Deutsches Eishockey-Finale

Berlin wird Meister - ausgerechnet durch Buschs Tor

Von Hans-Joachim Leyenberg, Köln

20. April 2008 Ausgerechnet Florian Busch hat die deutsche Eishockey-Meisterschaft entschieden. Das Tor des Berliners in der achten Minute der Verlängerung zum 2:1 (0:0, 0:0, 1:1) bei den Kölner Haien bescherte den Eisbären aus der Hauptstadt den dritten Meistertitel in der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Der Stürmer Busch ist jener junge Mann, der durch eine erst verweigerte und dann nachgeholte Dopingkontrolle auffällig geworden ist. Am Sonntag stand er im Mittelpunkt der Gratulationen für ein Team, das sich in der Play-off-Finalserie mit 3:1 Siegen über die Rheinländer durchsetzte.

Vom Anpfiff weg machten die Berliner deutlich, dass sie hier und heute gewinnen wollten, ohne im Falle einer Niederlage auf den Heimvorteil im Wellblechpalast zu setzen. Die Partie vor 18.600 Zuschauern in der „Kölnarena“ war ein Musterbeispiel dafür, dass die Null auch für ein äußerst attraktives Spiel stehen kann. Die Berliner, als neuer Meister Nachfolger der Mannheimer Adler, wirkten über die gesamte Distanz eine Spur präsenter, stabiler und konsequenter als die Kölner, denen allerdings das erste Tor des Nachmittags gelang.

Robert Müller als schier unüberwindliches Bollwerk

Weil es zu fortgeschrittener Zeit - in der 43. Minute durch Sebastian Furchner - fiel, galt es vielen inmitten der Trefferarmut schon als das Tor des Tages. Die Kalkulation mit der Fortsetzung am Dienstag machte Verteidiger Deron Quint zunichte, der Nationaltorhüter Robert Müller bezwang, als noch 81 Sekunden zu spielen waren.

Aus und vorbei: Mirko Lüdemann von den Kölner Haien Meisterjubel auf fremden Eis Gratulation von Trainer zu Trainer: Kölns Doug Mason (r.) und Don Jackson Mit vollem Einsatz verteidigen die Kölner ihr Tor - es half nicht Die Entscheidung in Köln: Florian Busch trifft - Berlin ist Meister Gegensätze: Köln schleicht geschlagen vom Eis, Berlin jubelt über den Titel

Kurz zuvor, als die Uhr am Videowürfel die Schnapszahl von 18:18 Minuten des Schlussdrittels anzeigte, hatte der Berliner Trainer Don Jackson eine Auszeit genommen, um seine Profis auf den Schlussspurt einzuschwören. Konsequenterweise nahm er Torhüter Rob Zepp, der sich ebenso wie Robert Müller als schier unüberwindliches Bollwerk erwiesen hatte, zugunsten eines weiteren Feldspielers vom Eis. Das Rezept funktionierte.

Müller umkurvt Müller - und scheitert dennoch

Die Eisbären erwiesen sich schon in Berlin als Spezialisten der letzten Minuten, als ihnen am vergangenen Freitag 31 Sekunden vor der Schlusssirene der Treffer zum 4:3 glückte. Kaum hatte die Verlängerung am Sonntag begonnen, witterten die Zuschauer ein Happyend für Köln, als diese in der 63. Minute zum ersten Überzahlspiel überhaupt kamen.

Denis Pederson war auf die Strafbank verbannt worden. Berlin überstand die Situation, ohne groß in Verlegenheit gebracht zu werden. Wenig später kam es zum Duell Müller gegen Müller. Der Berliner Außenstürmer Richard Müller kurvte allein auf Robert Müller zu, ohne diesen überwinden zu können. Was Richard Müller nicht schaffte, holte Florian Busch nach. Kaum hatte dieser sich aus der Spielertraube befreit, sicherte er sich den Puck, der Müller ins Netz gegangen war.

Meister, wenn man gute deutsche Spieler hat“

Nicht erst im Finale überzeugten zwei Teams, die mit einer Intensität auf nahezu einem Level spielten, in dem letztlich Kleinigkeiten den Unterschied ausmachten. Nicht von ungefähr trennte Kölner und Berliner in ihren vier Finalspielen am Ende jeweils nur ein Treffer. Bundestrainer Uwe Krupp dürfte sich freuen, seine Nationalspieler, drei aus Köln, sieben aus Berlin, spätestens am Dienstag im Kreis der Nationalspieler begrüßen zu können, die für die WM in Kanada proben.

Der Titelgewinn für die Berliner ist letztlich auch die Bestätigung der These von Franz Reindl, Sportdirektor des Deutschen Eishockey-Bundes: „Früher wurde man deutscher Meister, wenn man gute Ausländer hatte. Heute wird man Meister, wenn man gute deutsche Spieler hat.“ Neben den Nationalspielern überzeugte vor allem der virtuos auftrumpfende Nathan Robinson.

Mit der Meisterschaft im Gepäck in eine neue Halle

Vielleicht trägt das Meisterstück ja dazu bei, die Eisbären mehr denn als Gesamt-Berliner Attraktion anzusehen. Am Sonntag skandierten die mitgereisten Fans wieder ihr „Dynamo, Dynamo“. Mit diesem Schlachtruf erinnern sie an Zeiten, als die Mauer noch stand und Dynamo Berlin, der Vorgänger der Eisbären, als vielfacher DDR-Meister grüßte. Noch am Sonntagabend trafen sich alle, die es in Berlin mit den Eisbären halten und sich dabei nicht vornehmlich genüsslich an Knut im Zoo erinnern, im Wellblechpalast.

Dorthin führte die Reise des neuen deutschen Meisters nach der Ankunft auf dem Flughafen. Im kommenden Jahr bekommen die Eisbären mit der 02 Arena eine neue, zeitgemäße Spielstätte. Erfolgreicher als in diesem Jahr allerdings werden sie dann nicht sein können, aber um Tausende von Zuschauern reicher.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

Rubriken
Blättern

Beinamputierter Sprinter

Pistorius verfehlt Olympianorm im ersten Versuch

 
Video in voller Größe
Aktuell keine Veranstaltungen

Schauen Sie bei der Tour de France noch zu?

Ergebnis
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche