Mein Fitness-Kick

Das ist kein richtiger Sport!

Von Michael Horeni

13. November 2007 Seit etwa zwei Wochen bin ich nun Mitglied in einem Fitnessklub, und wenn ich im Freundeskreis gefragt werde, wie es mir gefällt, bin ich selbst ein wenig überrascht, wenn ich mich antworten höre: eigentlich ganz gut. Meine Vorbehalte gegen Fitnessklubs sind zwar noch vorhanden, und ich lege Wert darauf, dass es sich bei den Vorbehalten um mehr als reine Vorurteile handelt, weil meine Vorbehalte schon eine gewisse Tradition haben. Sie haben etwas mit meinem Alter und meiner Sportsozialisation zu tun, mit meinem Verständnis von Sport.

Fitnesstraining habe ich nie als eigenständigen Sport akzeptiert, und das tue ich auch heute noch nicht, auch wenn ich natürlich um seine Bedeutung weiß. Fitnesstraining geht für mich eigentlich nur additiv, so wie Sylt im Sommer auch nur additiv zu drei Wochen Südfrankreich geht, wie man das so sagt in manchen Kreisen, die ich, wenn nicht gerade winters beim Skifahren in Lech, ansonsten während des Jahres in Premium-Fitnessklubs mit Personal Trainer vermute.

Die Mannschaft trainiert im Hotel?

Fitness geht für mich also wie gesagt nur additiv - zu Tennis, zu Ski, zu Fußball, zu Handball, zu Leichtathletik -, zu richtigem Sport eben. Man kann das aber auch genau andersherum sehen. Denn als Jürgen Klinsmann vor ein paar Jahren die Fitness zur Nationalmannschaft gebracht hat und in den deutschen Fußball, war es irgendwann so, dass während der Trainingslager manchmal kein Training mehr stattgefunden hat, zumindest keines auf dem Fußballplatz. Dann teilte der DFB mit, dass die Mannschaft im Hotel trainiert, und es hat gedauert, bis alle verstanden hatten, dass Fußball auch nur noch additiv geht - mit Fitnesstraining.

Rund sieben Millionen Leute machen in Deutschland mittlerweile Fitness, und die Fitness-Macher fühlen sich sogar schon als Sportart Nummer eins. Ein wenig fällt mir aber auf, dass ihnen die Fitness als Selbstzweck offenbar nicht recht genügt, und so veröffentlicht mein Klub - der sich aber nicht Klub nennen mag, weil das wohl so nach Verein klingt - jetzt gerade eine Umfrage, wonach sich zum Beispiel über vierzig Prozent der Hamburger in ihrem Leben „sehr bis extrem“ gestresst fühlen, und damit stehen Hamburger in etwa für all diejenigen Menschen, die keinen Sport treiben. Die fühlen sich nämlich deutlich gestresster als die anderen, aber nach meiner Sozialisation steht Sport für mich eigentlich immer noch für Spaß und nicht für Stressabbau, aber das nehme ich additiv nun eben auch mit.

Bald gibt's „Fit for family“ mit „Home-Bonus“

Im Fitnessklub schaue ich mir jetzt die Leute an und frage mich, was sie wohl additiv zur Fitness machen, und manchmal vermute ich, dass es da gar nichts sportlich Additives gibt, sondern dass der Mehrwert ganz woanders hingeht. Ein Programm heißt auch tatsächlich „Fit for work“, und das ist wohl ein gutes Geschäft, denn Arbeitgebern werden ein niedrigerer Krankenstand, Einsparungen bei den Lohnnebenkosten, motiviertere und leistungsfähigere Mitarbeiter versprochen, wenn diese nur schön Fitness machen und sie selbst ein bisschen was dafür drauflegen.

Wenn das erfolgreich ist, wird es vermutlich bald eine Variante geben, die Frau von der Leyen unterstützt, und die heißt dann bestimmt „Fit for family“ und wird mit hübschen Rentenanwartschaften verknüpft sein. Aus Gründen der Wahlfreiheit kann man sich dann sicher auch zu Hause fit halten und bekommt dafür einen „Home-Bonus“ oder einen „Fitness-Voucher“. In der Fitnesswelt werden englische Worte nämlich sehr gerne benutzt, additiv schadet das sicher auch nichts.



Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 11.11.2007, Nr. 45 / Seite 20
Bildmaterial: Wonge Bergmann

 

Mein Fitness-Kick

Schnäppchenjäger in der Hochglanzwelt

Spezial In dem feinen Studio, dem sich Michael Horeni angeschlossen hat, lässt sich gut das Kastensystem der deutschen Fitness-Gesellschaft erkennen: Nun ist er Mitglied in einem Premium Health Club - abends und am Wochenende wird er aber nicht reingelassen.

Mein Fitness-Kick

Reich, fit und vernünftig

Spezial Wer die Methode „gesunder Menschenverstand“ anwendet, könne sich das ganze teure Expertenwissen sparen, hat ein Leser unseren Fitness-Selbstversucher Michael Horeni wissen lassen. Doch was sagt der Menschenverstand, wenn es draußen kalt und eklig wird?

Mein Fitness-Kick

Um den Bauch so etwas wie Muskulatur

Einmal Omega-Wellen, bitte: Michael Horenis Haltung ist aufrechter geworden, sein Gewicht hat sich reduziert. Nur im anaeroben Bereich sieht es mau aus. „Um das Fitnessstudio“, sagt Trainer Schmidtlein, „kommst du nicht mehr herum.“

Mein Fitness-Kick

Meine Frau ist mir einfach davongelaufen

Man sieht nur mit dem Herzen gut und die Vorteile der Herzfrequenzmessung sind auch nicht zu verachten. Doch eine Laufeinheit mit der Vorgabe: „Puls 138“ lehrt Michael Horeni Demut. Teil sechs der FAZ.NET-Serie „Mein Fitness-Kick“. Von Michael Horeni

Mein Fitness-Kick

Interkulturelle Sportpark-Beobachtungen

Reisen bildet, und wer seine neu erwachten sportlichen Ambitionen auch in der Ferne durchhalten will, lernt danach seine Heimat mit neuen Augen kennen, hat Michael Horeni in Teil fünf der Serie „Mein Fitness-Kick“ festgestellt.

Mein Fitness-Kick

Sogar verschollene Bekannte tauchen wieder auf

Seit gut drei Wochen bringt sich Michael Horeni mit einem individuellen Plan der Fitnesstrainer der Nationalmannschaft in Form - und findet ungeahnten Spaß am Training. In Teil vier der Serie Mein Fitness-Kick erklärt er seine Übungen.

Mein Fitness-Kick

Chinesen joggen nicht

Das Programm der Fitnesstrainer der deutschen Nationalmannschaft duldet auch auf Dienstreisen keine Verschnaufpause. Und so quält sich Michael Horeni auch in China. Teil drei der Serie Mein Fitness-Kick.

Mein Fitness-Kick

Es ist die reine Fleischbeschau

Unbarmherziger geht es auch bei „Germany's Next Topmodel“ nicht zu. Michael Horeni lässt sich von den Fitnesstrainern der deutschen Nationalmannschaft durchchecken. Teil zwei der Serie Mein Fitness-Kick.

Mein Fitness-Kick

Ich weiß nicht mehr, wie es sich anfühlt

Ein sportentwöhnter Sportreporter, der sich mit Problemzonen und anderen Tücken herumschlagen muss, die der moderne Großstadt-Alltag so bereithält: Start zum Selbstversuch mit den Fitnesstrainern der Fußball-Nationalelf. Von Michael Horeni.