04. Mai 2008 Titelverteidiger THW Kiel greift nach einem Glanzstück erneut nach Europas Handball-Krone. Bei der Ciudad Real gewannen die Kieler im Final-Hinspiel der Champions League 29:27 (14:13) und haben damit beste Chancen, im Rückspiel am kommenden Sonntag (18.00 Uhr/ Live bei Eurosport und im FAZ.NET-Liveticker) in eigener Halle den Vorjahreserfolg zu wiederholen. Zuletzt war dem FC Barcelona 2000 die erfolgreiche Titelverteidigung in der Königsklasse gelungen.
In einem hitzigen und harten Duell vor 6000 frenetischen Zuschauern in der Quichote-Arena war der überragende Nikola Karabatic mit neun Toren bester Werfer für die Kieler im Duell mit der teuersten Mannschaft der Welt. Dem THW, der mit 6,5 Millionen Euro etwa den halben Etat der Spanier aufbringen kann, winken bei der erfolgreichen Titelverteidigung rund 600.000 Euro Preisgeld und zum zweiten Mal nach 2007 das Triple aus Pokal, Champions League und Meisterschaft, in der den Kielern der Titelgewinn kaum mehr zu nehmen ist.
Kiel entschlossener als Ciudad, die Torhüter überragend
Im 54. Pflichtspiel der Saison spielte die Mannschaft von Trainer Noka Serdarusic von Beginn an hochkonzentriert. Mit der 3:1-Führung nach drei Minuten erwischten die Kieler einen Blitzstart, mussten allerdings auch eine erste Schrecksekunde überstehen: Weltmeister Dominik Klein ging nach einem Schlag von Didier Dinart zu Boden und musste mit blutendem Gesicht das Feld verlassen.
Ohnehin lieferten sich die Teams einen Kampf auf Biegen und Brechen, viele Unterbrechungen prägten die Partie. Doch mit schnellem Spiel und einem klugen Regisseur Stefan Lövgren kontrollierten die Kieler Gegner und Spiel weitgehend. Zudem wirkten die Zebras entschlossener als das Starensemble von Real. Allerdings scheiterten die THW-Asse im gesamten Spiel immer wieder am früheren Welthandballer Arpad Sterbik im Tor der Spanier und verpassten so eine höhere Führung. Erst als Nikola Karabatic nach einem Zusammenprall vorübergehend vom Platz musste (37.), schien der Faden beim THW etwas gerissen.
Ein Finale der Favoriten
In dieser Phase hielt vor allem der zuvor schwache Torhüter Thierry Omeyer seine Mannschaft mit glanzenden Paraden im Spiel. Auf der Gegenseite war aber auch Sterbik weiter nur schwer zu überwinden. Mit der Rückkehr von Karabatic kehrte bei den Kielern die Überlegenheit zurück, Omeyer wurde immer stärker und vier Minuten vor dem Ende betrug der Vorsprung erstmals drei Tore.
Schon vor der Saison waren der THW und Ciudad als große Favoriten auf den Champions-League-Triumph gehandelt worden. Insgesamt 43 internationale und nationale Titel haben die Teams gewonnen, Ciudad war 2006 Vorgänger der Kieler als Champions-League-Gewinner. Im Europapokal war es zuvor allerdings noch nie zum Duell der beiden Top-Teams gekommen.
Nordhorn siegt gegen Kopenhagen
Auch die HSG Nordhorn hat sich im ersten Finale um den EHF-Pokal ein kleines Polster für das Rückspiel in einer Woche beim FC Kopenhagen verschafft. Der Handball-Bundesligaklub überzeugte beim 31:27 (15:15)-Erfolg am Sonntag durch eine Leistungssteigerung nach der Halbzeit. Der Vier-Tore-Vorsprung ist aber kein sicherer Vorsprung für das Team um Weltmeister Holger Glandorf, der vor 4200 Fans im Euregium mit acht Toren bester Nordhorner Werfer war.
In einer umkämpften Begegnung mit vielen Fouls und Nickligkeiten waren die Dänen bis 15 Minuten vor dem Abpfiff ein ebenbürtiger Gegner. Nach einem Nordhorner Blitzstart (5:2/4.) schlichen sich Fehler in das Abwehrspiel der Niedersachsen. Zudem brachten mehrere Zeitstrafen das Team von HSG-Trainer Ola Lindgren aus dem Konzept. Kopenhagen ging nach 18 Minuten mit 11:10 erstmals in Führung und hielt danach dank der Glanzparaden von Torhüter Steinar Ege gut mit.
Nach der Pause verschaffte sich Nordhorn etwas Luft (25:21/46.) und lag drei Minuten vor Ende gar erstmals mit sechs Toren vorn. Wir haben in der zweiten Halbzeit mehr Gas gegeben. Einige Sachen müssen wir besser machen, aber wir können auch in Kopenhagen gewinnen, so Lindgren. Bester Werfer der Dänen war Christensen (5/4).
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, dpa, imago sportfotodienst
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