Von Rainer Seele, Dortmund
24. Oktober 2007 Vermutlich wird man sich auf längere Sicht keine Sorgen mehr machen müssen um den Deutschen Handball-Bund (DHB). Jedenfalls vermittelt Ulrich Strombach, der Präsident des DHB, den Eindruck, auf einem sehr festen Fundament zu stehen - und für die Zukunft gut gerüstet zu sein. Das hängt natürlich maßgeblich mit dem Triumph bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land zusammen. Die Nationalmannschaft bescherte dem DHB damit einen beträchtlichen Zuwachs an Renommee.
Die WM, sagte Strombach am Mittwoch in Dortmund, hat uns viel gegeben. Er sagte dies wenige Stunden vor Beginn des Supercups, eines Turniers von hohem Rang. Der Auftakt indes ging einigermaßen in die Hose. Das deutsche Team musste sich Russland im Auftaktspiel der Gruppe A mit 35:38 (17:16) geschlagen geben und steht nun am Freitag gegen Serbien schon unter Erfolgsdruck.
Das Gesicht des deutschen Handballs
Vor dem Spiel leistete Strombach mit zufriedener Miene auch noch eine Unterschrift - zusammen mit Heiner Brand. Dem DHB schien der Mittwoch ein passender Tag zu sein, um die weitere Kooperation mit dem Mann, der als das Gesicht des deutschen Handballs gilt, bekannt zugeben. Brand verlängerte also seinen Vertrag als Bundestrainer - damit war zu rechnen, obwohl der erfolgreiche und populäre Brand immer wieder auch auf gravierende Mißstände im deutschen Handball hingewiesen hat. Grundsätzlich ist er mit seiner Arbeit beim DHB aber sehr zufrieden. Die Tätigkeit macht mir Spaß, sagte Brand. Er bleibt nicht nur bis 2012 beim DHB, sein neuer Kontrakt läuft bis zum 30. Juni 2013. Brand soll Deutschland auch zur Weltmeisterschaft 2013 führen.
Der Gummersbacher ist 55 Jahre alt. Dass er nun aber beim DHB gewissermaßen in Rente gehe, wies er zurück. Das hört sich etwas negativ an. Allerdings machte er in Dortmund auch klar, dass er nach dem Juni 2013 wahrscheinlich nicht mehr im Trainingsanzug auf der Bank sitzen werde. Das bedeutet, dass er seine Karriere als Handball-Lehrer mit 60 wohl beenden wird - beim DHB.
Unbequemer Zeitgenosse
Brand will sein Werk im deutschen Handball konsequent fortführen, und er wird auch künftig ein unbequemer Mann sein. Ich werde meine Vorstellungen weiter kundtun, kündigte er am Mittwoch an. Das zielt vor allem auf sein Bestreben, das deutsche Element in der Bundesliga zu stärken. Brand betrachtet dies als sehr wichtig, seine Wünsche jedoch sind bisher von der Liga nicht erfüllt worden. Der schnauzbärtige Gummersbacher hat sich jetzt wieder sehr kritisch darüber geäußert: just im Programmheft für den Supercup.
Dort ließ Brand einen Beitrag veröffentlichen mit der Überschrift: Dem hohen Stellenwert des Handballs droht Gefahr. Brand griff darin vehement die Vertreter der Bundesliga an. So klagte er: Aus purem Egoismus und unter dem Deckmantel einer geringeren Belastung für die Spieler fordern sie einen ersatzlosen Wegfall jeder zweiten Welt- oder Europameisterschaft. Damit riskieren sie einen erheblichen Einbruch der Bedeutung unserer Sportart. Das mache ihn ausgesprochen traurig, ja sogar böse.
Einfach zu kurz gedacht
Brand monierte in seinem Rundumschlag zudem, dass die Klubs nicht bereit sind, die Zahl der Ausländer zu reduzieren. Ein Blick in andere Länder zeigt, dass auch auf europäischer Ebene erfolgreiche Teams in den verschiedensten Sportarten gut mit einer Ausländerbeschränkung auskommen. Nur beim Handball in Deutschland scheint das nicht möglich zu sein. Schließlich echauffierte sich Brand darüber, dass mir viele Forderungen der vermeintlich visionären Vereinsfunktionäre einfach zu kurz gedacht sind.
Sehr klare Worte eines Mannes, mit dessen Hilfe der deutsche Handball kontinuierlich wuchs. Er betonte am Mittwoch, seiner Aufgabe weiter mit hundertprozentigem Einsatz nachzugehen. Brand sprach von seiner Verantwortung gegenüber dem deutschen Handball. Offensichtlich sind seine Kompetenzen im Männerbereich nun auch ausgeweitet worden. Brand sagte am späten Mittwochnachmittag auch gleich, was er von seinem Team erwartet: Wir müssen leistungsmäßig zulegen, wenn wir uns oben etablieren wollen. Auch als Weltmeister ist man schließlich noch nicht unbedingt am Ziel.
Text: F.A.Z.
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