27. Februar 2007 Er ist also unten angelangt, endgültig. Er sagt es ja selber, wenn er über seine Zukunft redet. Sie liegt da unten, so beschreibt es Jan Ullrich. In der zweiten Liga, soll das heißen, nicht mehr im ProTour-Zirkel, von dem er sich verabschiedet hat. Da unten kann ich noch helfen. Beim österreichischen Team Volksbank, das ihm eine neue Bühne bietet nach dem Rücktritt als Radprofi, das mit ihm werben möchte, obwohl Ullrich seine Vergangenheit noch nicht bewältigt hat. Die Österreicher vertrauen Ullrich jedoch, sie behaupten das jedenfalls.
Wenn er sagt, er hat nicht gedopt, muss man ihm glauben, sagt Michael Fruhmann, Sprecher des Teams Volksbank. Ullrich hat das so explizit freilich nie gesagt, er betonte nur, dass er niemanden betrogen habe. Auf alle Fälle: Das Team Volksbank steht zu ihm und zeigt sich verwundert darüber, wie in Deutschland der Fall behandelt wird. Was in Deutschland abgeht, findet Fruhmann, ist teilweise irritierend.
Ullrich will sich neu entdecken
Das Team Volksbank möchte sich in der zweiten Kategorie im Profiradsport nun etablieren - nicht zuletzt mit der Unterstützung des Beraters Ullrich, der Aufgaben auf sich zukommen sieht, wo ich mich neu entdecken kann. Schwärmerisch sagt Volksbank-Teammanager Thomas Kofler: Für Jan Ullrich ist das kein gewöhnlicher Job, sondern Passion. Kofler schreibt Ullrich Charisma zu, und er nennt ihn eine der schillerndsten und populärsten Persönlichkeiten der deutschsprachigen Sportwelt.
Seine Erfahrung soll dazu beitragen, dass der in Götzis beheimatete Rennstall die großen Ziele in kleinen, aber dynamischen Schritten verwirklichen kann. Dass es große Unruhe um das Team geben könnte durch die Verpflichtung Ullrichs, glauben die Verantwortlichen von Volksbank nicht. Er wird dem Team, so Fruhmann, keinen Schaden zufügen. Die finanziell offenbar gut ausgestattete Equipe, die unter anderem an der Tour de Suisse teilnehmen darf, verfügt über 17 Radrennfahrer; zu den bekanntesten Profis gehören Gerhard Trampusch und Gerrit Glomser, zwei Spezialisten für Rundfahrten.
Abstand genommen von Jaksche-Verpflichtung
Gerne hätte das Team nun auch den Deutschen Jörg Jaksche unter Vertrag genommen, doch die Verhandlungen mit dem Franken sind vorerst auf Eis gelegt - wegen des massiven Drucks, den Veranstalter wie jene der Deutschland-Tour auf Volksbank ausgeübt hatten. Die Deutschen hatten mit einem kategorischen Startverbot für das österreichische Team gedroht, sollte es sich mit Jaksche verbünden. Der Franke wird ebenfalls verdächtigt, mit dem spanischen Dopingnetzwerk in Verbindung gestanden zu haben.
Kofler lässt auch für Jaksche die Unschuldsvermutung gelten - und hebt hervor, generell massiv gegen Doping zu kämpfen. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, sagt der Ullrich-Fan, da sehen wir uns schon irgendwie als österreichisches Vorzeigeteam.
Text: F.A.Z., 28.02.2007, Nr. 50 / Seite 31
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