Mein Fitness-Kick

Sport kann so schön sein

Von Michael Horeni

10. April 2008 Der Urlaub ist vorbei und die Ergebnisse der Leistungstests stehen fest. Vor den Ferien hatten sich meine Fitness-Trainer dafür extra noch Verstärkung geholt. Nach gut sieben Monaten Training war in München mein erster Ausdauertest fällig. Dass es ernst wurde, merkte ich spätestens daran, dass auf einmal noch ein weiterer Experte dabei war.

Nach Oliver Schmidtlein und Shad Forsythe kümmerte sich für eine Viertelstunde auch noch Dr. Lutz Graumann um mich - eine Viertelstunde, die ich so schnell nicht vergessen werde. Nachdem zunächst die Omega-Wellen meine Defizite festgestellt hatten (Siehe: Mein Fitness-Kick: Zwei Wochen Osterurlaub mit Schlaf) und dann ein Stabilitätstest folgte, wartete Dr. Graumann an einem sehr modernen Laufband mit seltsamen Utensilien auf mich.

Der Doktor warnt vorher: „Am Ende wird es hart“

Dr. Graumann sieht sehr sportlich aus. Hager, durchtrainiert, Typ Marathon-Läufer. Normalerweise bringt Dr. Graumann, wenn er nicht gerade die Fitness von 43 Jahre alten Hobby-Sportlern für ein Viertelstündchen testet, die Bundeswehr auf Trab. Dr. Graumann ist Oberstabsarzt und Leiter des Dezernats „Gesundheitsvorsorge und Sport- und Einsatzmedizin“ in der Abteilung IV des Sanitätsamtes. Seine Dienststelle entwickelt Ernährungs- und Sportpläne, nach denen sich die Truppe in Form bringen und in Form halten soll.

Jetzt aber steht er am Laufband und hält eine Atemmaske für mich bereit. Die Plastikmaske ist durch einen Schlauch an ein weiteres Gerät angeschlossen, das wiederum mit einem Computer in Verbindung steht, der die Daten umgehend auswertet und nach denen dann zusätzliche Programme erstellt werden. Dr. Graumann begrüßt mich lächelnd. Aber er lässt keinen Zweifel, dass es mit meinem Lächeln bald vorbei sein wird. „Am Ende wird es hart“, sagt er.

Die ersten Minuten sind gemütlich, aber dann...

Der Testverlauf ist denkbar einfach. Die Laufgeschwindigkeit des Bandes wird immer weiter gesteigert, am Ende nimmt mit dem Tempo auch noch der Steigungswinkel zu. Es geht darum, zu beobachten, wie der Organismus auf die ansteigende Belastung reagiert. Je gleichmäßiger, desto besser.

Dr. Graumann zieht mir die Maske über das Gesicht und startet das Band. Die ersten Minuten sind gemütlich, dann zieht das Tempo an. acht Stundenkilometer, neun Stundenkilometer, zehn Stundenkilometer, elf Stundenkilometer. Allmählich nimmt auch der Steigungswinkel zu, meine Schritte werden schwerer.

Erst ein bisschen wanken, aber es war: „Excellent“

Zwölf Stundenkilometer. Die Steigung nimmt zu. „Lange Schritte machen,“, sagt Dr. Graumann, „das ist besser als hohe Frequenzen laufen.“ Ich bin sehr dankbar für den Hinweis, der Schweiß strömt. 13 Stundenkilometer, 14 Stundenkilometer. „Gleich ist es geschafft“, muntert Dr. Graumann mich auf. „Noch eine Minute.“ Das Tempo zieht noch mal an, die Steigung nimmt wieder zu. Ich mache die langen Schritte und zähle die Sekunden runter. Geschafft.

Der Oberstabsarzt wirkt zufrieden. Ich sehe das seinem Gesicht an. Fragen kann ich nicht. Dazu bin ich zu sehr außer Atem. Auf dem Computer kann man schnell das erste Ergebnis abrufen. Ich wanke ein bisschen, als ich dort lese: „Excellent“.

„Regeneratives Laufen“ - ein wunderbarer Plan

Den Steigerungslauf hätte ich für ein Alter wirklich sehr gut absolviert, sagt Dr. Graumann, alles im grünen Bereich. Aber Schwächen finden sich natürlich immer noch. Ich verkrafte die Belastungen nicht optimal. Meine Regenerationsfähigkeit lässt noch zu wünschen übrig. Aber erst einmal verschrieben mir der Oberstabsarzt und Oliver Schmidtlein für den Urlaub „regeneratives Laufen“, also gemütliches Joggen.

Ein wunderbarer Plan, wie sich herausstellen sollte. Das Wetter im Portugal-Urlaub war nämlich phantastisch, 25 Grad, Sonne, fast wie im Sommer. Sonnenbrille statt Atemmaske. Aus dem regenerativen Laufen wurden herrliche Strandläufe. Barfuss. Im Sand. Am Meer. In der Sonne. Sport kann so schön sein.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: F.A.Z. - Wonge Bergmann

 

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