Tennis

Vereinigte Staaten sichern sich den Davis-Cup

02. Dezember 2007 Die Tennisprofis von Rekordsieger Vereinigte Staaten haben ihre längste Durststrecke beendet und nach zwölf Jahren Titel-Flaute den Davis-Cup zurückerobert. 12.000 Fans tanzten jubelnd auf den Stühlen, während sich die Spieler auf dem Hartplatz in den Armen lagen und mit der amerikanische Flagge eine Ehrenrunde drehten.

Schon nach dem Doppel hatten sie den Kampf im „Memorial Coliseum“ von Portland im Bundesstaat Oregon am Samstag (Ortszeit) für sich entschieden und Titelverteidiger Russland vom Thron gestoßen. Den Sieg bringenden dritten Punkt holten Mike und Bob Bryan, die sich im Doppel mit 7:6 (7:4), 6:4, 6:2 gegen Nikolai Dawidenko/Igor Andrejew durchsetzten. Andy Roddick gegen Dimitri Tursunow und James Blake gegen Michael Juschni hatten tags zuvor schon den Grundstein für den 32. Rekordsieg gestellt.

„Der Sieg war auch der Verdienst der Zuschauer“

„Von diesem Moment haben wir geträumt, seitdem wir zwei Jahre alt sind. Dafür haben wir unser ganzes Leben gearbeitet“, sagte Mike Bryan, nachdem er mit seinem Zwillingsbruder den entscheidenden Matchball verwandelt hatte. Noch vor einem Monat war der zwei Minuten jüngere der Bryan-Brüder am Boden zerstört gewesen. Seine Ellenbogen-Verletzung hatte den Start des weltbesten Doppels beim Masters Cup in Schanghai verhindert und auch die Teilnahme am Daviscup-Finale schien kaum möglich zu sein.

Nur zu verständlich war deshalb, was ihm nach dem alles entscheidenden Sieg durch den Kopf ging: „Es gibt keine Worte, die das ausdrücken, was ich jetzt gerade empfinde.“ Vom schönsten Erfolg seines Tennis-Lebens sprach auch sein Bruder Bob. Und auch er bedankte sich bei den fantastischen Fans, die die 12.000 Zuschauer fassende Halle in ein Tollhaus verwandelt hatten. „Sie haben uns unglaublich gepuscht. Der Sieg war auch ihr Verdienst, denn Dawidenko und Andrejew haben stark gespielt.“

„Es gibt keinen schöneren Moment als jetzt“

Von der durch die Fans entfachte Begeisterungswelle fühlte sich auch Andy Roddick („Ein ganz großer Moment“) im ersten Match des Finals getragen. „Sie waren einfach große Klasse“, meinte der Topstar im Team von Patrick McEnroe. Wie beim 4:1 im Halbfinale in Schweden zeigte der in wichtigen Momenten oftmals schwächelnde Weltranglisten-Sechste diesmal Nervenstärke und Klasse.

Das bekam Tursunow bei Roddicks 6:4, 6:4, 6:2 im ersten Match des Finals zu spüren. „Mein Wortschatz reicht nicht aus, um die richtigen Worte zu finden. Es gibt keinen schöneren Moment als jetzt“, sagte James Blake, der in einem Tiebreak-Krimi Juschni mit 6:3, 7:6 (7:4), 6:7 (3:7), 7:6 (7:3) bezwang. Auch in der Stunde des Sieges zeigte Blake seinen außergewöhnlichen Charakter: „Ich bin so stolz, ein Mitglied dieser Mannschaft zu sein und damit meine ich nicht nur die Spieler, die auf dem Feld standen, sondern auch unseren Kapitän Patrick McEnroe und die Ersatzspieler Mardy Fish und Robby Gineprie.“

„Die Spieler haben den Traum wahr gemacht“

Für den kleinen Bruder des im Tennissport meist die Lorbeeren einheimsenden John McEnroe war der erste Sieg eines amerikanischen Teams seit 1995 ein besonderer Triumph. Zwölf Jahre nach dem letzten Sieg von Pete Sampras, Jim Courier & Co. auf rotem Sand in Moskau schaffte Patrick McEnroe, was „Big Mac“ nie gelungen war.

Tennis-Rüpel John McEnroe hatte den Pokal als Spieler zwar fünf Mal geholt, als Team- Kapitän war er aber erfolglos geblieben und nach einem Amtsjahr 2000 lautlos zurückgetreten. Bruder Patrick zeigte ihm nun, wie es geht, und ließ seine „Jungs“ hochleben: „Sie haben den Traum wahr gemacht, dafür haben wir sieben Jahre lang gearbeitet. Es war ein langer Weg.“



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa

 
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