Ryder Cup

Ganz Kentucky wartet auf den Vierer

Von Wolfgang Scheffler, Louisville

Schon während des Trainings war das Interesse an den Golfern aus Kentucky (Foto: Kenny Perry) riesig

Schon während des Trainings war das Interesse an den Golfern aus Kentucky (Foto: Kenny Perry) riesig

19. September 2008 Kenny Perry und John B., besser bekannt als J. B. Holmes, haben die Trainingstage des Ryder Cups zu einem Werbefeldzug in eigener Sache gemacht: zwei Golfprofis, die 240 und 130 Kilometer von ihren Heimatorten entfernt beim Heimspiel in Louisville (siehe: Ryder Cup: Mit dem Rücken zur Wand und Muhammad Ali als Inspiration) gemeinsame Sache machen wollen. „Ich habe bei Paul Azinger das ganze Jahr darauf gedrängt, dass wir beide zusammen spielen“, sagt Perry. Und Holmes fügt an: „Ich würde unheimlich gern in den Vierern mit Kenny spielen.“ Kapitän Azinger schien nicht abgeneigt, den beiden diesen Wunsch zu erfüllen: „Ich habe darüber nachgedacht, was ich mit den beiden anfangen soll. Ich würde sie gerne am Freitag als ersten Vierer rausschicken, damit die Fans verrückt spielen.“

Geht es nach den Eindrücken der Trainingstage – am Dienstag und Mittwoch spielten die beiden Lokalhelden schon gemeinsam –, dann ist dies ein Plan, der aufgehen könnte. Denn das Gros der 40.000 Zuschauer, die sich jeden Tag auf der seit Monaten ausverkauften Anlage tummeln, begleitete diese beiden Spieler über die 18 Löcher im Valhalla Golf Club: „Es hat sich angefühlt, als ob ganz Kentucky mit uns geht. Ich habe so viele Autogramme gegeben, dass ich zwei Filzschreiber verbrauchte“, sagte Perry, der allein über hundert Karten für Fans aus seinem 8000 Einwohner zählenden Heimatort Franklin verteilte. „Er hat so viele Hände geschüttelt, dass ich dachte, er bewerbe sich um ein politisches Amt“, scherzte Mitspieler Holmes.

Begeisterungsstürme wegen der Abschläge

Holmes, nach seinem Landsmann Bubba Watson der Mann mit den längsten Abschlägen auf der PGA Tour, war als Autogrammschreiber und Händeschüttler nicht ganz so fleißig. Aber dafür demonstrierte der 26 Jahre alte Profi aus der 11.000 Einwohner zählenden Kleinstadt Campbellsville, wie er mit einem gewaltigen Hieb die Fans zu Begeisterungsstürmen hinreißen kann. Am 13. Loch schlug er den Ball aus 309 Meter Entfernung direkt auf das von Wasser vollständig umgebene Grün.

Im „Klassischen Vierer“, mit dem das Kräftemessen der besten amerikanischen und europäischen Golfprofis (siehe: Ryder Cup: Oliver Wilson - der junge Unbekannte) am Freitagmorgen beginnt und bei dem beide Spieler abwechselnd einen Ball schlagen (siehe: Ryder Cup: Im Klassischen Vierer oder im Vierball auf die Runde), wird Holmes einen solch riskanten Schlag sicherlich nicht wagen. Aber für den Bestball (gewertet wird das bessere Ergebnis eines Spielers) ist die direkte Route zum Inselgrün sicherlich eine taktische Variante, zumal das Loch für die Nachmittagsrunde auf bis zu 240 Meter verkürzt werden kann.

Dem Ryder Cup hat Diakon Perry alles untergeordnet

Solche Gewaltschläge sind nicht die Sache von Kenny Perry. Mit 48 Jahren steht der gottesfürchtige Mann, der in seiner Heimatgemeinde als Diakon wirkt, am Ende seiner Karriere auf der regulären PGA Tour und vor dem Sprung in die Champions Tour – aber es soll ein furioses Finale werden. Perry, der Anfang des Jahres nicht einmal unter den Top 100 der Weltrangliste geführt wurde, verkündete damals dennoch, dass es für ihn in diesem Jahr nur ein Ziel gebe: in seiner Heimat für sein Vaterland im Ryder Cup anzutreten. Diesem Ziel hat er alles untergeordnet. Er trat weder in der Qualifikation für die US Open noch bei den British Open an, was ihm viel Kritik eintrug.

Der Verzicht auf die Majors zahlt sich aus

Der Verzicht auf die Majors zahlte sich aus. Er gewann er innerhalb von wenigen Wochen im Juni und Juli drei Turniere und war damit einer der Ersten, die sich ihren Platz im amerikanischen Team sicherten. „Dieser Ryder Cup wird über meine Karriere entscheiden. Ich habe alles auf diese Karte gesetzt“, sagt Perry, aber es schwant ihm, welch hohes Risiko er eingeht: „Es kann auch ein Albtraum werden. Ich hoffe einfach nur, dass ich es genießen kann.“

Wie Perry, der mit seiner Schulfreundin aus der 8. Klasse der High School verheiratet ist, ist auch Holmes seiner Heimat eng verbunden, auch wenn er wie viele Golfprofis seit einem Jahr in Orlando in Florida lebt. Mittlerweile trägt ihm Brandon Parsons, ein ehemaliger Kamerad aus dem Golfteam seiner High School, die Golftasche.

Seit Sara dabei ist, hat Holmes wieder Erfolg

Im Gegensatz zu Perry, der lange brauchte, um sich bis auf die PGA Tour durchzuschlagen, war Holmes sofort Erfolg beschieden. Er gewann im ersten Versuch die Qualifikation für die PGA Tour (übrigens vor dem Deutschen Alexander Cejka) und benötigte gerade mal vier Turniere, ehe er 2006 seinen ersten Erfolg in Phoenix feierte. Im vorigen Jahr fiel er in ein tiefes Loch und verpasste den Cut in 11 seiner 24 Turniere: „Es ging alles so schnell. Es war schwer, sich an das neue Leben mit 30 Wochen auf Tour zu gewöhnen.“

Die Wende kam mit seiner Heirat. Seit ihn seine Frau Sara auf den Dienstreisen begleitet, ist er wieder erfolgreich. In diesem Frühjahr siegte er abermals in Phoenix – im Stechen gegen den Weltranglistenzweiten Phil Mickelson. Ins Team kam Holmes allerdings nur, weil ihm Azinger einen seiner vier Freiplätze gab. Denn Azinger, Perry und Holmes verbindet noch etwas: All drei hören auf den Rat eines Golflehrers, des erst 24 Jahre alten Matt Killen. Der Schulkamerad von Perrys Sohn Justin arbeitet – wie könnte es bei dieser Kentucky-Geschichte anders sein – in Franklin im Country Creek Golf Club, einem öffentlichen Platz, den Perry entwarf und finanzierte.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, REUTERS

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