25. Mai 2007 Wie mag das Gewissen der diversen Dopingbekenner sich nun anfühlen? Leichter? Über irgendwelche Restmengen von Sünden ist vorerst nichts bekannt, aber: Das kann ja noch kommen. Vielleicht stellen sich in den nächsten Tagen ja noch ein paar weitere Details über die Leistungsmanipulierer im Profiradsport heraus, zum Beispiel an diesem Freitag in Kopenhagen, wenn der dänische Tour-Sieger von 1996 und heutige CSC-Teamchef Bjarne Riis seine eigene Pressekonferenz abhält. Der Mann war ebenfalls Telekomprofi und ist des exzessiven Epo-Konsums verdächtig.
Wer weiß, vielleicht müssen die Herren Henn, Bölts, Aldag und Zabel dann ja noch einmal in den Beichtstuhl, weil sie etwas Dringendes drückt, das sich plötzlich nicht mehr unter den Teppich kehren lässt. Immer nur zugeben, was man nicht mehr leugnen kann – das ist zur Zeit das Motto in den Bekenner-Pelotons. Als Erster hat der Italiener Ivan Basso auf diese Weise versucht, sich dem massiven Dopingvorwurf zu entziehen und auf Dopingversuch umzupolen. Doch er hat natürlich nicht das Copyright, diese Taktik kennt jeder Lehrer und natürlich auch jede Polizeidienststelle. (Siehe auch: FAZ.NET-Sonderseite Doping)
Zaubertrank für Luft, Kopf und Bein
Es ist zu vermuten: Sie alle wissen mehr. So sympathisch die Auftritte der beiden Bonner Profis auch waren: Wenn solche alten Zweiradfüchse ihr Wissen preisgeben, müsste man eigentlich auch etwas über den Gebrauch weiterer Dopingsubstanzen erfahren, über Wege, Tests zu verfälschen oder zu umgehen, über die Dinge, die nach dem Bekennerzeitraum in den neunziger Jahren geschahen. Immerhin erklärte Aldag, er habe im Jahr 2002 als alternder Sportler ein Päckchen mit angeblichem Epo übers Internet bestellt und auch bekommen. Die Substanz steckte in einer länglichen Hülle für Augentropfen und stimmte ihn misstrauisch. Doch selbst Zabel schluckte Pfleger d’Honts Zaubertrank für Luft, Kopf und Beine, ohne zu wissen, was er enthält. Er wusste nur, dass er damit ungeschoren durch die Dopingtests kommen würde.
Was müsste jetzt folgen? Ein wirklich reuiger Sünder fragt nicht als Erstes nach einer Amnestie als Gegenleistung für Geständnisse. Er bekennt seine Taten, macht deutlich, dass er sie bereut, und nimmt bereitwillig die Strafe an. Doping ist schlecht“, sagte Aldag, und Lügen ist schlecht“. Aber man kann seine Vergangenheit nicht, wie Zabel sich das wünscht, einfach an der Garderobe abgeben und in einem sauberen Trikot weiterradeln. So sympathisch er das auch formuliert hat. Und so ernst es ihm war.
Wer sich seit Jahren schier aussichtslos im Antidopingkampf engagiert hat, wer dafür als Miesepeter und Spielverderber ausgebuht wurde, während gleichzeitig andere mit Hilfe von Pharmamissbrauch im Sport eine Menge Geld verdient haben, der ruft nun nach tätiger Reue. Wie wäre es mit einer Wiedergutmachungszahlung aus dem einstigen Preisgeldtopf? Mit Bekennerhonoraren vom Fernsehen als Spende für den Antidopingkampf? Der Radsport braucht Hilfe, sagen die Beteiligten. Die Antidoping-Agenturen und Präventionsinitiativen, die den Radsport vor sich selbst retten und Talente vor verderblichen Verlockungen bewahren sollen, auch.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.-Mohr