Im Gespräch: Dirk Nowitzki

„Die Vorfreude ist so groß wie lange nicht mehr“

“Noch drei, vier Jahre auf hohem Niveau“: Bis dahin will Dirk Nowitzki den NBA-Titel gewonnen haben

"Noch drei, vier Jahre auf hohem Niveau": Bis dahin will Dirk Nowitzki den NBA-Titel gewonnen haben

29. Oktober 2009 Vier Monate Pause vom Basketball - Dirk Nowitzki geht ausgeruht wie lange nicht in die NBA-Saison. Doch nach der Auftaktniederlage gegen Washington und vor dem Spiel gegen den Titelverteidiger, die Los Angeles Lakers, droht abermals ein Fehlstart. Nowitzki über den Traum vom Titel, verlorene Kilos und die Zukunft in der NBA.

Nach der Auftaktniederlage gegen Washington - brauchen die Mavericks wie im vergangenen Jahr wieder längere Zeit, um sich einzuspielen und in Form zu kommen?

Hätte ich eigentlich nicht gedacht. Wir haben im Trainingscamp gut trainiert, gute Vorbereitungsspiele gemacht. Deshalb kam die Niederlage gegen Washington sehr überraschend für mich. Ich hatte mit dem Sieg ein bisschen gerechnet - vor allem, weil wir ein sehr schweres Anfangsprogramm haben. Den Sieg hätten wir eigentlich gebraucht, deswegen war ich sehr enttäuscht nach dem Spiel.

Auch in der vergangenen Saison sind die Mavericks schwer in Schwung gekommen.

Wir hatten aber schon davon gesprochen, dass wir einen besseren Start hinlegen wollen, auch weil wir so viele neue Leute dabei haben. Da ist es besser, wenn man von Anfang an dabei ist und bei jedem das Selbstvertrauen gut ist. Das war jetzt schon ein Griff ins Klo gegen Washington.

Wann werden die verletzten Spieler Josh Howard und Tim Thomas zurückkehren?

Josh hat schon ein paar Mal mittrainiert. Ich hoffe, dass er bald dazu stößt, denn genau wie im letzten Jahr ist er sehr wichtig für uns. Man hat es gegen Washington gesehen: Wir haben in der Offensive nicht genug bekommen - da ist Josh wichtig, der seinen eigenen Schuss kreieren kann und an die Freiwurflinie kommt. Tim Thomas war in seiner ganzen Karriere einer der besten Dreierschützen. Die beiden haben wir vermisst - aber ich glaube, im Moment hat die ganze Liga Verletzungsprobleme. Ich hoffe nur, dass Josh eine verletzungsfreie Saison spielen kann und nicht wie im vergangenen Jahr drei, vier Spiele macht und dann wieder ausfällt.

Nach den Verstärkungen in diesem Jahr, unter anderem Thomas und Shawn Marion, erinnern die Mavericks an die Situation im Team vor fünf, sechs Jahren. Damals gab es Probleme, weil viele Spieler für die gleichen Positionen da waren und sich die über ihre wenigen Spielminuten beschwerten. Droht das in dieser Saison auch?

In diesem Jahr haben wir eine ältere, erfahrenere Mannschaft. Wenn wir erfolgreich sein wollen, dann muss jeder sein Ego zurücknehmen und der Mannschaft unterordnen. Als Profi muss man sich im Training dem Coach präsentieren. Und in einer langen Saison von 82 Spielen bekommt jeder seine Chance und die muss man punktgenau nutzen. Ich sehe da eigentlich kein Problem, die Chemie ist sehr gut bei uns, die neuen Spieler passen rein und bis jetzt haben wir in der Umkleide großen Spaß. Ich glaube, die Mannschaft ist besser als letztes Jahr.

Sie haben über den Sommer abgenommen. Heißt das auch, dass Sie Ihr Spiel wieder verändern, wieder weg vom Korb spielen, so wie zu Beginn Ihrer Karriere?

Ich wollte leichter werden, weil das im Training nach vier Monaten Pause auch für die Knochen gesünder ist - und wir haben jetzt im Oktober sehr lang trainiert, zweimal am Tag. Da wollte ich mir nichts kaputtmachen. Grundsätzlich möchte ich schon so wie im vergangenen Jahr spielen: ein bisschen draußen, ein bisschen drin, ein bisschen dribbeln und ein bisschen von außen schießen. Gegen Washington habe ich wieder mal ein paar Dreier geschossen, was in der Vorbereitung gar nicht vorkam, obwohl ich eigentlich hätte mehr zur Freiwurflinie kommen müssen. Aber diese Situationen werden sich von Spiel zu Spiel ändern - mein Spiel wird sich nicht groß ändern.

Vor der zwölften Saison in der NBA, den nun noch 81 Spielen - worauf freuen Sie sich da besonders, was werden die Highlights der Saison?

Ich habe den ganzen Sommer nicht gespielt, da habe ich mich in diesem Jahr auf den Saisonstart gefreut wie seit langem nicht mehr. Ich hab' im Sommer kein eins gegen eins, kein drei gegen drei, kein fünf gegen fünf gespielt, sondern nur Einzel- und Konditionstraining gemacht. Deshalb habe ich mich auf den Saisonstart wahnsinnig gefreut. Normalerweise ist es schon so, dass man sich auf die großen Spiele ein bisschen mehr freut und ein bisschen nervöser ist als bei anderen Partien. Aber in diesem Jahr war die Vorfreude so groß wie seit langem nicht mehr. Ein besonderes Highlight wird sicherlich das All-Star-Game im Februar in Dallas, im neuen Footballstadion, da passen über hunderttausend Leute rein - das wird eine Riesensache, auch für die Stadt hier.

Schon in der vergangenen Saison und auch über den Sommer wurde diskutiert, ob sich die Wirtschaftskrise auch in der NBA bemerkbar machen würde. Hat sich die Stimmungslage verschlechtert?

Die Stimmung ist generell noch ganz gut, obwohl die Wirtschaftskrise sich auch auf die Liga auswirkt. Wir hatten gestern Probleme, unseren Saisonauftakt auszuverkaufen, das gab es seit Jahren nicht mehr, seit meinen ersten beiden Saison, als wir noch nicht so gut waren. Der Ticketverkauf ist in der ganzen Liga schlechter in dieser Saison, aber das war abzusehen.

Schon in der letzten Saison haben in der NBA alle vom Sommer 2010 gesprochen, wenn viele Topstars als Free Agents auf dem Markt sind . . .

Der nächste Sommer wird der große Sommer - LeBron James wird Free Agent, Dwayne Wade, Amar'e Stoudemire, Chris Bosh auch. Viele Superstars sind dann zu haben und nächsten Sommer wird sich viel verändern. Viele werden wechseln - das wird einer der interessantesten Sommer seit langem für die NBA. Die große Frage ist: Was macht LeBron James? Das wird ja schon seit zwei Jahren diskutiert. Und so viele Gerüchte und so viel Hype ist natürlich gut für unsere Liga. Ich hoffe, dass wir eine gute Saison spielen - und dann schauen wir mal was nächsten Sommer kommt.

Sie sind jetzt 31. Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wann das Ende der NBA-Karriere kommen könnte?

Ich wiege weniger, fühle mich körperlich sehr gut. Ich fühle mich im Moment schon noch in meiner Blüte. Aber wenn man über dreißig ist, muss man daran denken, was mal nach der Karriere kommt. Ich denke, ich werde dem Basketball erhalten bleiben, weil mir der Sport so viel gegeben hat. In welcher Funktion und wo ich wohnen werde, das ist noch offen. Ich denke, dass ich auf hohem Niveau noch drei oder vier Jahre spielen kann. Mal schauen, ob ich bis dahin meinen Traum verwirklicht und die Meisterschaft geholt habe. Aber wenn alles zur Quälerei wird, höre ich lieber früher auf.

Mit Dirk Nowitzki sprach Christoph Becker.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, dpa, picture-alliance/ dpa

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