27. März 2008 Sydney-Olympiasieger Robert Bartko erlebte ein Debakel, die Teamsprinter fuhren an der erhofften Medaille vorbei und der Bahn-Vierer verpasste sogar die Olympiaqualifikation. Der Hallensprecher im Velodrome von Manchester brachte es auf den Punkt: What a disaster for the Germans. Nur WM-Neuling Roger Kluge sprang in die Bresche. Der 22 Jahre alte Cottbuser holte sich im Scratch die WM-Bronzemedaille und bewahrte die deutschen Bahnradasse damit vor einem totalen Fehlstart.
Insbesondere Bartko hatte zuvor im Velodrome ein böses Erwachen erlebt. Der Potsdamer Erfolgsgarant stürzte in der 4000-Meter-Einerverfolgung auf den sechzehnten Platz ab, verpasste damit klar den Finaleinzug und auch das direkte Ticket für Peking. Das ist für mich der absolute Tiefpunkt. Ich habe mein Ziel, eine Medaille zu holen, nicht erreicht. Die Weltspitze ist innerhalb eines Jahres davongezogen, sagte Bartko, nachdem er in 4:25,14 Minuten meilenweit seinen alten Glanzzeiten hinterhergefahren ist.
Erstmals seit 1952 kein deutscher Vierer bei Olympia
Bartkos Debakel wurde perfekt, als er am Donnerstag auch mit dem Bahn-Vierer die Qualifikation für die Olympischen Spielen verpasste. Zusammen mit Henning Bommel, Daniel Becke und Patrick Gretsch wurde er mit dem Deutschland-Vierer in der 4000-Meter-Mannschaftsverfolgung trotz Saisonbestzeit von 4:06,941 Minuten nur Neunter. Schnellster in der Qualifikation war Dänemark in 3:57,734 Minuten. Wir sind momentan am Tiefpunkt, räumte Burckhard Bremer als Sportdirektor des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) ein.
Damit geht in Peking erstmals seit 1952 kein deutscher Vierer an den Start. Bartko erkannte: Es ist schon bitter, bei Olympia nicht dabei zu sein, schloss einen Rücktritt aber aus: Ich werde auf jeden Fall weitermachen. Als Sportler muss man auch mit Niederlagen umgehen. Nach Tiefen kommen auch wieder Höhen.
Quittung für Sechstagerennen
Weltmeister wurde wie im Vorjahr High-Road-Profi Bradley Wiggins. Der Brite besiegte im Finale in 4:18,52 Minuten den Niederländer Jenning Huizenga (4:23,47). Rang drei ging an den Russen Alexej Markow (4:21,10), der dem Neuseeländer Hayden Roulston (4:23,66) keine Chance ließ.
Damit erhielt Bartko auch die Quittung für sein Fehlen bei den Weltcups in Sydney und Los Angeles, wo er wichtige Punkte für die Olympia-Teilnahme hätte holen können. Der frühere Telekom-Profi hatte stattdessen die lukrativen Sechstagerennen bevorzugt und konnte dies auch bei seinen durchwachsenen Weltcup-Auftritten in Peking und Kopenhagen nicht mehr kompensieren. Ich muss mich natürlich auch selbstkritisch hinterfragen, räumte Bartko ein, und BDR-Sportdirektor Burckhard Bremer forderte: Nach der WM müssen wir eine Analyse machen.
Auch Teamsprinter verpassen eine Medaille
Knapper ging es bei den Teamsprintern zu. Im kleinen Finale zogen Rene Enders (Erfurt), Stefan Nimke (Schwerin) und Maximilian Levy (Cottbus) in 44,28 Sekunden gegen die Niederländer (43,72) den Kürzeren. WM-Gold ging an Titelverteidiger Frankreich (43,27), der Großbritannien (43,78) bezwang.
Dafür schaffte aber Kluge im Scratch den Sprung auf das Podest. Der WM-Neuling fuhr hinter dem Weißrussen Aleksander Lisuski und dem Niederländer Wim Stroetinga auf Platz drei. Kluge hatte jüngst schon mit dem Weltcup-Gesamtsieg im Scratch aufhorchen lassen. Allerdings gehört der Scratch-Wettbewerb nicht zum olympischen Programm.
Zwei Sperren wegen überhöhter Hämatokritwerte
Zuvor hatten die Titelkämpfe mit einem bitteren Beigeschmack begonnen. Beim früheren Mannschaftsverfolgungs-Weltmeister Robert Hayles war genauso wie beim Niederländer Pim Ligthart bei einem Bluttest ein überhöhter Hämatokritwert festgestellt worden. Beide Fahrer wurden daraufhin mit einer zweiwöchigen Schutzsperre belegt. Ein erhöhter Hämatokritwert kann, muss aber kein Hinweis auf Blutdoping sein.
Text: FAZ.NET mit sid
Bildmaterial: AFP, AP, dpa
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