Sportwetten-Gipfel

Fußball gegen den Rest des Sports

22. August 2006 Beim „Sportwetten-Gipfel“ des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) mit Vertretern des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der übrigen Spitzenverbände und der Landessportbünde (LSB) wird an diesem Dienstag in Frankfurt nach einer gemeinsamen Position des Sports gesucht. Es geht um viel Geld.

Der Fußball will zusätzliche Finanzquellen erschließen, die anderen wollen den Betrag von zuletzt über 500 Millionen Euro sichern, der dem Sport jährlich aus Lotterie- und Wettspielerlösen des Staates (Lotto, Toto, Glücksspirale, Oddset) zufließen. Verteilt werden diese Erlöse nach Mitgliederzahlen an die Landessportbünde. Diese leiten das Geld ebenso wieder nach Mitgliederzahlen an die Sportfachverbände weiter.

Bach auf dem Prüfstand

„Die Suche nach einer gemeinsamen Position ist die erste große Belastungsprobe für den DOSB und vergleichbar der Diskussion über eine gemeinsame Linie im Kampf gegen Doping“, sagt LSB-Sprecher Ekkehard Wienholtz (Schleswig-Holstein). Thomas Bach sei beim Spitzengespräch „als Moderator in besonderer Weise gefordert“. Unter Leitung des DOSB-Präsidenten sollen die gegensätzlichen Lösungsvorschläge von Profiligen und organisiertem Breitensport zur künftigen Gestaltung des Sportwettenrechts koordiniert werden.

Die Ministerpräsidenten der Länder beschlossen im Juni, das staatliche Wettmonopol von 2007 an auf weitere vier Jahre festzuschreiben. In diesem Zusammenhang steht das juristisch umstrittene, nicht in allen Ländern einheitlich gehandhabte Betätigungsverbot für den privaten Anbieter und Oddset-Konkurrenten „betandwin" - der private Sportwettenanbieter hat inzwischen beim Verwaltungsgericht Dresden fristgerecht Widerspruch gegen das von Sachsen verfügte Gewerbeverbot eingelegt. Die Länderchefs wollen zur Sicherung des Monopols die Kriterien des Bundesverfassungsgerichtes vom 28. März strikt befolgen. Das heißt unter anderem: keine Werbung mehr für Sportwetten.

Fußball-Vertreter wollen Monopol aufweichen

Vor allem DFB und die Deutsche Fußball-Liga, unterstützt von einigen anderen Profiligen (Handball, Basketball, Eishockey), setzen auf eine Liberalisierung des Marktes. So würden attraktive Sponsorenquellen nicht versiegen, dem Fußball würde sich im Idealfall sogar die Chance eröffnen, selbst eine Sportwette anzubieten. „Ich wünsche mir, daß neben Oddset Anbieter zugelassen werden, die unter klaren gesetzlichen Auflagen und Steuerbelastungen einen Wettbewerb austragen können", so DFB-Präsident Theo Zwanziger. „Wir wollen keine zügellosen Wettveranstaltungen, weil wir sowohl der Suchtbekämpfung als auch den Gefahren der Manipulation des Sportbetriebs vorbeugen müssen."

Christa Thiel, Präsidentin des Deutschen Schwimm-Verbandes und Sprecherin der Spitzenverbände, stellt fest: „Der Sport ist auf die Mittel aus den staatlichen Lotto- und Toto-Mitteln existentiell angewiesen." Für einen Kompromiß müßten aber beide Seiten Grundsatzpositionen verlassen. Während Straub und seine Fußball-Kollegen hoffen, die Politik noch umstimmen und das Monopol aufweichen zu können, hält Wienholtz dagegen: „Alles ist derzeit auf kurzfristige Zuwendungen von ,betandwin' fixiert, die in einige Klubs und Ligen fließen. Wir müssen die Einnahmen für den gesamten Sport dauerhaft sichern." Er plädiert dafür, das bis heute so einträgliche Monopol für alle Glücksspielarten nicht aufzugeben.



Text: F.A.Z., 22.08.2006
Bildmaterial: ddp

 
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