Von Hans-Joachim Leyenberg
13. Mai 2008 Natürlich hat man sich die Eishockey-Weltmeisterschaft im deutschen Lager erbaulicher vorgestellt. Dieses Gefühl teilen die Profis mit Generationen vor ihnen, die in den Nationalfarben versucht haben, die Eishockey-Welt aus den Angeln zu heben. Fast immer ist es beim redlichen, vergeblichen Bemühen geblieben. Ohne einen Gang aufs Podium bei der Siegerehrung.
Wir haben den Kopf gerade noch mal aus der Schlinge gezogen, hat Routinier Andreas Renz nach der Abschiedsvorstellung von dieser WM gesagt. Nun wird im zivilen Deutschland niemand um einen Kopf kleiner gemacht, wenn es wieder mal nicht geklappt hat mit dem Erreichen des WM-Viertelfinales, zumal im Eishockey. Aber Zuwachsraten an positiver Resonanz, die auf der Agenda jedes Verbandes stehen, sind so nicht zu erzielen. Es ist beim Erreichen des bescheidenen Minimalziels, dem Klassenverbleib, geblieben.
Ein verlorenes Jahr für die DEB-Auswahl
An diesem Mittwoch, wenn in Halifax und Quebec die Viertelfinalspiele Kanada - Norwegen, Finnland - Vereinigte Staaten, Russland - Schweiz und Schweden - Tschechien steigen, befindet sich die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) auf dem Rückflug in die alte Welt. Ein verlorenes Jahr für die deutsche Nationalmannschaft, die im kommenden Mai in der Schweiz wieder antreten wird, etwas für ihr Renommee zu tun.
Nur den jetzt in Kanada verbliebenen Teams bleibt die Möglichkeit, Träume zu realisieren, offene Rechnungen zu begleichen. Kanada, das Mutterland des Eishockeys, will vor allem dem eigenen Publikum zeigen, dass das mühselige 2:1 in der Vorrunde über Norwegen ein einmaliger Ausrutscher war. Auf ein zweistelliges Ergebnis gegen den Eishockey-David darf getrost gewettet werden.
Die Amerikaner sinnen auf Revanche
Und die Amerikaner aus den Staaten sinnen auf Revanche für das Phantomtor, das sie in der Zwischenrunde gegen Finnland aus der Bahn warf. Der Puck hatte seinen Weg von außen durch das Tornetz gefunden. Nach dem Studium von Fernsehbildern entschieden die Schiedsrichter auf Tor. Selbst der Videorichter in seinem Adlerhorst unter dem Dach verzichtete auf die Korrektur der Fehleinschätzung auf dem Eis. Für ihn war damit die WM vorbei, er wurde wenige Stunden später seines Postens enthoben.
Das Tor hätte keinen Bestand haben dürfen, teilte der Weltverband in der Diktion einer Behörde mit. Bisher habe ich nur von dieser Art der Horrorshow gehört, polterte der amerikanische Trainer John Tortorella, jetzt war ich live dabei. Das fortan vorherrschende Reizklima auf dem Eis summierte sich zu 202 Strafminuten. Mit verbissenen Duellen, die an die Intensität der Zweikämpfe in der National Hockey League erinnerten. Dafür sind wir hier. Wir kommen nicht, um 10:1 zu gewinnen, du suchst die Herausforderung, gab der kanadische Torhüter Pascal Leclaire seine Sicht der Dinge wider, die er mit allen Eishockeyspielern teilt, die etwas auf sich halten. Es war zugleich eine Spitze gegen die Germans, die er stärker eingeschätzt hatte. Kein Widerspruch.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa
Jürgen versus Jürgen: Animator Klopp, Buddha ![]()
Reaktionen auf die Entscheidung: Untergang am Samstag um 15.30 Uhr
TV-Fußball: Gewinn für die Fans
Sollte im TV mehr Randsport gezeigt werden?
