Marathon

Früherer Meister stirbt bei Olympia-Qualifikation

03. November 2007 Das Leben von Ryan Shay bestand aus Laufen. Seine Eltern sind Lauftrainer, seine sieben Geschwister Läufer. Vor drei Jahren lief er beim Marathon von New York seine Bestzeit von 2:14:08 Stunden. Seine Frau lernte er beim New York Marathon vor zwei Jahren kennen. Am Samstag starb der 28 Jahre alte Athlet, fünf Mal amerikanischer Meister im Straßenlauf und Marathonmeister von 2003, ein Musterbild von Sportlichkeit und Gesundheit, als er sich für die Olympischen Spiele in Peking qualifizieren wollte. Bei den Trials des amerikanischen Verbandes, einen Tag vor dem New York Marathon im Central Park der Stadt auf einem Rundkurs ausgetragen, brach er am Samstag nach neun Kilometern zusammen. Während seine Frau Alicia einige Kilometer weiter an der Strecke wartete, versuchten Zuschauer vergeblich, den Läufer zu reanimieren. Als die Ambulanz Shay über die Strecke zum Krankenhaus fuhr, lief einige hundert Meter lang Ryan Hall hinter dem Fahrzeug, der spätere Sieger und ein enger Freund von Shay. Gemeinsam waren sie am Freitag noch im Central Park einige Kilometer gejoggt. Um 8:46 Uhr Ortszeit wurde am Samstag im Lenox-Hill-Hospital in Manhattan der Tod des Läufers festgestellt.

In der amerikanischen Laufszene herrscht Bestürzung und Fassungslosigkeit. Der 25 Jahre alte Ryan Hall, der in 2:09:02 Stunden siegte, sprach nach dem Rennen davon, dass sich ein Traum erfüllt habe für ihn - dass er aber nur an die Familie von Ryan Shay denken könne. Seine Frau war Trauzeugin, als Ryan und Alicia Shay, ebenfalls Leistungssportlerin, im Juli heirateten.

„Er hatte eine unglaubliche Fähigkeit“

Todesfälle bei Langläufen sind nicht selten; allein in diesem Jahr haben europäische Medien mehr als ein halbes Dutzend gemeldet. In dem meisten Fällen werden sie mit der Überforderung von Hobbysportlern oder unerkannten Krankheiten erklärt. Der Todesfall, der vor vier Wochen für den Abbruch des Chicago-Marathons sorgte, ist auf eine Herzerkrankung des Verstorbenen zurückzuführen. Der Mann war von seinem Arzt gewarnt worden vor Ausdauerbelastungen wie einem Marathonlauf.

Ryan Shay aus dem Ort East Jordan in Michigan dagegen war seit frühester Jugend Leistungssportler. Er startete für das College Team von Notre Dame, für das er 2001 Hochschulmeister über 10.000 Meter wurde. Sein damaliger Trainer, Joe Piany, beschreibt ihn als den besten Läufer, den er in 33 Jahren betreute. „Er hatte eine unglaubliche Fähigkeit, sich selbst anzutreiben“, sagte seine Trauzeugin Sara Hall der Zeitung USA Today. „Ich habe gesehen, wie er bei Ergometertests zusammengebrochen ist. Er konnte bis an die Grenze gehen.“ Amerikanische Journalisten beschreiben ihn als Athleten, dessen Willen noch stärker gewesen sei als seine Beine. Eine Autopsie soll nun die Gründe seines Todes klären. „Sein Tod fährt wie ein Messer in unser Herz“, sagte die Renndirektorin des New-York-Marathons, Mary Wittenberg. Sie weinte dabei.



Text: mr., F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP

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