Ryder Cup

Mit dem Rücken zur Wand und Muhammad Ali als Inspiration

Von Wolfgang Scheffler, Louisville

Inspiration vom “Größten aller Zeiten“: Muhammad Ali beim Ryder-Cup-Empfang im Muhammad Ali Center in Louisville

Inspiration vom "Größten aller Zeiten": Muhammad Ali beim Ryder-Cup-Empfang im Muhammad Ali Center in Louisville

18. September 2008 Der mit Abstand beste Golfer der Welt, der vielleicht beste in der Geschichte des Spiels, fehlt. Von Freitag bis Sonntag wird der 37. Ryder Cup in Louisville im amerikanischen Bundesstaat Kentucky ausgetragen - ohne Tiger Woods (siehe: Golf-Kolumne: Faszinierendes Theater mit Zugabe). Der Weltranglistenerste erholt sich daheim in Florida von seinem Kreuzbandriss und kümmert sich um seine schwangere schwedische Ehefrau.

Da fügt es sich gut, dass die Stadt am Ohio-Fluss die Geburts- und Heimatstadt des „Größten aller Zeiten“ ist. „Muhammad Ali war zeit meines Lebens mein Idol“, sagt der amerikanische Team-Kapitän Paul Azinger. Er nahm seine zwölf Spieler am Montagabend mit ins Muhammad Ali Center, um ihnen noch einen zusätzlichen Motivationsschub zu geben. „Er ist einfach eine Inspiration für uns.“

Die Amerikaner sind auf Hilfe dringend angewiesen

Die Amerikaner sind auf Hilfe dringend angewiesen, zumindest wenn man sich die jüngere Geschichte dieses Kräftemessens zwischen den besten zwölf Profis aus den Vereinigten Staaten und Europa anschaut. Fünf der letzten sechs und die letzten drei Ryder Cups in Folge hat die amerikanische Auswahl gegen ihre Konkurrenten vom alten Kontinent verloren. In Oakland Hills in Bloomfield Township in Michigan 2004 und vor zwei Jahren im K-Club im irländischen Straffan wurden sie von den Kollegen gar mit 18,5 : 9,5 deklassiert. Addiert man die letzten drei Duelle, dann liegen die Europäer mit 52,5 : 32,5 Punkten vorne - und dabei dominierten Amerikaner, vor allem Woods, im vergangenen Jahrzehnt die wichtigsten Einzelturniere, die Majors.

Der Ruf als führende Golfnation steht auf dem Spiel

Erst in diesem Jahr, als Woods nach dem Sieg bei den US Open Anfang Juni die Saison vorzeitig beenden musste, hat ein Europäer das Kommando bei den Eckpfeilern der Saison übernommen. Der Ire Padraig Harrington verteidigte sowohl bei den British Open seinen Titel (siehe: British Open: Harrington fängt Norman ab) und gewann anschließend die PGA Championship (siehe: Golf-Kolumne: Der Tiger aus Dublin - Harringtons starkes Finale) - ein Double, das zuletzt Woods gelungen war.

Aber nicht nur, weil die Amerikaner mit Ausnahme von Woods bei den Majors leer ausgingen (beim Masters siegte der Südafrikaner Trevor Immelman), stehen die Spieler bei diesem prestigeträchtigen Kontinentalwettstreit mit dem Rücken zur Wand. Ihr Ruf als dominante Golfnation steht auf dem Spiel. „Keine Frage, wir sind Außenseiter, besonders wenn man bedenkt, wie wir in der Vergangenheit in diesem Wettbewerb gespielt haben. Dazu haben wir noch unseren Topspieler verloren“, drängt der Weltranglistenzweite Phil Mickelson die Gäste in die Favoritenrolle.

Der Platz wurde nach Azingers Geschmack gemäht

Weil so viel auf einen weiteren Erfolg der Profis aus England (Westwood, Rose, Oliver Wilson, Poulter und Casey), Spanien (Garcia und Jiménez), Schweden (Stenson und Karlsson), Irland (Harrington), Nordirland (McDowell) und Dänemark (Sören Hansen) hindeutet, ist Azinger ganz neue Wege gegangen. 18 Monate lang hat er intensiv mit Mark Wilson, dem Superintendent, wie der Chef-Greenkeeper in den Staaten heißt, des Valhalla Golf Club zusammengearbeitet, um den Platz so vorzubereiten, dass sein Team im Vorteil ist.

„Mittlerweile sind wir sehr gute Freunde. Mark würde sogar das ganze Rough auf Fairwayhöhe mähen, wenn ich ihn darum bitte“, beschreibt Azinger die innige Beziehung zum obersten Platzpfleger. Ganz so radikal ist Wilson dann doch nicht vorgegangen, doch er hat den von Jack Nicklaus entworfenen Platz so gemäht, dass Azinger seine Mannen im Vorteil wähnt.

Das Semi-Rough ist kaum höher als die Fairways

Der schmale Streifen am Rande der Spielbahnen (Semi-Rough) ist kaum höher als die Fairways, es heißt schon scherzhaft „Azinger Cut“. Auch das Rough, das bei der PGA Championship im Jahre 2000 auf diesem Platz (Sieger Tiger Woods) noch 13 Zentimeter tief war, wurde auf eine Länge von 7,5 bis 9 Zentimeter gestutzt. Dazu wurden die Landezonen rund um die 270-Meter-Marke von den Abschlägen erweitert.

„Ich will nicht, dass unseren Jungs Handschellen angelegt werden“, begründet Azinger seinen persönlichen Zuschnitt. Denn der 48 Jahre alte Kapitän glaubt, dass seine Spieler gegenüber den Europäern einen Längenvorteil haben, den diese beim letzten Mal dadurch ausglichen, dass sie mit hohem Rough und enger Landezone die Golfer aus den Vereinigten Staaten zwangen, sich zu zügeln.

Harrington ist nicht geschreckt

Zweifellos haben die Amerikaner mit J. B. Holmes den Mann im Team, der laut Statistik der PGA Tour mit Abschlägen von 284 Metern im Schnitt die längsten Drives schlägt. Aber das schreckt Golfprofi Padraig Harrington nicht: „Paul Casey ist unser Längster, aber auch Garcia, Stenson und Karlsson erreichen eine Ballspeed von 180 Meilen in der Stunde.“

Diese „Ballspeed“, die Geschwindigkeit, mit welcher der Ball den Driverkopf verlässt, reicht, um den Ball in die breiten Landezonen des Valhalla Golf Club zu befördern. „Ich glaube nicht, dass man einen Platz für das eine oder andere Team vorteilhaft gestalten kann“, widerspricht Mickelson seinem Kapitän. Letztlich ist es beim Ryder Cup so wie bei jedem anderen Turnier: Wer die meisten Putts locht, gewinnt auch im Lochspiel - und das waren in den letzten Jahren die Europäer.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP, REUTERS

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