Von Bernhard Böth
22. Juli 2008 Vorhang auf, bald ist Olympia-Zeit! Wenn Favoriten stürzen oder neue Sportstars geboren werden, ist der Fernsehzuschauer in wenigen Wochen nah dran am Geschehen. Doch auch in nicht-olympischen Zeiten schreibt der Sport Geschichten. Dann sind die Kameras jedoch oft aus, der sogenannte Randsport verschwindet größtenteils von den Fernsehschirmen. Und das, obwohl viele dieser Athleten auch abseits der olympischen Stätten mehr Aufmerksamkeit verdient hätten.
Randsportler, die ihren Einsatz oft nur spärlich honoriert bekommen, sind einer nicht zu unterschätzenden Doppelbelastung ausgesetzt: Neben Training und Wettkampf dürfen sie, wenn sie heute schon an morgen denken, im Vergleich zu ihren Profikollegen Ausbildung oder Beruf nicht vernachlässigen. Dank der Unterstützung von Staat und Stiftungen schaffen es viele, den Sport professionell auszuüben und sportliche Höchstleistungen zu bringen. Eine finanzielle Absicherung durch Sponsoren gibt es in den meisten Fällen aber nicht; Sponsorengelder, die an den jeweiligen Dachverband gezahlt werden, erreichen die Sportler meist nur in geringem Maße.
Ein starkes Argument für die Sender
Die Gesetzmäßigkeiten des TV-Marktes sind im Olympia-Sommer aktueller denn je. Die Aufmerksamkeit einer breiten Masse lockt Werbekunden an. Doch die Situation der Randsportler ist vertrackt: Viele Athleten, die während der Spiele in Peking ausnahmsweise ins Blickfeld der Zuschauer rücken, sind wenige Wochen nach ihrem Auftritt schon wieder vergessen.
Die Erklärung ist einfach und hart zugleich: Die Einschaltquoten, die während Olympia in die Höhe schießen, sind nach Abschluss kaum noch messbar - so gering sind sie; das Interesse ebbt binnen kürzester Zeit wieder ab. Sobald das olympische Feuer erloschen ist, verliert der Fernsehzuschauer das Interesse an Schießen, Rudern oder Volleyball. Damit liefert er den Sendern ein starkes Argument, das Angebot kleinzuhalten oder gar nicht erst zu unterbreiten. Dass ARD und ZDF in ihrem Programmauftrag eigentlich auch zu (sportlicher) Vielfalt verpflichtet sind, interessiert sie in Zeiten des millionenschweren und alles dominierenden Fußball-Spektakels nicht wirklich.
Zugeständnisse ans Fernsehen
Neue Zählweisen, größere Bälle, knappere Höschen: Die kleinen Sportverbände und ihre Athleten (die vor Kamera und Mikrofonen regelmäßig echte Gefühle zeigen und keine Interview-Floskeln liefern) bemühen sich, mit allerlei Zugeständnissen mehr Sendezeit zu ergattern. Es nutzt freilich - das zeigt die Vergangenheit allzu deutlich - so gut wie nichts.
Im Sinne der Aktiven müssen die Funktionäre der Randsportarten trotzdem beharrlich weiter daran arbeiten, ihren Sport sowohl sportler- als auch fernsehgerecht zu gestalten. Das sind sie den Protagonisten schuldig. Zunächst aber wird Olympia ein Verwöhnprogramm für Randsportarten bleiben. Mit einem Schuss Humor lässt sich die gegenwärtig düstere Lage durch die rosarote Brille sehen: So schnell wie etwa beim Fußball wird es nicht zu einer Übersättigung kommen.
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Text: FAZ.NET
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa
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