05. Juli 2009 Cai-Göran Alexander Stubb ist finnischer Außenminister - und startet beim Frankfurter Ironman. Im Interview erzählt der ausdauernde Politiker, warum ihm das Eishockeyspiel aus der Jugend beim Ironman hilft und warum er nicht auf Hawaii starten will.
Sie sind finnischer Außenminister und starten an diesem Sonntag beim Frankfurter Ironman. Ist das der erste Langdistanz-Triathlon für Sie?
Ja, das ist das erste Mal. Ich habe bislang eine Mitteldistanz und ein paar olympische Distanzen hinter mich gebracht.
Welche Zeit haben Sie sich vorgenommen?
Weil ich Respekt vor der Distanz habe, erwarte ich keine bestimmte Zeit, sondern will einfach nur ankommen. Über eine Zeit von elf Stunden wäre ich glücklich, über zehneinhalb sehr glücklich, bei zehn Stunden sollten die Veranstalter einen Doping-Test bei mir machen.
Haben Sie Chancen auf einen Hawaii-Startplatz?
Ich habe das mit den Hawaii-Startplätzen in einer deutschen Zeitung gelesen. Ich will aber keinen Startplatz für die Weltmeisterschaft im Oktober. Bei der Anmeldung habe ich ein Kreuz bei Nein für Hawaii-Qualifikation gemacht. Meine Frau würde das nicht erlauben, und ich würde meine Glaubwürdigkeit im Job verlieren. Die Leute könnten denken, ich mache meine Arbeit nicht ernsthaft.
Wie viele Stunden trainieren Sie pro Woche?
Meine Philosophie ist: Eine Stunde Training am Tag gibt mir zwei Stunden mehr Energie im Job. Seit Neujahr trainiere ich etwa zehn Stunden die Woche, das habe ich die vergangenen zwei Wochen auf dreißig Stunden erhöht. Die langen Trainingseinheiten lege ich in die frühen Morgenstunden am Sonntag, damit das Familienleben nicht allzu stark gestört wird.
Wie sind Sie zum Triathlon gekommen?
Es fing vor eineinhalb Jahren mit einer Rückenverletzung an. Mein Physiotherapeut riet mir, ich sollte mehr schwimmen und Rad fahren, statt nur laufen zu gehen. Dann machte ich meine erste Triathlon-Mitteldistanz, es war das großartigste Sporterlebnis in meinem Leben, hundertmal besser als ein Marathon. Und so entschied ich mich vor etwa acht Monaten, die Langdistanz zu probieren.
Haben Sie eine Lieblingsdisziplin?
Am meisten mag ich Radfahren. Ich habe früher Eishockey gespielt, daher habe ich kräftige Beine.
Wie vertragen sich Arbeit und Training?
Das ist alles eine Frage des Zeitmanagements. Ich bin etwa ein Drittel des Jahres auf Reisen. Egal, wo ich bin, ich finde immer ein oder zwei Stunden am Tag für das Training. Meine Sekretärin ist wundervoll, sie organisiert meine sechs Tage die Woche mit jeweils einer Stunde Training am Tag. Meistens klappt das dann auch.
Beklagt sich Ihre Frau manchmal, dass Sie ein wenig zu oft unterwegs sind?
Meine Frau ist selbst sehr sportlich und läuft Halbmarathons. Sie hat deshalb Verständnis. Als ich ihr erzählte, dass ich gerne beim Ironman in Frankfurt starten würde und dass dies eine einmalige Erfahrung für mich sein würde, sagte sie: Ja, das wissen wir, und wir hoffen, sie wird einmalig sein.“ Ich schätze es sehr, dass meine Frau mit den Kindern nach Frankfurt mitgereist ist.
Werden Sie Bodyguards beim Rennen begleiten?
Wir reden darüber nicht mit der Presse.
Die Fragen stellte Iris Gutiérrez.
Text: F.A.S.
Bildmaterial: REUTERS