Wegen Falschaussagen zu Dopingvergangenheit

Marion Jones muss für sechs Monate ins Gefängnis

12. Januar 2008 Bei den Olympischen Sommerspielen 2000 in Sydney war Marion Jones noch das Glamour-Girl, die Spiele im August in Peking wird sie im Gefängnis erleben. Die ehemals schnellste Frau der Welt muss wegen zweimaligen Meineides sechs Monate ins Gefängnis. „Ich bin sehr enttäuscht, aber ich respektiere das Urteil und hoffe, dass die Leute aus meinen Fehlern lernen“, sagte Jones, die nach dem Urteil eines US-Gerichts am Freitag in White Plains im amerikanischen Bundesstaat New York als erster Sportstar im Zusammenhang mit einem Doping-Vergehen hinter Gitter muss. „Mir ist das Ausmaß meiner Verfehlungen bewusst, und es tut mir aufrichtig leid.“

Die 32-Jährige muss ihre Haftstrafe bis zum 11. März antreten, kündigte aber an, ihren Gefängnisaufenthalt schon früher beginnen zu wollen. Jones hofft, in eine Vollzugsanstalt in der Nähe ihres Wohnortes Austin/Texas zu kommen. Richter Kenneth Karas begründete seinen Entscheidung damit, dass „eine generelle Abschreckung und mehr Respekt gegenüber dem Gesetz nötig war. Athleten haben in der Gesellschaft einen erhöhten Status. Sie unterhalten, inspirieren und - das ist die wohl wichtigste Aufgabe - sie sind Vorbilder“, so Karas.

„Ich bitte sie, so gnädig zu sein“

Jones nahm das Urteil unter Tränen und angelehnt an ihren Mann, den Bronzemedaillengewinner von Sydney über die 100 Meter, Obadele Thompson, entgegen. Zuvor hatte sie Karas noch gebeten, sie nicht von ihren beiden Söhnen zu trennen. Der Älteste ist viereinhalb Jahre alt, der Jüngste wurde im vergangenen Juli geboren und wird von ihr noch gestillt. „Ich bitte sie, so gnädig zu sein, wie ein Mensch nur gnädig sein kann“, flehte Jones, die zudem in den kommenden zwei Jahren 400 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten muss.

Karas räumte zwar ein, die Kinder seien Opfer, betonte jedoch, dass Kriminelle „die Konsequenzen ihres Handels für andere realisieren müssen. Wir wären heute nicht hier, wenn Frau Jones die Wahrheit gesagt hätte. Ich hoffe, dass andere Athleten sich jetzt zweimal überlegen, ob sie gegenüber Untersuchungsbehörden lügen. Denn auf lange Sicht haben sie damit keinen Erfolg.“ Karas verurteilte am Freitag auch den ehemaligen Jones-Trainer Steve Riddick wegen Bankbetrugs und Geldwäsche in Millionenhöhe zu fünf Jahren und drei Monaten Haft.

Kein Bußgeld, da die ehemalige Millionärin pleite ist

Der neue Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada, John Fahey, verspricht sich durch die Strafen ebenfalls eine abschreckende Wirkung: „Es ist ein Beispiel, dass der weltweite Anti-Doping-Kampf es für Betrüger immer schwerer macht, ungestraft davon zu kommen.“

Jones wurden eine Falschaussage gegenüber Untersuchungsbehörden im Zusammenhang mit Doping und ein Meineid im Betrugsfall ihres ehemaligen Freundes, Ex-Weltrekordler Tim Montgomery, zum Verhängnis. Für den zweiten Meineid wurde sie mit zwei Monaten Gefängnis belegt. Beide Strafen können zur selben Zeit verbüßt werden. Von einem Bußgeld sah der Richter ab, da die ehemalige Millionärin pleite ist.

Gedopt und gelogen

Die Kalifornierin hatte am 5. Oktober 2007 vor einem Gericht in New York zugegeben, gegenüber Untersuchungsbehörden gelogen zu haben und widersprach ihren Aussagen, die sie bei einer Anhörung im November 2003 gemacht hatte. Damals wurde sie im Zuge des Balco-Skandals befragt und bestritt jeglichen Dopingmissbrauch vehement. Vor drei Monaten räumte sie dann ein, von September 2000 bis Juli 2001 gedopt zu haben. Im Anschluss an ihr Geständnis erklärte sie ihren Rücktritt vom Leistungssport.

Sie bekannte sich außerdem schuldig, im Zusammenhang mit einem Scheck-Betrug gegenüber den Untersuchungsbehörden gelogen zu haben. Jones hatte 2005 behauptet, nichts von einer Verwicklung Montgomerys in einen millionenschweren Kriminalfall gewusst zu haben. Sowohl der Leichtathletik-Weltverband IAAF als auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) strichen Jones nach ihrem Dopinggeständnis aus allen Siegerlisten. Ihre fünf Olympia-Medaillen von Sydney, darunter drei goldene, hat sie bereits freiwillig zurückgegeben. Im Dezember wurden ihr die Medaillen vom IOC offiziell aberkannt.



Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: AFP, AP, dpa

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