Ryder Cup

Oliver Wilson - der junge Unbekannte

Von Wolfgang Scheffler, Louisville

“Es ohne Sieg zum Ryder Cup zu schaffen, ist noch eindrucksvoller“, sagt Wils...

"Es ohne Sieg zum Ryder Cup zu schaffen, ist noch eindrucksvoller", sagt Wilson vor seiner Premiere in Kentucky

19. September 2008 Für die Amerikaner, aber auch für viele Europäer ist der 28-jährige Engländer der große Unbekannte im Team: Oliver Wilson, der erste Golfer, der sich ohne Sieg bei einem Profiturnier für den Ryder Cup direkt qualifizierte. Aber was viele als Stigma sehen, sieht der junge Mann aus Mansfield in den englischen Midlands als einen seiner Vorzüge: „Ich habe mein Bestes gegeben und nicht gewonnen“, sagte Wilson, der sieben Mal und allein vier Mal in diesem Jahr auf der europäischen Tour als Zweiter einkam.

„Wenn ich eine Wildcard erhalten hätte, denn hätte ich das Gefühl, dass ich nicht hierher gehöre und viel Glück gehabt hätte. Aber ich habe mich durch beständiges Spiel qualifiziert. Und das ohne Sieg zu schaffen, ist noch eindrucksvoller. “ Ganz besonders eindrucksvoll war, wie Wilson beim letzten Qualifikationsturnier in Gleneagles in Schottland unter größtem Druck den letzten automatischen Qualifikationsplatz gegen den Mettmanner Martin Kaymer behauptete. Nach der ersten Runde lagen beide gleichauf mit 76 Schlägen, beide mussten darum kämpfen, den Cut zu überstehen. Wilson schaffte es mit 72 Schlägen, für den Deutschen war nach 73 Schlägen und einem Bogey am 17. Loch alles verloren.

„Ich glaube, dass ich dem Team helfen kann“

Dehnübungen vor der Trainingsrunde auf dem Valhalla-Kurs

Dehnübungen vor der Trainingsrunde auf dem Valhalla-Kurs

Danach trumpfte Wilson groß auf und schob sich mit Runden von 68 und 69 Schlägen noch auf den geteilten zehnten Platz vor. „Gleneagles war ein weiterer Baustein in meiner Karriere. Das war für mich eine neue Erfahrung. Da habe ich allen bewiesen, dass ich ganz viel aus mir herausholen kann. Wenn es an diesem Freitag etwas anders gelaufen wäre, hätte alles vorbei sein können. Wie ich mit Birdies in der Schlussphase den Cut überstand und dann noch zwei gute Runden spielte, macht mich stolz. In der Vergangenheit war ich oft nervös, weil ich Dinge einfach zu sehr wollte. Dass ich mich für den Ryder Cup qualifiziert habe, ist großartig für meine Karriere und ich glaube, dass ich dem Team helfen kann.“

Am Freitag als der 37. Ryder Cup im Valhalla Golf Club in Louisville mit den Vierern begann, musste der Neuling noch zuschauen - und dass, obwohl der europäische Team-Kapitän Nick Faldo in der Woche im amerikanischen Bundessstaat Kentucky immer wieder betont hatte, dass er alle zwölf Spieler am ersten Tag einsetzen werde.

Die Weltrangliste stuft ihn als schwächsten Europäer ein

Wilson war dennoch vor seinem verspäteten Debüt am Samstag oder Sonntag nicht bange: „Ich glaube, ich habe mittlerweile das Spiel, um auf jedem Platz bestehen zu können.“ Der Engländer gehört mit einer durchschnittlichen Drivelänge von 260 Meter zu den „kürzesten“ Spielern im Team - und auch die Weltrangliste stuft ihn auf Rang 48 als Schwächsten der Europäer ein. „Mein Stärke ist das kurze Spiel rund ums Grün“, beschreibt Wilson seine Vorzüge. „Außerdem ist es beim Lochspiel oft kein Nachteil, wenn man den kürzeren Abschlag hat. Dann schlägt man als Erster zum Grün und kann mit einem guten Schlag den Gegner unter Druck setzen. Es geht in dieser Woche darum, viele Birdies zu spielen. Und ich kann das auch mit längeren Eisen.“

Aber für Wilson spricht noch mehr. Er fühlt sich in den Vereinigten Staaten (siehe: Ryder Cup: Mit dem Rücken zur Wand und Muhammad Ali als Inspiration) wohl. Er besuchte mit einem Golfstipendium die Augusta State University in der Stadt, in der jedes Jahr das Masters stattfindet. Während seiner College-Zeit fand er nicht nur mit Lauren Smith eine amerikanische Lebensgefährtin, sondern auch viele Freunde. Und wer weiß, vielleicht wird er wie in der Vergangenheit Eamon Darcy, David Gilford, Philipp Walton oder Philipp Price als bis dato Unbekannter zu einem der Helden des Ryder Cups: „Ich glaube ich kann das schaffen. Noch weiß kaum jemand, etwas mit meinem Namen anzufangen. Aber der Ryder Cup ist die beste Bühne, um den Leuten zu zeigen, was ich kann.“

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP, REUTERS

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