Mountainbike

Sabine Spitz radelt, der Präsident schweigt

Von Bernd Steinle

Der Olympiasieg als Last: Sabine Spitz

Der Olympiasieg als Last: Sabine Spitz

24. April 2009 Es war das erste Weltcup-Rennen, das Sabine Spitz als Olympiasiegerin in Angriff nahm, und es hätte kaum schlechter laufen können. Von Beginn an quälte sie sich mit Magenproblemen über den Kurs, einem extremen Druck auf den Magen, der gegen Ende des Rennens immer schlimmer wurde. Allein in der letzten Runde verlor sie noch vier Plätze. Am Ende blieb Rang elf. Und viel Verdruss. „So hatte ich mir das nicht vorgestellt“, sagte Sabine Spitz.

An diesem Wochenende nun steht die zweite Station im Mountainbike-Weltcup an, das Heimrennen in Offenburg. Eine hundertprozentige Erklärung für den verpatzten Auftakt in Pietermaritzburg (Südafrika) vor zwei Wochen hat die Schwarzwälderin noch nicht gefunden. Vielleicht zu kurz vor dem Rennen gefrühstückt, vielleicht zu viel in zu kurzer Zeit getrunken, wer weiß. Wichtiger war, dass am vergangenen Sonntag beim Bundesliga-Rennen in Münsingen alles wieder rundlief. Sabine Spitz wurde Dritte, und die anfängliche Unsicherheit, wo sie denn nun wirklich stehe, war der Gewissheit gewichen: „Die Richtung stimmt.“

Der Präsident und die unbequeme Frontfrau

Der Präsident, der nicht mit Sabine Spitze redet: Rudolf Scharping

Der Präsident, der nicht mit Sabine Spitze redet: Rudolf Scharping

Dabei war die Vorbereitung alles andere als reibungslos verlaufen – trotz der Goldmedaille in Peking, auch wegen der Goldmedaille in Peking. Die Anfragen häuften sich, Pressegespräche, Sponsorentermine, Fotoaufnahmen, Fernsehauftritte. Einerseits eine schöne Erfahrung, eine Bestätigung, weil die Akzeptanz endlich da war, nach 15 Jahren, in denen Sabine Spitz nun Mountainbikerennen fährt, und in denen sie diese Akzeptanz oft vermisst hat. Andererseits vertrug sich das gesteigerte Interesse schlecht mit dem hohen Aufwand, den die trainingsintensive Sportart Mountainbike erfordert. „Die Regenerationstage kamen einfach zu kurz“, sagt sie. Im Trainingslager auf Zypern machte ihr ein hartnäckiger Husten zu schaffen, das Immunsystem machte schlapp, „und das war für mich das Signal: Jetzt musst du aufpassen. Man kann dem Körper nicht immer nur abfordern, man muss ihm auch Ruhe und Erholung gönnen.“ Also versucht sie nun abzuwägen: Welche Termine sind essentiell? Welche sind wichtig für ihren Sport? Welche bringen nicht nur sie, sondern auch ihr Team Central Ghost weiter?

In dieser Hatz fiel umso mehr auf, dass offenbar nur einer kein gesteigertes Bedürfnis hatte, Sabine Spitz zu treffen: Rudolf Scharping, Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR). Nach der einzigen Goldmedaille in Peking für den BDR hatte er sich darauf beschränkt, Glückwünsche an die unbequeme Frontfrau ausrichten zu lassen. Die kritisierte ihn mehrmals in scharfen Worten, beklagte seine „Luftblasen“ und „Sonntagsreden“ im Anti-Doping-Kampf und sprach sich gegen seine Wiederwahl aus – vergeblich. In Offenburg soll es nun zum ersten Treffen nach den Spielen zwischen Präsident und Olympiasiegerin kommen.

Gold hat viel verändert

Der große Moment: Sabine Spitz gewinnt in Peking Gold

Der große Moment: Sabine Spitz gewinnt in Peking Gold

Die Goldmedaille in Peking hat viel verändert im Leben von Sabine Spitz, und so ist es kein Wunder, wenn sie sagt: „Seit dem 23. August 2008 ist kein einziger Tag vergangen, an dem ich nicht wenigstens für ein paar Augenblicke an diesen Tag zurückgedacht habe.“ Über den langen Winter und die drögen Trainingseinheiten auf dem Heimtrainer half sie sich mit der DVD des Olympia-Rennens hinweg, „als zusätzliche Motivation“. Ihr Ehrgeiz und ihre Begeisterung sind ungebrochen: In dieser Saison hat sie sich vorgenommen, den Gesamtweltcup zu gewinnen, nach drei zweiten Plätzen, und dann ist da ja auch noch die Weltmeisterschaft Anfang September in Australien.

Und selbst Olympia 2012 in London ist für sie ein Thema: „Ich habe keine feste Jahreszahl im Kopf, von der ich sage: Da höre ich auf.“ Trotzdem reicht ihr Blick auch schon weiter, in die Post-Spitz-Ära. In ihrem Central Ghost Pro Team hat sie die nächste Generation bereits versammelt: den Schweizer Nicola Rohrbach (22 Jahre), die Fränkin Anja Gradl (22), die österreichische Meisterin Lisi Osl (23). Dass deren Zeit längst begonnen hat, zeigte der Weltcup-Auftakt in Südafrika. Den gewann Lisi Osl. Womit Sabine Spitz dann doch noch was zu feiern hatte an diesem sonst so vermaledeiten Tag in Pietermaritzburg: den Sieg in der Teamwertung.nle.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, ddp, REUTERS

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