Davis Cup

Das deutsche Team scheitert auf die Schnelle

Von Peter Penders, Bremen

Philipp Kohlschreiber mühte sich vergeblich

Philipp Kohlschreiber mühte sich vergeblich

12. April 2008 Zumindest für einen Tag war alles mal wieder fast so wie früher. 7.200 Zuschauer waren am Freitag zu den ersten beiden Einzeln der deutschen Mannschaft in ihrer Davispokal-Viertelfinalpartie gegen Spanien gekommen, und sie durften wegen des Weltranglistenzweiten Rafael Nadal und des Weltranglistenfünften David Ferrer ein wenig große Tenniswelt erleben. Am Ende aber stand es 0:2, da Nicolas Kiefer und Philipp Kohlschreiber trotz aller Bemühungen ihre Partien am Ende jeweils chancenlos verloren.

Am Samstag war dann auch die letzte Hoffnung der Deutschen dahin, dem großen Favoriten irgendwie ein Bein stellen zu können. Das hatten wohl auch die Fans geahnt: Nur 4000 Besucher sahen zu, als Fernando Verdasco und Feliciano Lopez gegen Kohlschreiber und Philipp Petzschner in fünf hart umkämpften Sätzen und einer Spielzeit von 4:45 Stunden beim 6:7, 7:6, 6:4, 2:6, 12:10 siegten und den schon entscheidenden dritten Punkt für Spanien gewannen.

Albtraum für die Akteure

So eine Davis-Cup-Partie geht manchmal etwas schmucklos zu Ende, und die deutschen Spieler wehrten sich mit aller Kraft gegen dieses vorzeitige Aus und das nun einsetzende Desinteresse. Denn die beiden Einzel an diesem Sonntag sind nun bedeutungslos und ein Albtraum für die Akteure, die sie bestreiten müssen. Niemand schaut schließlich mehr besonders hin, und die Spitzenspieler verzichten zumeist dankend auf einen Einsatz. An einem Sonntag nach einem 3:0-Zwischenstand schlägt in der Regel die Stunde der Ersatzspieler. So ersetzt Michael Berrer am Schlusstag den ausgelaugten Philipp Kohlschreiber. Das gab der deutsche Team-Kapitän Patrik Kühnen am Sonntag nach einem Gespräch mit seiner Nummer eins bekannt. Der Stuttgarter Berrer wird es vermutlich mit dem Weltranglistenzweiten Rafael Nadal zu tun bekommen. Nicolas Kiefer wird wie geplant das Abschlusseinzel gegen David Ferrer bestreiten.

Um den Einsatz von Kohlschreiber in diesem Doppel hatte es einige Irritationen gegeben. Der Augsburger hatte sich nach seiner Viersatzniederlage im Einzel gegen Ferrer plötzlich schlapp gefühlt und war am späten Freitagabend zur Blutuntersuchung in ein Krankenhaus gefahren. Von dort kam gegen zwei Uhr morgens die Entwarnung, da sich alle Werte im normalen Bereich befanden. Angeblich habe es sich ohnehin um eine geplante Routineuntersuchung gehandelt, wie zumindest der Deutsche Tennis-Bund mitteilen ließ - allerdings lassen die Uhrzeiten an dieser Darstellung zweifeln. Müde allerdings wirkte Kohlschreiber am Samstag nicht: „Wir haben alles versucht, aber wie schon in den Einzeln am Freitag hat es leider nicht gereicht, Das müssen wir akzeptieren“ sagte der Augsburger enttäuscht. Mehrfach standen sie dicht davor, den Spaniern im fünften Satz den Aufschlag abzunehmen, schafften es aber nicht. Verdasco/Lopez besaßen im entscheidenden Durchgang nur eine Chance - und die nutzten sie beim Matchball.

Spanien längst auf allen Böden wettbewerbsfähig

Wie befürchtet haben sich die vielseitigen Spanier so auf die Schnelle als zu stark für eine limitierte deutsche Mannschaft erwiesen. Denn wer im Davis Cup weit kommen will, braucht vor allem etwas Losglück. Wer Zuhause spielen darf - was sich danach richtet, ob die letzte Davispokalpartie gegen den jeweiligen Gegner ein Heim- oder Auswärtsspiel war - kann den Belag auswählen, der am besten zu den eigenen Stärken oder den gegnerischen Schwächen passt. Ein erheblicher Vorteil, wenn der Gegner nicht gerade Spanien heißt. Die Südeuropäer, lange als Sandplatzspezialisten verschrieen, sind schließlich längst auf allen Böden auf höchstem Niveau wettbewerbsfähig. Nadal etwa ist nicht nur mit Abstand der beste Sandplatzspieler der Welt, er stand auch zuletzt zweimal auf dem Rasen in Wimbledon im Finale oder im Halbfinale der Australian Open (Hartplatz). „Wenn ich über mein Limit gehe und er einen schlechten Tag erwischt, dann habe ich eine Chance“, hatte Kiefer deshalb vor dem ersten Einzel gesagt. Der Deutsche spielte im ersten Satz prompt so gut wie noch nie im Davis Cup - und verlor ihn trotzdem 6:7 und danach das Spiel.

Trotz allen verbissenen Einsatzes machte die Partie gegen Spanien aber deutlich, dass die Deutschen schon über sehr viel Losglück verfügen müssen, wenn sie im Davispokal so weit kommen wollen wie früher. Ohne einen Spieler in der absoluten Weltspitze scheint die Aussicht auf die Wiederholung der großen Tage eher unwahrscheinlich. Kohlschreiber ist auf Rang 25 der bestplazierte Spieler, Kiefer folgt auf Rang 47, Haas wird wegen seiner lädierten Schulter und seines anfälligen Immunsystems vorerst auf weitere Einsätze verzichten. Bis auf weiteres ist nur manchmal fast alles so wie früher.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: REUTERS

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