22. Juli 2008 Sportmanager Klaus Kärcher ist ein gerechter Mensch, sagt er. Deshalb setzt er sich für Protagonisten vermeintlich kleinerer Sportarten ein: Rhythmische Sportgymnastik, Fechten, Bogenschießen und Triathlon. Die Karriere von Turner Fabian Hambüchen begleitet er von den Sommerspielen 2004 an. Vom Turnprofessor zum schillernden Sportstar: der Manager ist sich sicher, dass Fabian Hambüchen das deutsche Gesicht der Sommerspiele in Peking werden wird.
Im FAZ.NET-Interview spricht Klaus Kärcher über die Bühne Olympia, Protagonisten im Sport und darüber, wie es Fabian Hambüchen zum Sportstar schaffte.
Wie definieren Sie eigentlich den Begriff Randsport?
Es gibt Sport, der einen hohen medialen Stellenwert hat. Und es gibt Sport, der alle vier Jahre bei den Olympischen Spielen im Fernsehen erscheint. Randsport dagegen gibt es eigentlich gar nicht. Der Begriff ist völlig veraltet, er klingt total negativ. Was diese Athleten leisten, darf man nicht als Randsport bezeichnen.
Wieso haben Sie sich den Randsportarten verschrieben?
Ich betreue ja nicht nur solche Sportler. Aber ich bin ein Mensch mit großem Gerechtigkeitssinn. Und ich sehe, dass viele Athleten einen enormen Trainingsaufwand betreiben, Höchstleistungen zeigen und dafür kaum belohnt werden. Es ist aber überaus wichtig, dass Leistung honoriert wird. Das sollte für unsere gesamte Gesellschaft gelten.
Wie helfen Sie den Athleten konkret?
Ich kann aus einem Sportler zwar keinen Star machen. Aber ich kann durch geschickte Öffentlichkeitsarbeit dazu beitragen, den Sportler zu positionieren. Der Sport muss sich öffnen und auf die Medien zugehen. Aber man darf den Sport nicht prostituieren, um fernsehgerechte Happen zu erhalten. Man darf die Schraube nicht zu weit drehen.
Welche Faktoren machen einen Sportstar aus?
Der mediale Stellenwert der Sportart, der sportliche Erfolg des Athleten und vor allem seine Persönlichkeit; die Glaubwürdigkeit des Athleten muss stimmen. Kommen nun noch gute sportliche Leistungen hinzu, um so besser.
Fabian Hambüchen gilt als positives Beispiel.
Richtig. 2004 war er jüngster Olympiateilnehmer, nun genießt er einen hohen Bekanntheitsgrad. Er wird das deutsche Gesicht der Sommerspiele in Peking.
Auch wenn der sportliche Erfolg ausbleibt?
Ob Drama oder Triumph, wir sind auf beides vorbereitet. Fabian wird die Spiele als Gewinner verlassen. Der Druck auf die Athleten ist bei Olympia besonders groß, doch sie sind auf sich allein gestellt. Mir bleibt nur, als Privatperson auf der Tribüne mitzufiebern. Das ist für mich eine völlig unbefriedigende Situation.
Wie können es die Sportler schaffen, über Olympia hinaus bekannt zu bleiben?
Man muss die Athleten vier Jahre lang betreuen und vorbereiten. Entscheidend ist der Weg, nicht der Sieg. Wenn ich erst nach einer Medaille ein Konzept anlege, ist es zu spät. Übermorgen ist Olympia schon wieder vergessen.
Angenommen, Sie haben einen Sportler gut positioniert. Wer achtet darauf, dass neben Medienanfragen und Sponsorenterminen der Sport nicht zu kurz kommt?
Es ist meine Aufgabe, darauf zu achten, dass der Sportler in Ruhe weitertrainieren kann. Der sportliche Erfolg ist schließlich die Basis meiner Arbeit. Alle Athleten, die ich kenne, würden auf einen Sponsorvertrag verzichten, wenn sie dadurch ihre Olympiateilnahme oder sogar eine Medaille gefährden würden.
Die Sportler müssen aber auch an ihre persönliche Zukunft denken.
Sicher, sie sind nicht weltfremd. Vom Sport und seinen Fördermaßnahmen alleine können viele nicht leben. Hier muss man Wege finden, um die soziale Absicherung und finanzielle Unabhängigkeit sicherzustellen. Mein Ziel ist es immer, dass der Athlet so viel Geld zusammenhat, wie er in seinem erlernten Beruf verdienen würde. Um so besser für den Athleten, wenn darüber hinaus Gelder fließen.
Kann ein Protagonist wie Fabian Hambüchen eine ganze Sportart retten?
Es ist eine Mischung aus vielen Faktoren, die eine Sportart ins Rampenlicht hieven können. Besonders wichtig ist es, ein Gesicht zu haben. Außergewöhnliche Athleten können eine Sportart extrem weit nach vorne bringen. Basketball lebt hierzulande zu 90 Prozent von einem, der in Amerika spielt (Dirk Nowitzki, Anm. d. Red.). Das ist verrückt, aber es ist so.
Das Gespräch führte Bernhard Böth.
Text: FAZ.NET
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