Nach 45. Se6 könnte folgen
45. ... Sxe5 46. Sc7+ Ka7 47. Tb7# oder
45. ... De4 46. e8D Txe8 47. Sc7+ Ka7 48. Ld4+ mit Matt in spätestens fünf Zügen, verrät mir mein Mephisto Schachcomputer, auf dem ich die Partie genüsslich nachspielte.
Spannend und wunderschön ist diese Partie allemal, aber angesichts der im Text beschriebenen Umstände, wie der geniale Zug gefunden wurde, nämlich nicht während der Partie am Brett, hat das ganze für mich einen leicht bitteren Nachgeschmack.
Topalov und Kramnik sind die besten Heim-Analysierer der TOP-GMs;
während der eine auf spektakuläre taktische Stellungen setzt und darauf spekuliert, die über den gegnerischen Rechenhorizont am Brett gehen (Topalov), geht der andere über die positionelle Vorbereitung in günstige Endspiele (Kramnik); es wirkt ein wenig wie ein Kampf der SChach-Programme Fritz gegen Rybka
schwer zu sagen, wer der beste SchachSPIELER ist;
Weltmeister Anand ist nicht in Topform und Schachgenie Ivanchuk wirkt überspielt; die Youngster Carlsen, Karjakin und Radjabov holen auf; die Oldies Kamski und Shirov kommen wieder...
in jedem Fall: die nächste WM wird die erste seit Karpow - Kasparov, die wieder den wahren Weltmeister ermittelt
"Und lobte hinterher seinen Sekundanten Iwan Tscheparinow, der das Springeropfer gefunden und vorbereitet hatte."
Mich persönlich hat dieser Satz schon ziemlich enttäuscht. Ich dachte zuerst, Topalov hätte den Zug durch einen Genieblitz während des Spiels auf dem Brett gefunden und nun sowas: Der Zug ist in schätzungsweise wochenlanger Arbeit VOR der Partie und dann auch noch nicht von Topalov selbst, sondern vom Sekundanten gefunden und aufbereitet worden. Sowas ist doch kein Schach mehr. Da kämpfen doch nicht zwei Spieler gegeneinander, sondern zwei Mannschaften und deren Computer!
Das ist der Grund, warum Bobby Fischer nicht mehr klassisches Schach spielen wollte. Am Brett findet so gut wie kein Kampf mehr statt, sondern nur noch ein Abspulen von vorbereiteten und dann auswendiggelernten Zügen.
Beim Fischerrandom-Schach wird die Ausgangsstellung der Figuren vor Beginn der Partie - vereinfacht ausgedrückt - per Losziehung festgestellt, d.h. die weiße Dame muss nicht zwangsläufig auf d1, sondern kann auch auf a1 etc. stehen. Das hat zur Konsequenz, dass sich niemand mehr mit Hilfe von Auswendiglernen von Zugfolgen vorbereiten kann, sondern echtes strategisches und taktisches Können unter Beweis stellen muss.