Von Wolfgang Scheffler, Fürth
22. April 2007 Das Fazit von Anna-Lena Grönefeld gilt auch für das deutsche Fed-Cup-Team: Es hätte in dieser Woche nicht besser laufen können.“ Die 21-jährige Nordhornerin genoss nach drei sieglosen Monaten erstmals wieder das Gefühl, den Platz als Gewinnerin zu verlassen – und das gleich zweimal. Nach dem qualvollen Zittersieg (3:6, 6:3, 7:5) am Samstag gegen Ivana Lisjak steigerte sich die junge Tennisspielerin aus dem Emsland gewaltig.
Am Sonntag fertigte sie die kroatische Spitzenspielerin Jelena Kostanic Tosic in 62 Minuten 6:4 und 6:3 ab. Endlich wieder einmal ein souveränes Match, eines, das ich nicht nach Hause zittern musste, eines, bei dem ich nicht wie gestern am Ende einen Eisenarm bekommen habe“, freute sie sich über den dritten Sieg und die bisher mit Abstand beste Vorstellung in ihrem persönlichen Krisenjahr 2007.
Tatjana Malek rechtfertigte ihre Nominierung
Mit ihrem Leistungssprung über Nacht, nach eigener Einschätzung von 30 auf 60 Prozent ihres Potentials, legte sie den Grundstein zum Erfolg gegen Kroatien. Sie gab mit ihren beiden Einzelsiegen Teamchefin Barbara Rittner recht, die am Abend vor der Auslosung entschieden hatte, Anna-Lena Grönefeld nach ihrer Turnierpause von sieben Wochen nicht wie ursprünglich geplant nur im Doppel, sondern auch im Einzel aufzubieten. Und sie legte mit ihren beiden Erfolgen den Grundstein zum deutschen Sieg in dieser Partie der Weltgruppe II gegen Kroatien. Denn nach Anna-Lena Grönefelds ungefährdetem Sieg bot auch Tatjana Malek eine eindrucksvolle Vorstellung. Die 19-jährige Bad Saulgauerin, die vor einem Jahr den einzigen Punkt bei der 1:4-Niederlage gegen China verbucht hatte, wurde von Barbara Rittner am Schlusstag aufgeboten. Denn Sandra Klösel hatte am Samstag bei ihrer glatten 3:6-, 1:6-Niederlage gegen Jelena Kostanic Tosic arg enttäuscht.
Tatjana Malek rechtfertigte ihre Nominierung eindrucksvoll und besiegte Ivana Lisjak in nur 62 Minuten sicher 6:2 und 6:3. So hatte der Sieg im abschließende Doppel zwischen ihr sowie ihrer Darmstädter Partnerin Andrea Petkovic und Jelena Kostanic Tosic und Sanja Ancic (6:3, 6:7 (7:9) und 6:3) nur noch statistische Bedeutung. Die Auswahl des Deutschen Tennis-Bundes spielt nun im Juli vermutlich gegen einen der vier Verlierer aus der Weltgruppe I, entweder Belgien, China, Japan oder Spanien, oder einen der anderen drei Sieger der Weltgruppe II um den Aufstieg in die acht Teams umfassende erste Liga dieser inoffiziellen Damen-Mannschaftsweltmeisterschaft.
Befreiungsschlag für Grönefeld
Vor allem Anna-Lena Grönefeld freut sich auf ein Wiedersehen mit ihren Mannschaftskameradinnen. Denn die Woche in Fürth kam für die in diesem Jahr durch ihre Gewichtsprobleme und die Niederlagenserie so arg gebeutelte einstige Vorzeigefrau des deutschen Tennis einem Kuraufenthalt gleich. Erstmals beanspruchte sie im Team keine Sonderrolle, war voll und ganz integriert, gab sich locker, scherzte und lachte mit ihren vier Kolleginnen. Die feuerten sie von der Spielerbank aus mit Andrea Petkovic als Cheerleader ebenso stürmisch an wie die 1400 Zuschauer auf den nur zur Hälfte besetzten Stahlrohrtribünen rund um den Centre Court auf der Anlage des TV Fürth 1860. Die Unterstützung trug sie gegen Ivana Lisjak, als 154. der Weltrangliste wahrlich keine Könnerin, trotz vieler leichter Fehler und trotz ihrer augenscheinlichen Unbeweglichkeit zum Erfolg. Aber während das Match am Samstag unter die Kategorie Not besiegt Elend“ fiel, nutzte sie am Sonntag ihr überlegenes Schlagrepertoire zum dritten Sieg im dritten Duell gegen Jelena Kostanic Tosic, die in der Weltrangliste auf Platz 82 geführt wird.
Vor einem Jahr hätte jeder einen solch glatten Erfolg gegen sie für normal gehalten“, sagte Anna-Lena Grönefeld. Aber durch die Vorgeschichte kam er an diesem sonnigen Tag in Franken einem Befreiungsschlag gleich. Am Samstag hatte ihr rechter Schlagarm in den entscheidenden Phasen noch gezittert, sie produzierte 16 Doppelfehler, davon allein vier, als sie im dritten Satz beim Stand von 5:4 zum Matchgewinn aufschlug. Am Sonntag stand eine andere Anna-Lena Grönefeld auf dem Platz. Diesmal nutzte sie ihre überlegene Aufschlagkraft und überließ der kroatischen Linkshänderin bei ihrem ersten Service nur ganze zwei Punkte. Dazu reduzierte sie ihre Doppelfehler auf fünf. Es hängt viel vom Kopf ab“, sagte Anna-Lena Grönefeld.
In Fürth wuchs bei ihr die Erkenntnis, dass sie auch ohne ihren langjährigen Trainer, den spanischen Schleifer Rafael Font de Mora, Matches gewinnen kann. Ich bin jetzt selbständiger auf dem Platz und muss nicht mehr von außen geleitet werden.“ Was jetzt noch fehlt: an der Fitness und Beweglichkeit arbeiten und mindestens zehn Kilo abnehmen. Dann, so ist der neue Coach Dirk Dier überzeugt, kann das nächste große Ziel angegangen werden: ein Platz unter den Top Ten der Weltrangliste.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, dpa