Mein Fitness-Kick

„Ohne Fitness ist alles nichts“

Von Michael Horeni

13. Februar 2008 Vor der Fußball-Weltmeisterschaft hat Joachim Löw einen schönen Satz gesagt, den ich seiner ganzen Bedeutung erst verstanden habe, als ich in dieser Woche von einer Studie aus Harvard hörte. Der Bundestrainer sagte damals: „Fitness ist nicht alles - aber ohne Fitness ist alles nichts.“

Diese wie in Stein gemeißelte Botschaft hatte ich zunächst natürlich nur auf die herausragende Bedeutung des körperlichen Zustands der Nationalspieler für die Weltmeisterschaft bezogen. Und die enormen Fortschritte, die dann im Sommer 2006 zu bestaunen waren, hatten ja überhaupt erst der Grund, weshalb ich die Fitness-Trainer Oliver Schmidtlein und Shad Forsythe der Nationalmannschaft darum bat, ihre Qualitäten nicht nur an der Elite des deutschen Fußballs zu beweisen, sondern auch mal zu mir in die Niederungen des unsportlichen Fußvolks hinab zu steigen.

Ich werde deswegen 90 Jahre alt

Ich trainiere zwar seither auch, um wie die Nationalspieler in diesem Sommer in Bestform zu sein, aber was Fitness auf lange Sicht tatsächlich bedeutet, ist mir nun dank der Untersuchung eines Forscherteams am „Brigham and Women's Hospital“ von Harvard so konkret wie nie zuvor klar geworden: Ich werde deswegen - die Rentenversicherung sei gewarnt - 90 Jahre alt.

Nun ja, um genau zu sein, liegt die Chance jetzt zumindest bei über fünfzig Prozent. Die Forscher haben nämlich fünf Faktoren identifiziert, die bei Männern die Chancen auf ein langes Leben erhöhen. Und Sport gehört eindeutig dazu. Ich muss jetzt einfach nur noch 48 Jahre mit meinem Fitnessprogramm durchhalten, dann sieht es wunderbar für mich aus.

Auf Lebenszeit gibt´s vielleicht Rabatt

Denn die Wissenschaft sagt klipp und klar: Wer mit siebzig nicht raucht (was ich nicht tue), sich nicht mit Übergewicht plagt (diese Phase liegt seit drei Monaten hinter mir), weder unter Bluthochdruck noch Diabetes leidet (davon bin ich bisher glücklicherweise verschont) und sich zudem regelmäßig intensiv bewegt (was ich nun seit über einem halben Jahr von mir behaupten kann) wird mit einer Wahrscheinlichkeit von exakt 54 Prozent 90 Jahre alt!

Und gleichzeitig erhöht ein bewegungsfreudiger Lebensstil auch die Aussichten erheblich, sich auch im fortgeschrittenen Alter geistig und körperlich fit zu fühlen. Besorgt werde ich dann im Jahr 2035, wenn ich wieder ganz locker meine „korrigierenden Übungen“, mein halbstündiges Cardioprogramm und mein Krafttraining hinter mich gebracht habe, auf meine gleichaltrigen siebzigjährigen Zeitgenossen blicken.

Vor allem wenn es sich um unsportliche Raucher mit Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes handelt. Ihre Chance, die neunzig zu erreichen, liegen nur bei mickrigen vier Prozent. Ich bin heute sehr beschwingt in meinen Fitness-Studio. Ich denke nun darüber nach, meinen Vertrag vorzeitig zu verlängern. Wenn ich auf Lebenszeit abschließe, gibt's vielleicht Rabatt.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: ddp, dpa

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