Carl-Uwe Steeb im Gespräch

„Die Topspieler wollen nicht, dass unser Turnier stirbt“

12. Mai 2008 Das Tennisturnier am Hamburger Rothenbaum hat eine lange Tradition. Doch nun ist der Masters-Status gefährdet. Turnierdirektor Carl-Uwe Steeb ist dennoch zuversichtlich für die Zukunft der Veranstaltung, die in dieser Woche in der Hansestadt stattfindet (Liveberichte finden Sie im FAZ.NET-Liveticker). Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung spricht er über die Tennistradition am Rothenbaum, die Suche nach einem Sponsor und sein Idol Jimmy Connors.

Herr Steeb, ist es das erste und letzte Mal, dass Sie Turnierdirektor eines Masters-Turniers am Hamburger Rothenbaum sind?

Nein, das glaube ich nicht.

Woher nehmen Sie Ihre Zuversicht?

Weil wir ein großes, ein tolles Turnier mit viel Tradition haben. Und im Tennis ist Tradition ganz wichtig. Der Sport würde ärmer, wenn ein Turnier wie dieses verschwinden würde.

Wie ist der aktuelle Status im Kampf um den Erhalt des Masters-Status?

Da kann ich derzeit keine Neuigkeiten berichten. Wenn beide Seiten nicht doch noch aufeinander zugehen - und danach sieht es derzeit nicht aus -, wird es zu einer Verhandlung im amerikanischen Bundesstaat Delaware im Juli kommen. Das Urteil wird dann wohl spätestens im August erwartet.

Im Kampf gegen die ATP Tour hat der Deutsche Tennis-Bund ja prominente Mitstreiter. Wie wichtig ist das?

Alle Topspieler, allen voran Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic, also die Top 3 der Weltrangliste, haben sich in einer Petition an die ATP Tour für unser Turnier ausgesprochen und stark gemacht. Das demonstriert, dass auch die Weltklassespieler nicht wollen, dass ein so traditionsreiches Turnier stirbt. Die wissen, was für einen tollen Standort wir haben.

Obwohl es in der Vergangenheit oft die Kritik der Spieler gab, in Hamburg sei das Wetter um diese Jahreszeit noch zu schlecht für ein Freiluftturnier auf Sand?

Wir hatten in der Vergangenheit oft Pech mit dem Wetter. Aber für dieses Jahr sieht es ja sehr gut aus. Aber als es darum ging, Hamburg ja oder nein, haben sich fast alle Spieler für den Erhalt dieses Masters-Turnier am Rothenbaum ausgesprochen.

Warum braucht Deutschland ein Masters-Turnier?

Deutschland braucht ein Masters-Turnier als Signal für den Nachwuchs und die Öffentlichkeit. Der Deutsche Tennis-Bund ist immerhin der größte nationale Tennisverband der Welt. Wenn alle Traditionsturniere, die vorübergehend schwächeln, verschwinden, dann würde ein Stück Tennisgeschichte kaputtgemacht.

Hat das Hamburger Turnier die Talsohle durchschritten?

Wir haben die Trendwende geschafft. Im vergangenen Jahr kamen mehr als 110.000 Zuschauer. In diesem Jahr hat der Vorverkauf um 15 Prozent angezogen. Dabei hat sich das Kaufverhalten der Zuschauer gewandelt. Die Leute warten länger ab. Sicherlich auch vor dem Hintergrund, dass wir vor zwei Jahren mit den kurzfristigen Absagen und auch manchmal mit dem Wetter Pech hatten, kaufen viele die Karten an der Tageskasse.

Wie sieht das Feld in diesem Jahr aus?

Auch in diesem Jahr haben wir wieder ein tolle Besetzung, so wie es sich für ein Masters-Turnier gehört, die höchste Kategorie auf der ATP Tour. Alle Topspieler, allen voran die beiden Vorjahresfinalisten Federer und Nadal, haben gemeldet. Auch fünf deutsche Spieler sind im Feld. Philipp Kohlschreiber (32. der Weltrangliste), Nicolas Kiefer (43.) und Michael Berrer (66.) sowie Nachwuchsspieler Andreas Beck (160.) sind mit von der Partie. Die letzte Wildcard haben wir an den Hamburger Mischa Zverev (75.) vergeben, so dass wir auch einen Lokalmatador bieten können (Zverev schied am Sonntag schon in Runde eins geegn den Kroaten Ivo Karlovic aus, Anmerkung der Redaktion). Wenn das Wetter so bleibt, werden wir ganz sicher die Zuschauerzahlen aus dem vergangenen Jahr übertreffen. In diesem Jahr fangen wir ja schon mit Hauptrundenspielen am Sonntag an. Damit bieten wir ein noch attraktiveres Programm. Auch im Fernsehen sind wir präsent. Das DSF überträgt jeden Tag drei Stunden, dazu die Halbfinals und das Endspiel.

Steht das Turnier wirtschaftlich auf einer gesunden Basis?

Für eine wirtschaftlich gesunde Basis bedarf es einer Nachhaltigkeit, was den Status und den Termin des Turniers betrifft. Nur so können wir Sponsoren die notwendige Plattform und Perspektive für ihr Engagement bieten. Ich bin felsenfest überzeugt, dass wir mit dem Turnier in Zukunft schwarze Zahlen schreiben können.

Wie sieht die Bereitschaft von Sponsoren aus, sich für das Turnier zu engagieren?

Ich war ja auch im vergangenen Jahr mit meiner Agentur bei der Sponsorensuche aktiv. Und als Turnierdirektor war das meine Hauptaufgabe. Wir haben dabei ein sehr gutes Feedback. Was Sponsoren angeht, stehen wir sehr gut da.

Aber trotzdem haben Sie keinen Titelsponsor gefunden?

Das hängt natürlich mit der ungeklärten Frage zusammen, ob wir auch 2009 den Masters-Status haben. Und der Titelsponsor ist natürlich dafür verantwortlich, ob man ein Turnier plus/minus Null oder mit einem leichten Verlust abschließt oder ob man Gewinn macht. Aber wenn man einen Titelsponsor gewinnen will, dann muss man eine Perspektive bieten, sagen, in welche Richtung es geht. Das können wir derzeit nicht. Deshalb haben wir uns bei der Suche nach einem Titelsponsor noch zurückgehalten.

Was ist Ihre schönste Erinnerung an die Turniere am Rothenbaum?

Ich habe neun Mal mitgespielt. Höhepunkt war sicherlich das Halbfinale 1989 gegen Ivan Lendl. Da habe ich den ersten Satz 6:4 gewonnen und dann Angst vor der eigenen Courage bekommen. Gegen so einen großen Namen im Halbfinale am Rothenbaum, dem größten deutschen Turnier, das war fast ein bisschen unheimlich. Vielleicht habe ich deshalb die nächsten Sätze 3:6 und 1:6 verloren. Das war mein größtes Erlebnis, zumal ich zuvor im Viertelfinale gegen Jimmy Connors 6:4 und 6:1 gewonnen hatte, ein Idol, dessen Bild bei mir zu Hause an der Wand hing.

Das Gespräch führte Wolfgang Scheffler.



Text: F.A.S.
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa

 
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