsache das Bryant der Spieler ist der die Lakers zum Titelanwärter macht.
Ich muss gestehen, kein Kobe-Bryant-Sympathisant zu sein. Nein, ich war es auch noch nie gewesen. Ohne O'Neal hätte er wohl auch noch keinen Ring an der Hand und wäre ähnlich wie Allen Iverson, lediglich ein paar Saisons über ein Top-Scorer geworden. Wobei man Iverson im Gegenzug Herz zuspricht. Herz für den Sport, für den Kampf und für die Fans.
Aber zurück zum Thema: Hat Kobe Bryant es verdient MVP zu werden? Er hat es geschafft, ein Team - gespickt mit mehr oder minder großen Talenten wie Lamar Odom und Pau Gasol, neben ein paar Rollenspielern - an die Spitze des Westens zu verfrachten. Was davon seine Leistung ist, sei dahingestellt. Aber 28 Punkte, 6 Rebounds, 5 Assists und fast 2 Steals pro Spiel sprechen für sich.
Sollte er damit aber vor Chris Paul landen, der ein noch Star-ärmeres Team an die Spitze der Southwest Division lenkte. Noch vor San Antonio und zudem nur ein Sieg hinter den Lakers. Chris Paul ist ein Spieler mit einem Talent, das vorher nur Jason Kidd sein Eigen nennen konnte. Wenn er auf dem Platz ist, weisen seine Mitspieler bessere Statistiken auf, als wenn er nicht auf dem Parkett steht. Das wäre für mich mehr die Leistung eines MVPs.
Aber darum geht es nicht immer. Kobe ist wohl diesmal an der Reihe.
Der Mythos von der Selbstverliebtheit Kobe Bryants ist im deutschen Sportjournalismus nicht ausrottbar. In der vergangenen Nacht hat Kobe in einem Playoff-Spiel neben 49 Punkten auch noch 10 Assists erzielt. Die Untrainierbarkeit, wurde einmal von Phil Jackson verkündet, der alle anderen NBA-Coaches und die meisten Spieler in sachen Selbstverliebtheit um Längen übertrifft. Seit die Lakers wieder Chancen auf die Meisterschaft haben, spielt Kobe mannnschaftsdienlicher und Jackson schreibt keine psychlogisierenden Texte mehr. Die beiden Herren haben wohl gemeinsam, dass sie nur in einem erfolgversprechenden Umfeld zu ertragen sind. Aber deutsche Sportjournalisten, die gerne verkünden wie Kobe "schon immer" war, kriegen eine derartige Differenzierung wohl nicht hin.