Von Marc Heinrich
28. Oktober 2007 Wilfred Kigen aus Kenia hat am Sonntag zum dritten Mal in Serie den Frankfurt-Marathon gewonnen. Der 32-Jährige unterbot dabei in 2:07:55 Stunden den von ihm gehaltenen Streckenrekord um 34 Sekunden und kassierte insgesamt 45.000 Euro als Sieg- und Zeitprämie.
Kigen setzte sich auf den letzten Kilometern durch die Innenstadt von seinem Landsmann Hosea Rotich ab, der in 2:08:10 Stunden auch noch unter der bisherigen Bestzeit blieb. Dritter wurde mit Sammy Kurgat ebenfalls ein weiterer Kenianer (2:08:38).
Ich bin sehr stolz auf meine Leistung, sagte der Gewinner bei einem ersten Interview im Ziel, bei dem er ungeachtet der vorangegangenen Anstrengung schon wieder bestens bei Puste war und mit seiner sieben Jahre alten Tochter Patience Scherze trieb. Kigen sprach von einer phantastischen Atmosphäre an der Strecke: die Fans haben mich hervorragend unterstützt. Partystimmung herrschte hauptsächlich rund um die Alte Oper und im Start- und Zielbereich an der Messe; insgesamt feuerten schätzungsweise 250.000 Menschen bei freundlichem Herbstwetter die Läufer bei der 26. Auflage des ältesten Stadtmarathons in Deutschland an (Siehe auch: Die Ergebnisse vom Frankfurt-Marathon auf einen Blick).
Große Überraschung durch Kraus
Bei den Frauen sorgte die Leverkusenerin Melanie Kraus mit ihrem Sieg für eine große Überraschung. Die 33-Jährige steigerte sich auf der zweiten Hälfte der 42,195 Kilometer und schloss beim letzten Durchlauf am Opernplatz zur lange Zeit alleine führenden Favoritin Swetlana Zacharowa aus Russland auf.
In 2:28:56 Stunden unterbot die vor vier Tagen 33 Jahre alt gewordene Kraus die Qualifikationsnorm des Deutschen Leichtathletik-Verbandes für die Olympischen Spiele 2008 in Peking (2:31:00) deutlich und schob sich auf den zweiten Platz der deutschen Bestenliste vor. Es ging mir heute nicht um einen Platz oder eine besondere Zeit, sagte Melanie Kraus, die vor knapp zwei Monaten bei den Weltmeisterschaften in Osaka noch Zwanzigste über die gleiche Distanz wurde: Ich bin stur mein Ding gelaufen - umso schöner, dass es geklappt hat! Ihren bis dahin einzigen Marathon-Erfolg feierte sie vor drei Jahren in Essen am Baldeneysee.
Swetlana Zacharowa (2:29:12) rettete den zweiten Platz knapp vor der Norwegerin Kirsten Melkevik Otterbu (2:29:13) ins Ziel. Auf den fünften Platz kam die unterwegs von Krämpfen geplagte Luminita Zaituc (2:30:09) aus Braunschweig, die ebenfalls die Olympia-Norm unterbot.
Geld für den guten Zweck sammelten Dieter Baumann, 5000-Meter-Olympiasieger von 1992, und der zweifache Triathlon-Weltmeister Normann Stadler aus Mannheim. Beide benötigten etwas mehr als zweieinhalb Stunden. Für den früheren Weltklasseleichtathleten, der gegen Ende seiner Karriere wegen Dopings gesperrt wurde, war es der erste Marathon, den er beenden konnte. Das ist schon ein Genuss, freute sich der Schwabe.
Neuer Teilnehmerrekord
Drei Erfolge wie Kiegen waren in Frankfurt zuvor bei den Männern nur Deutschlands Marathon-Ikone Herbert Steffny (1985, 1989, 1991) gelungen. Bester Deutscher am Sonnatg war der Bayer Daniel Pickl (LG Rupertiwinkel) in 2:23:12 Stunden. Europameisterin Ulrike Maisch lief bei ihrem Comeback nach einer Fußverletzung in 2:32:41 Stunden als Sechste ins Ziel.
Bei nahezu idealen Bedingungen mit Temperaturen um zehn Grad Celsius sowie Windstille gingen insgesamt 11.483 Marathon-Läufer und Läuferinnen an den Start; hinzukamen fast siebentausend Staffel-Läufer und Handbiker.
Die Veranstalter feierten mit 18.245 Anmeldungen einen Teilnehmerrekord. Die bisherige Bestmarke aus dem Vorjahr mit 17.483 Startern wurde knapp übertroffen.
Ergebnisse im Überblick:
Männer:
1. Wilfred Kigen (Kenia) 2:07:58 Std.; 2. Hosea Rotich (Kenia) 2:08:11; 3. Sammy Kurgat (Kenia) 2:08:38; 4. Peter Kiprotich (Kenia) 2:08:49; 5. Albert Matebor (Kenia) 2:09:33; 6. Simon Njoroge (Kenia) 2:09:46; ...26. Daniel Pickl (Rupertiwinkel) 2:23:12; 37. Dieter Baumann (Tübingen) 2:30:00; 44. Normann Stadler (Mannheim) 2:32:12.
Frauen:
1. Melanie Kraus (Leverkusen) 2:28:56 Std.; 2. Swetlana Zacharowa (Russland) 2:29:12; 3. Kirsten Melkevik Otterbu (Norwegen) 2:29:12; 4. Jemima Jelagat (Kenia) 2:29:41; 5. Luminita Zaituc (Braunschweig) 2:30:09; 6. Ulrike Maisch (Rostock) 2:32:41.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, dpa, F.A.Z. Wonge Bergmann, picture-alliance/ dpa